Norderstedt
Handball

Weihnachten werden sie in Lettland feiern

Nach Arbeit und Sport machen es sich Maris Versakovs und Ehefrau Dina Bergmane-Versakova und Labrador Lucky auf dem Sofa gemütlich

Nach Arbeit und Sport machen es sich Maris Versakovs und Ehefrau Dina Bergmane-Versakova und Labrador Lucky auf dem Sofa gemütlich

Foto: Thomas Maibom

Aber so ganz kann das Handball-Ehepaar Maris Versakovs und Dina Bergmane-Versakova bei ihrem Heimatbesuch nicht auf Handball verzichten.

Henstedt-Ulzburg.  Tennis-Star Ana Ivanovic und Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger haben in diesem Jahr geheiratet, Skirennläufer Felix Neureuther und Biathletin Miriam Gössner gelten als Traumduo der Wintersport-Szene, die beiden ehemaligen Tennisgrößen Steffi Graf und Andre Agassi feierten Hochzeit am 22. Oktober 2001. Das prominenteste Sportlerpaar in der Region kommt aus Lettland und spielt Handball: Maris Versakovs (30) für die Drittliga-Männer der HSG Norderstedt Henstedt-Ulzburg, seine Gattin Dina Bergmane-Versakova (27) für die Drittliga-Frauen des SV Hen­stedt-Ulzburg.

Die beiden Letten verschlug es im Sommer in die größte Gemeinde Schleswig-Holsteins. Doch aller Anfang war schwer, zumindest was die Suche eines Domizils anging. „Mein Wechsel zur HSG Nord HU kam kurz vor dem Start der Vorbereitung zustande. Deshalb bin ich erst einmal bei meinem Teamkameraden Karl Saint-Prix und dessen Hund untergekommen“, erinnert sich Maris Versakovs. „Als dann feststand, dass auch Dina mit dem Handballspielen in Henstedt-Ulzburg beginnen würde und Karl wenig später auszog, haben wir die Wohnung kurzerhand behalten.“

Das Ehepaar hat sich gut in Henstedt-Ulzburg eingelebt

Es würden zwar noch ein paar Bilder fehlen, aber im Großen und Ganzen sehe es nach knapp sechs Monaten bereits nach „zu Hause“ aus, ergänzt Dina Bergmane-Versakova. Und Labrador Lucky hat bereits tierische Freunde in der Nachbarschaft gefunden.

Maris und Dina sprechen nicht ohne Grund ganz gelassen über ihren Umzug nach Henstedt-Ulzburg. 2007 wechselte Maris Versakovs als lettischer Meister von ASK Riga in die 2. Bundesliga zur SG Achim/Baden. Ein Jahr später gelang ihm sogar der Sprung ins Handball-Oberhaus. Bei TuSEM Essen hatte er jedoch einen schweren Stand. So schloss er sich Zweitligist ASV Hamm an. Über den VfL Edewecht ging es schließlich zu Drittligist SV Beckdorf. „In all den Jahren sind wir achtmal umgezogen, wir haben in dieser Hinsicht also schon eine gewisse Routine“, sagt Maris Versakovs.

Dabei lag die Entscheidung, länger in Deutschland zu bleiben, anfangs nicht in seinen Händen. „Dina war zur Zeit meines Wechsels in die Bundesliga Medizinstudentin in Riga. Wenn sie mir nicht gefolgt wäre, wäre ich zurück nach Lettland gegangen“, so der 1,92 Meter große Rechtshänder. Doch auch seine Frau wagte das Abenteuer Deutschland und versuchte fortan selbst, einen geeigneten Handballclub zu finden. „Ich habe in Essen, Recklinghausen, Hamm und Beckdorf gespielt, ehe es nach Hollenstedt ging. Dort hatte ich eine tolle Zeit. Man begrüßt mich immer noch herzlich, wenn ich in die Halle komme. Ein schönes Gefühl.“

Maris und Dina haben in Henstedt-Ulzburg aber nicht nur im Sport, sondern auch beruflich Fuß gefasst. „Dina hat durch meine ständigen Wechsel zwei Ausbildungen abbrechen müssen, schließlich aber ein BWL-Fernstudium in Lettland erfolgreich abgeschlossen. Sie arbeitet nun Vollzeit im Vertrieb eines Händlers für Autoteile“, sagt Versakovs. Der ist ausgebildeter Physiotherapeut und arbeitet in der Praxis von Matthias Karbowski, dem früheren Trainer der SVHU-Zweitliga-Handballer.

Das Berufsleben gilt für das Duo als neue Herausforderung. Handball, Job und Hund unter einen Hut zu bekommen, falle nicht immer leicht. „Maris geht zum Beispiel morgens und mittags mit Lucky Gassi, ich dann am Abend jeweils vor und nach dem Training.“ So klappt das eigentlich recht gut“, sagt Dina Bergmane-Versakova.

Sportlich wünscht sich die großgewachsene Rückraumspielerin, mit ihren „Frogs-Ladies“ eine starke Rückrunde zu spielen um noch einmal oben in der Tabelle angreifen zu können. „Noch schwanken unsere Leistungen zu stark. Wir hatten uns eigentlich mehr vorgenommen als Platz vier zum Ende der Hinrunde.“

Für ihren Ehemann, der mit der HSG Nord HU die Tabelle der 3. Liga anführt, wäre vor einigen Wochen beinahe ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Ich spiele seit vielen Jahren für die lettische Nationalmannschaft. Im Herbst haben wir nur hauchdünn die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Januar in Frankreich verpasst. Da wäre ich gerne dabei gewesen, doch wir sind in den Playoffs gegen Weißrussland aufgrund der weniger geworfenen Auswärtstore gescheitert.“

Die weite Reise in die Heimat treten sie mit dem Auto an

Immerhin werden Weihnachten und Silvester somit entspannter verlaufen. Doch wie verbringt das Ehepaar Versakovs die Festtage? „Wir fahren nach Lettland und feiern mit der Familie“, sagt Maris. Fliegen können sie nicht: Sie haben viele Geschenke im Gepäck, dann ist da ja auch noch der Hund. Im Auto dauert die Fahrt je nach Wetterverhältnissen 16 bis 21 Stunden, ganz hart.

Dina ergänzt: „Wir fahren schon seit acht Jahren jeden Sommer und Winter mit dem Auto nach Lettland, sind die Strecke durch Polen und Litauen gewöhnt. Maris hat außerdem einen Lehrgang mit der Nationalteam und bestreitet einige Spiele in Riga.“ Somit wird das Paar auch in den kommenden Tagen nicht ganz auf Handball verzichten. Wundern tut es einen nicht...