Norderstedt
Pferdesport

Ronja Walter ist Deutschlands Königin im Sattel

Ronja Walter mit ihrem Erfolgspferd Garry. Die Alvesloherin wiegt 53 Kilogramm, im Rennen müssen es mindestens  60 sein. Deshalb sind Zusatz-Bleigewichte im Sattel

Ronja Walter mit ihrem Erfolgspferd Garry. Die Alvesloherin wiegt 53 Kilogramm, im Rennen müssen es mindestens 60 sein. Deshalb sind Zusatz-Bleigewichte im Sattel

Foto: Uwe Stelling

Die 21 Jahre alte Trabreiterin aus Alveslohe ist auf nationaler Ebene konkurrenzlos. Sie wird 2016 schon zum dritten Mal Championesse.

Alveslohe.  Zuerst gab’s eine Kuscheleinheit, dann ein lockeres Interview im Winnercircle, mit einem Blumenstrauß im Arm. Ein Liebesbekenntnis für ihren achtjährigen Wallach Garry durfte auch nicht fehlen: Ronja Walter, 21 Jahre alte Pferdesport-Amazone aus Alveslohe, hatte soeben das Trabreiten im Rahmen des Hamburger Grand-Prix-Meetings gewonnen.

Überraschend war das nicht, denn Ronja Walter ist die erfolgreichste Deutsche in dieser Disziplin. Sie beherrscht die nicht alltägliche Form des Trabrennsports perfekt, niemand bewegt sich besser auf dem Pferderücken. In der deutschen Championatswertung 2016 kommt keine Konkurrentin auch nur annähernd in die Nähe des Gespanns aus Alveslohe, das den dritten nationalen Titel praktisch sicher hat.
21 Jahressiege (58 insgesamt) sprechen für sich, dazu kommen 72 Platzierungen als Zweite oder Dritte.

Trabrennen haben viele Pferdesportfreunde wohl schon verfolgt. Aber Traben unterm Sattel anstatt mit Sulky? Da bricht schon mal das große Staunen aus, auch bei Mädchen, die gerne reiten. Beim Trabreiten, Satteltraben genannt, ist wesentlich mehr Tempo im Spiel, die jungen Amazonen scheinen über die Rennpiste zu fliegen.

Ronja Walter kennt keine Angst. „Garry macht das schon““, sagt sie, „ich kann mich auf ihn verlassen. Jede Berührung, ob nah am Hals, mit Händen, Zügel oder mit den Beinen setzt er problemlos um.“

Vater Manfred Walter (59), langjähriger Routinier im Sulky und Berufsfahrer im norddeutschen Trabrennsport mit rund 1700 Erfolgen, befindet sich vorsichtshalber nahe am Geschehen, sollten einmal Probleme am Start auftauchen. „Dabei verfällt Garry nie in Galopp“, sagt Ronja, die seit 2011 im Sattel sitzt und über ein Drittel ihrer bisherigen 164 Rennen als Siegerin beendet hat – auch mit Pferden anderer Besitzer. So wie Anfang Oktober, als sie innerhalb von zwei Tagen auf den Rennbahnen in Gelsenkirchen (Bastiaan B) und Dinslaken (Bendt Ricardo) Erfolge als klare Favoritin feiern konnte. Der Bekanntheitsgrad der Königin im Sattel steigt weiter.

„Ich kann es mir nicht erklären, warum sie ein solches Händchen für das Trabreiten hat, dafür muss man wohl geboren sein“, sagt Mutter Susann Walter. Sie war eine Top-Amateurfahrerin, brachte es auf 250 Siege und drei Nordtitel.

Am Tag nach dem Sieg am Hamburger Volkspark begab sich Ronja Walter schon wieder auf eine ihrer diversen Reisen durch Deutschland und Europa. Am Vormittag bestand die Physiotherapeutin im zweiten Ausbildungsjahr noch eine Prüfung. Mittags fuhr sie dann mit Traberbesitzer André Müller (Poppenbüttel) in den Norden Dänemarks, um auf der Bahn in Skive dessen Pferd Silence zu reiten. Es reichte zu Rang zwei, auf der schwierigen Piste beachtlich.

„Die Strapazen waren nicht ohne, aber sie machen mir nichts aus“, sagt sie. „Ja, das stimmt“, sagt Vater Manfred Walter, der 14 Pferde im Stall stehen hat. „Ronja kann es nicht lassen, sie soll es auch nicht. Denn bei allem, was sie mit den Tieren tut, ist für sie der Spaß wichtig.“

Die Trabreit-Championesse unterscheidet vor allem ein wesentlicher Punkt von ihren Rivalinnen: Sie sitzt nicht auf dem Pferd, wie die meisten anderen Mädchen, sondern steht im Rennen durchweg, etwa zwei Minuten. Ronja nimmt ihrem trabenden Vierbeinern auf diese Weise die Belastung und erhöht die Schnelligkeit des Gespanns.

Das muss man erst mal nachmachen, Nachahmung aber fällt schwer. Ronja Walters größter Wunsch: „Ich würde gern eines Tages beim Prix d`Amerique in Paris-Vincennes im Sattel antreten.“ Ist auch der Galopprennsport für sie attraktiv? „Ich glaube nicht, ich bleibe den Trabern treu.“