Norderstedt
Langstrecken-Spezialist

Mario Sagasser sammelt Marathons aus Leidenschaft

Mario Sagassser (51) lief kürzlich auf der Isle of Man seinen 500. Marathon

Mario Sagassser (51) lief kürzlich auf der Isle of Man seinen 500. Marathon

Foto: Anne Pamperin

51 Jahre alter Henstedt-Ulzburger hat seit 2000 schon 501 Langstreckenläufe absolviert – und das weltweit in 50 Ländern.

Henstedt-Ulzburg.  Mario Sa­gasser überlegt kurz. „Olympia? Das könnte ich vielleicht schaffen, wenn ich mich beeile. Anschauen würde ich mir das schon gerne.“ Die Rede ist vom Marathon der Männer, der am Sonntag den Abschluss der Leichtathletikwettbewerbe in Rio de Janeiro bildet.

Ob sich der Henstedt-Ulzburger das Spektakel im Fernsehen anschaut, hängt davon ab, wie schnell er selber auf den Beinen ist. Denn bevor die Stars bei den Sommerspielen auf die Straße gehen, nimmt der 51-Jährige am 37. Ostroher Langlauftag teil, absolviert dort einen Marathon. Der Lauf über 42,195 Kilometer ist für Mario Sagasser bereits der zweite Langstreckenwettbewerb in dieser Woche und – was fast unglaublich erscheint – sein 502. (!) Antritt überhaupt über (mindestens) die klassische Distanz seit dem Jahr 2000, als er in Hamburg seine Premiere feierte.

Dass der Diplom-Ingenieur der physikalischen Technik in 17 Jahren diese große Zahl an Langstreckenläufen bestreiten würde, hätte er 1999 nicht ansatzweise gedacht. Damals feierte Sa­gasser seinen Einstieg beim Norderstedter Stadtlauf, ging dort über 10 Kilometer an den Start. Ein paar Wochen später folgte ein doppelt so langer Wettbewerb in Quickborn. „Als ich ins Ziel kam, sagte meine Frau Doris scherzend, ich würde ja noch so frisch aussehen und sollte doch mal für einen Marathon trainieren.“

Der erste Marathon war eine Tortur

Gesagt, getan – im Jahr danach stand Mario Sagasser in Hamburg am Start, lief 42,195 Kilometer und kam nach 4:13 Stunden ins Ziel. Die Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. „Mir ging es körperlich richtig mies danach. Damals musste man sich seine Medaille noch im Obergeschoss der Messehallen abholen. Ich bin die Treppen kaum rauf und noch schlechter wieder runtergekommen.“

Wieder war es Ehefrau Doris, die der Marathonlaufbahn ihres Gatten einen Schubs gab. „Sie schenkte mir zum Geburtstag den Start in Berlin“, so Sagasser, der auch 2001 in der Hauptstadt lief und mit einer Zeit von 3:30 Stunden wesentlich schneller war als bei seinem Debüt in Hamburg im Jahr zuvor. Gründe für die Verbesserung waren eine intensive Vorbereitung und der konsequente Lauf auf der Ideallinie. „Ich hatte den Kaltenkirchener Helmut Jung vor mir. Der hielt sich immer auf dieser blauen Linie“, berichtet Mario Sagasser, der mittlerweile Kontakte zu vielen Marathonis in Hamburg und Umgebung aufgenommen hatte. „Dadurch habe ich auch die Organisatoren der Volksdorfer Teichwiesenläufe kennengelernt. Hier kann man fast täglich einen Marathon bestreiten und zahlt dafür nur ein paar Euro Startgeld.“

Während andere Menschen in ihrer Freizeit Briefmarken, sammeln, ist Mario Sagasser auf der Jagd nach möglichst vielen und vor allem verschiedenen Marathons. Nach fünf Jahren beendete er seinen 100. Lauf und wurde dadurch in den 1998 gegründeten 100-Marathon-Club aufgenommen, den er als Vorsitzender seit dem März 2014 auch leitet.

Am vergangenen Sonntag ging der Vater zweier Töchter zum 500. Mal an den Start. Sein Jubiläum feierte er auf der Isle of Man. Das Reisen in ferne Länder verbinden Mario Sagasser und seine Frau Doris, die 2001 ihren ersten Marathon bestritt und es mittlerweile auf ebenfalls beachtliche 332 Läufe gebracht hat, stets mit einem Wettbewerb. Sagasser: „Wir sind schon in 50 verschiedenen Ländern gestartet und waren unter anderem in Kanada, Liechtenstein und Monaco, aber auch auf den Faröer-Inseln oder in den USA.“ Außergewöhnlich waren auch der Knastlauf in Darmstadt, der Mittsommermarathon im norwegischen Tromsö oder der Wettkampf auf der Originalstrecke der Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Kenianer wollten Fotos schießen

Was das Ehepaar dabei abseits der Laufstrecke erlebt, ist oft spannender als der Wettkampf selber. „Beim Mumbai-Marathon in Indien waren wir zusammen mit den Eliteläufern in einem Hotel. Als die Kenianer beim Essen mitbekamen, dass ich gerade meinen 400. Wettbewerb bestritten hatte, wollten sich alle mit mir fotografieren lassen. Das war schon witzig.“ In anderen Ländern wie beispielsweise Weißrussland, scheiterte ein Start fast am Sportvisum, dass aufgrund eines Poststreiks nur auf Umwegen ankam. „Schon oft haben wir nach einer Reise festgestellt, dass der Lauf selber eigentlich das einfachste an der ganzen Aktion war.“

Die Frage, ob diese hohe Anzahl an Läufen schlecht für die Gesundheit ist, verneint Sagasser übrigens vehement. „Ich hatte noch nie im meinem Leben Rückenschmerzen, woran ja sehr viele Menschen leiden. Auch Herz-Kreislauf-Probleme habe ich nicht und erkältet bin ich so gut wie nie.“ Laufen könne man sowieso immer und überall. Dafür seien nur ein paar vernünftige Schuhe nötig – sonst nichts.