Norderstedt
Handball

Amen Gafsi trainiert den Pokalsieger des Emirats Katar

Für den 32-maligen tunesischen Nationalspieler Amen Gafsi ist der neue Trainerjob die Chance seines Lebens

Für den 32-maligen tunesischen Nationalspieler Amen Gafsi ist der neue Trainerjob die Chance seines Lebens

Foto: Thomas Maibom

Der 36 Jahre alte Handballtrainer wechselt zur kommenden Saison vom Zweitliga-Absteiger SV Henstedt-Ulzburg zum Al-Wakrah Sport Club.

Henstedt-Ulzburg.  Es hört sich an wie eine Geschichte aus „1001 Nacht“, ist aber kein Märchen: Amen Gafsi, der am morgigen Sonnabend in der Halle 2 des Schulzentrums Maurepasstraße zusammen mit Matthias Karbowski zum letzten Mal die Zweitliga-Handballer des SV Henstedt-Ulzburg coacht, arbeitet künftig in Katar. Der
36 Jahre alte Diplom-Sportlehrer hat beim dortigen Erstligisten und Pokalsieger Al-Wakrah Sport Club einen Dreijahresvertrag als Cheftrainer un­terschrieben.

Gafsi stand für die Serie 2016/2017 eigentlich schon beim TSV Altenholz im Wort. Doch die Verantwortlichen des Drittligisten bewiesen Größe: Als der 32-malige tunesische Nationalspieler, der seit 2012 auch deutscher Staatsbürger ist, eine Woche später nach dem sportlich reizvolleren und wesentlich lukrativeren Angebot aus dem Emirat seine Zusage zurückziehen wollte, legte sie ihm keine Steine in den Weg. „Ich bin den Altenholzern sehr dankbar“, sagte Amen Gafsi, „der neue Job ist für mich vielleicht die große Chance meines Lebens.“

Der SV Henstedt-Ulzburg verliert mit ihm einen Übungsleiter, der für seinen Sport lebt. „Ich atme Handball“, so Gafsi, der 2009 vom Ahrensburger TSV zum SVHU kam. Als Rechtsaußen warf er wichtige Tore in der Oberliga und der 3. Liga, als Trainer hatte er so ziellich jede Altersklasse im Verein irgendwann einmal unter seinen Fittichen.

Amen Gafsi passt perfekt ins Anforderungsprofil von Abdulkarim Ali Al-Abdullah, dem Präsidenten des Al-Wakrah Sport Clubs. Der Inhaber der tunesischen A-Lizenz muss nur noch die Abschlussprüfung für die deutsche A-Lizenz absolvieren. Er spricht Arabisch, kennt sich mit der Mentalität und Lebensweise im Orient aus und soll deutsche Handballtugenden, die seit dem Gewinn der Europameisterschaft wieder sehr begehrt sind, nach Katar exportieren. Dort genießt der dynamische Mannschaftssport nicht erst seit der WM 2015, als der Ausrichter Vizeweltmeister wurde, einen hohen Stellenwert.

Gafsis Ehefrau Sarah sowie die beiden Kinder Yessin und Younes werden vorerst noch in Henstedt-Ulzburg bleiben und nicht mit ins 18 Kilometer von der Hauptstadt Doha entfernte Al- Wakrah kommen. „Das ist aber nur eine Übergangslösung. Meine Familie wird mich in den Herbstferien besuchen und soll irgendwann ganz nach Katar umziehen.“ Sein Haus in der Großgemeinde will Gafsi nicht verkaufen, vielleicht aber vermieten. „Henstedt-Ulzburg bleibt unser Zuhause“, sagt er.

Im letzten Match der Serie 2015/2016 hat Absteiger SVHU Meister und Bundesliga-Aufsteiger HC Erlangen zu Gast. Anpfiff ist um 19 Uhr. „Wir wollen uns mit einer ordentlichen Leistung und einem guten Gefühl in die Handball-Pause verabschieden“, sagt Kapitän Nico Kibat.

Nach dem Match werden er und seine Teamkollegen ihre Trikots versteigern, um die Reisekasse für die Abschlussfahrt der Mannschaft aufzubessern. Am Sonntag geht’s vom Flughafen Hamburg aus nach Mallorca.