Norderstedt
Fußball

Jordan Brown ist Norderstedts Königstransfer

Willkommen zu Hause – Eintracht-Coach Thomas Seeliger mit seinem prominenten Rückkehrer Jordan Brown

Willkommen zu Hause – Eintracht-Coach Thomas Seeliger mit seinem prominenten Rückkehrer Jordan Brown

Foto: Anne Pamperin

Offensivallrounder Jordan Brown, zuletzt in Zürich, kehrt nach fünf Jahren zurück zu seinem ersten Verein im Herrenfußball.

Norderstedt.  „Uff“, sagt Jordan Brown. „Die Frage überrascht mich. Ich dachte, in Deutschland wissen noch alle, was für ein Spielertyp ich bin.“ Eintracht Norderstedts aktueller Neuzugang schmunzelt. Die Frage lautete: Was zeichnet ihn als Spieler auf dem Feld aus? Schnell zeigt der 24-Jährige Verständnis: „Eine große Stärke ist immer noch mein Tempo. Doch ich habe mich in vielen Bereichen weiterentwickelt. Ich war ja lange weg.“

Genauer gesagt fünf Jahre. 2011 brach der in Norderstedt ausgebildete Mittelfeldspieler von der Ochsenzoller Straße auf, um die Fußballwelt zu erobern. Er war 19, blickte auf Fotos meist schüchtern drein. Wie sich die Zeiten ändern. Mittlerweile ist das frühere Talent ein gestandener Fußballer, Eintracht-Präsident Reenald Koch bezeichnete Brown bei seiner Unterschrift als „Königstransfer“. Dazwischen liegen Stationen, die ihn nicht nur geprägt, sondern auch sehr weit gebracht haben. Immerhin wechselt Brown nun vom Schweizer Erstligisten Grasshoppers Zürich zurück an seine alte Wirkungsstätte. Nach drei Jahren in der Schweiz fiel er dem Umbruch beim Euro-League-Teilnehmer zum Opfer.

„Ich hege aber keinen Groll. Ich habe viel erlebt und durfte mit wunderbaren Spielern wie Kim Källström auf dem Rasen stehen“, sagt Brown. Die schwedische Nationalmannschaftslegende (131 Länderspiele) beeindruckte ihn mit „unglaublicher Mentalität. 34 Jahre alt, aber in jedem Training mit Feuereifer dabei. Er gab mir viele Tipps.“ Dennoch waren Brown in der Schweizer Super League bei den Grasshoppers nur zwei Einsätze vergönnt. Für die Zweitligisten FC Wil und FC Wohlen lief er immerhin 70-mal auf.

Spricht Eintrachts Neuer über sein Leben in der Schweiz abseits des Fußballplatzes, klingt das für deutsche Ohren ungewohnt. Aus dem Ausland wechselnde Spieler loben meist die „deutschen“ Werte ihrer Clubs: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Professionalität. Brown macht da keine Ausnahme, aber gleichzeitig sucht er in Deutschland „ein ganz klein wenig Chaos“. Denn die Schweizer toppten in seiner Wahrnehmung in ihrer Korrektheit selbst den penibelsten deutschen Beamten. „Es wurde auf alles geachtet. Man musste sehr genau aufpassen, wo man was wie anmeldet“, sagt er.

Seine Rückkehr an die Ochsenzoller Straße sei zudem eine „Herzensangelegenheit“. Zu Steven Lindener und Kapitän Philipp Koch, mit dem er in der Jugend zusammen kickte, ist der Kontakt nie abgerissen. Die Entwicklung der Eintracht mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord und zur Nummer drei im Hamburger Fußball-Verband tat ihr Übriges. „Es sind sehr gute Spieler mit einer hohen Qualität da“, sagt Brown, „mit einer so guten Mannschaft können wir vielleicht oben mitspielen.“

Ausschließlich auf die Karte Profifußball setzt der Sohn einer deutschen Mutter und eines jamaikanischen Vaters seit fast drei Jahren nicht mehr. Im Januar 2014 begann Brown ein Fernstudium an der Hochschule Düsseldorf im Bereich Sportbusiness/Management. Sein Ziel ist unverändert zunächst der Bachelor-Abschluss.

Auf dem Feld soll Brown als Flügelflitzer die rechte Seite beackern, seine Schnelligkeit und die gesammelte Erfahrung auf hohem Niveau in die Mannschaft einbringen. Durch die Auflösung seines Vertrages in Zürich war die Rückkehr nach Norderstedt trotz abgelaufener Wechselperiode ablösefrei möglich. „Transfermarkt.de listet seinen Marktwert auf 300.000 Euro – damit ist er der wertvollste Nicht-Profi in der Regionalliga Nord!“, jubelte bereits die Facebook-Seite von Eintracht Norderstedt.

Im gestrigen Auswärtsspiel beim 1. FC Germania Egestorf-Langreder war ein Einsatz aufgrund bisher fehlender Spielberechtigung nicht möglich. Diese soll bis zum Heimpartie gegen den FC St. Pauli II am kommenden Sonntag (14 Uhr) erteilt sein. Bis dahin will Brown, der sich zuletzt mit Einzeltraining fit hielt, „daran arbeiten, meinen Rückstand aufzuholen, um gleich voll dabei sein zu können. Und ich möchte es genießen, wieder daheim zu sein. Bei meiner Familie und bei der Eintracht.“

Die ihm – wiederum auf Facebook – gleich den ersten Auftrag erteilte: „Sein erstes Spiel im Herrenbereich war ebenfalls für die Eintracht und gegen den FC St. Pauli – nach 15 Minuten traf er damals zum 1:0. Um Wiederholung wird gebeten!“

Karrierestationen:

In der Saison 2010/2011 gelang Jordan Brown auf Anhieb der Sprung von Eintracht Norderstedts U19 in den damaligen Oberligakader. Unter Trainer Andreas Prohn erzielte er in 27 Partien sieben Tore.

2011 wechselte er in die Regionalliga Nord zum HSV II (35 Einsätze/ein Treffer).

2013 zahlte der Schweizer Zweitligist FC Wil 100.000 Euro Ablöse für den Mittelfeldspieler.

Im Winter 2015 ging er für 300.000 Euro zu Grasshoppers Zürich. Nach nur acht Monaten verlieh ihn der Traditionsklub in die zweite schweizerische Liga an den FC Wohlen (28 Partien/ 0 Tore).