Norderstedt
Pferdesport

Bei dieser Veranstaltung ist der Spaßfaktor extrem hoch

Ein schöner Anblick: Denise Oberjat aus Hoisdorf und ihr Friese-Tinker-Mix Cyrano beim Barockreiten

Ein schöner Anblick: Denise Oberjat aus Hoisdorf und ihr Friese-Tinker-Mix Cyrano beim Barockreiten

Foto: Anne Pamperin

Beim 21. Landesbreitensportturnier der Reiter in Bad Segeberg steht das harmonische Miteinander von Mensch und Tier im Mittelpunkt.

Bad Segeberg.  Stress? Den gibt’s bei diesem Event nicht! Wer zum Landesbreitensportturnier in Bad Segeberg kommt, sieht gut gelaunte Aktive, gemütlich grasende Pferde und entspannte Besucher, die sich von der Vielfalt der Reiterei überzeugen wollten. Auf dem Gelände an der Eutiner Straße dominieren Fantasie, Farben und Vielfalt, aber vor allem die Freude am harmonischen Miteinander von Mensch und Tier.

Zu sehen waren bei der 21. Auflage mehr als 600 Reiter mit ihren Pferden, die sich den unterschiedlichsten Her­ausforderungen stellten. Im Mittelpunkt standen allerdings keine sportliche Höchstleistungen auf S-Klassen-Niveau. „Es geht darum, ein schöne Zeit zu verbringen, neue Dinge auszuprobieren und zeigen, was einen mit seinem vierbeinigen Partner verbindet. Dass wir das hier in Form von kleinen Wettbewerben tun, ist einfach nur ein zusätzlicher Spaßfaktor“, sagt Anke Voss, die Breitensportbeauftragte des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein.

Ein Hingucker waren die Voltigiererinnen, die mit ihren akrobatischen Darbietungen für Staunen beim Publikum sorgten. Julia Nawrodt (29) und Frederike Dammann (21) vom Voltigier- und Reitverein Norderstedt lieferten auf dem Rücken des 15 Jahre alten Wallachs Dream eine tolle Vorstellung ab, obwohl dieser Auftritt eigentlich ganz anders geplant war.

„Ursprünglich wollten wir mit unserem sieben Jahre alten Nachwuchspferd Captain Morgan antreten, damit er ein bisschen Turnierluft schnuppern kann. Doch leider hat er sich vor einigen Tagen am Huf verletzt. Damit Julia und Frederike, die noch relativ neu in unserer Gruppe sind, überhaupt starten können, sind wir mit Dream nach Bad Segeberg gefahren. Ich bin echt stolz auf die beiden, sie haben das super gemacht“, sagte Trainer Martin Rix.

Der Norderstedter Club wurde in diesem Jahr Kreismeister und belegte bei den Landetitelkämpfen in Kirchwerder Platz neun.

Meisterschaftsambitionen hat Stefanie Zarling (38) nicht. Die Struvenhüttenerin wollte vor allem zeigen, wie intensiv die Verbindung zur ihrem Islandpferd ist und trug ein T-Shirt mit dem Foto von Stute Blika. Darüber war ein symbolischer Pulsschlag gezeichnet, an dessen Ende ein Herz zu sehen war.

„Das ist meine Liebeserklärung an Blika, die für mich alles ist. Sie ist meine Familie.“ Die 21 Jahre alte Islandpferdedame und ihre Reiterin waren zuvor in der Dressurprüfung mit der eher bescheidenen Note 5,5 bewertet worden. „Das ist aber völlig in Ordnung für uns, wir hatten ja auch teilweise einen ziemlichen Gangsalat“, sagte Stefanie Zarling lachend.

Der Wettbewerb, an dem die Angestellte der Hamburger Finanzbehörde teilnahm, hieß „gebisslose Rittigkeit“, was sich natürlich nicht auf die Reiter bezog. Während Pferde normalerweise eine oder sogar mehrere Metallstangen im Maul haben und dadurch viel sensibler auf Bewegungen mit dem Zügel reagieren, war nun nur ein Halfter am Kopf befestigt. Zarling: „Das ist dann eine reine Vertrauenssache.“

Die Nacht verbrachten Pferd und Reiterin auf dem Parkplatz an der Rennkoppel. „Wir haben dort unser Lager aufgeschlagen und gecampt. Das machen wir jedes Jahr so. Beim Breitensportturnier herrscht immer eine tolle Atmosphäre, alle gehen freundschaftlich miteinander um.“

An der Wertung um den erstmals angebotenen Gebisslos-Glücklich-Cup, der aus mehreren Prüfungen bestand, nahmen Stefanie Zarling und „Seniorin“ Blika allerdings nicht teil. „Das wäre dann doch zu viel für sie.“

Mit der ganzen Familie und Freunden kam Maren Hampe nach Bad Segeberg. Die Leezenerin hatte ihr Islandpony Demantur gesattelt und ging unter anderem bei der Prüfung „Blinder Führer“ an den Start. Hier bekam auch Lebensgefährte René Fischer, der sich ansonsten hauptsächlich um den elf Monate alten Sohn Jakob kümmerte, einen Einsatz. Fischer trug eine abgedunkelte Brille und war dadurch blind wie ein Maulwurf. Maren Hampe saß im Sattel und gab Richtungsanweisungen

„Ich finde diese Prüfung gut, denn so können die Männer auch mal irgendwo mitmachen“, sagte die 35-Jährige schmunzelnd. Das Duo absolvierte den Hütchen- und Stangenparcours flott und ohne größere Probleme. „Das hat Spaß gemacht. Witzig war, dass ich trotz der Maske die Augen zugemacht habe“, sagte René Fischer hinterher amüsiert.