Norderstedt
Rudern

Malte Großmann ist im Boot ein starker Teamplayer

Malte Großmann (l.) und Michael Trebbow haben als

Malte Großmann (l.) und Michael Trebbow haben als

Foto: DRV

Der Junioren-Ruderer aus Norderstedt holte 2015 mit dem Deutschland-Achter WM-Gold. Nun hofft er im U23-Zweier erneut auf den Titel

Norderstedt.  Mit Fächern wie Mathematik, Chemie und Informatik kennt sich Malte Großmann aus. Der eine oder andere hält sich von der vermeintlich „trockenen“ Materie lieber fern, der 20-Jährige nicht. Im Gegenteil: Er studiert in Bergedorf seit Herbst 2014 Wirtschaftsingenieurswesen und findet das immer noch gut. „Genau das richtige für mich“, sagt Großmann.

Als ganz und gar nicht trocken kann indes sein Hobby bezeichnet werden. Malte Großmann rudert für sein Leben gerne und hat es in der anspruchsvollen Sportart bis in die U23-Nationalmannschaft geschafft. Im vergangenen Jahr saß der Harksheider, der für den Hamburger Ruderclub Favorite Hammonia startet, im deutschen Achter und holte bei der Junioren-WM in Bulgarien Gold. Mit im Boot waren unter anderem Torben Johannesen, der jüngere Bruder des Hamburger Olympiasiegers und Weltmeisters Eric Johannesen, und Michael Trebbow vom Wandsbeker RV.

Mit Letzterem sitzt Malte Großmann nun im Zweier ohne Steuermann. „Mit dem Achter haben wir ja schon WM-Gold gewonnen. Im Zweier wird es wesentlich schwerer, vorne mitzumischen. Aber für uns ist das eine neue Herausforderung, die uns sicher weiterbringen wird. Das Ziel ist eine Medaille, aber die Konkurrenz ist groß.“

Bei den Deutschen Meisterschaften in Hamburg auf der Dove-Elbe sicherten sich Großmann/Trebbow ungefährdet den Sieg. „Fairerweise muss man sagen, dass die Konkurrenz nicht sehr groß war. Der Deutsche Ruderverband hat die besten U23-Ruderer schon in die Boote gesetzt, in denen sie auch bei den Weltmeisterschaften starten. Der Wettkampf in Hamburg war eine Pflichtveranstaltung, sozusagen der letzte Schritt – die WM-Qualifikation hatten wir schon vorher in der Tasche“, sagt Malte Großmann, der sich mit dem Rest des U23-Nationalteams nun auf die U23-Titelkämpfe vorbereitet, die vom 21. bis 28. August in Rotterdam stattfinden.

Um im Wettkampfrhythmus zu bleiben und etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen, hat das erfolgreiche Duo einen kurzen Ausflug nach London gewagt und an der traditionellen Henley-Regatta auf der Themse teilgenommen. Das Teilnehmerfeld war offen ausgeschrieben, in der zweiten K.-o.-Runde trafen Großmann/Trebbow auf die späteren Sieger und Olympiastarter Roel Braas und Mitchel Steenman (Niederlande) und schieden mit zwei Bootslängen Rückstand aus. Trotzdem war Malte Großmann vom Trip nach England begeistert. „Da war die Hölle los. Alle Teilnehmer wurden beklatscht und gefeiert, auch die langsamsten. Das war ein tolles Erlebnis. Die Regatta hat in England einen Stellenwert wie das Pferderennen in Ascot oder Tennis in Wimbledon“, sagt Malte Großmann, der sich – wie alle anderen „Gentlemen“ auch, abseits des Wettkampfs freiwillig in Sakko und Anzughose ablichten ließ.

In den kommenden sechs Wochen steht nun die intensive Vorbereitung auf die U23-WM an. Zunächst geht’s für zehn Tage ins Trainingslager nach Rostock, danach folgt die letzte Vorbereitungsphase am Olympiastützpunk in Ratzeburg. Zwischendurch muss Malte Großmann immer wieder zurück nach Norderstedt, denn Semesterferien hat der Sportler noch nicht. „Ich schreibe in den kommenden Wochen Klausuren und muss pendeln. Aber das ist kein Problem.“

Unterstützt wird der 1,95 Meter große U23-Weltmeister auch von der Deutschen Sporthilfe, die ihm günstig ein Auto stellt. Glück für den Norderstedter: Sein knapp zehn Meter langes Boot muss er nicht selber transportieren – mit dem kleinen Smart wäre das auch eine wackelige Angelegenheit. Hilfreich in puncto Studium ist auch die Tatsache, dass Malte Großmann wegen seiner Zugehörigkeit zum Bundeskader und dem damit verbundenen Zeitaufwand für Training und Wettkämpfe eine Sonderreglung genießt. „Meine Regelstudienzeit ist doppelt so lang wie bei anderen. Ich habe also zwölf Semester Zeit, hoffe aber, dass ich nach zehn meinen Bachelorabschluss gemacht habe.“

Danach würde Malte Großmann gerne ins Ausland wechseln, um dort seinen Masterabschluss zu machen. Im Fokus ist natürlich England. „Ich hoffe, dass ich einen Platz an einer renommierten Universität bekomme“, so Großmann, der natürlich davon träumt, einmal beim legendären Ruderwettkampf zwischen Oxford und Cambridge für eine der beiden Hochschulen antreten zu dürfen. Bis dahin steht aber noch ein größeres Ziel im Raum. „Für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August hat es noch nicht gereicht. Die nationale Konkurrenz ist noch zu stark. Mein Ziel ist Olympia 2020.“