Norderstedt
Fussball

Die Mannschaft hinter dem Team ist bestens in Schuss

Physiotherapeutin Vanessa Blunk versorgt Jan-Philipp Rose

Physiotherapeutin Vanessa Blunk versorgt Jan-Philipp Rose

Foto: Anne Pamperin

Vanessa Blunk, Julia Krüger und Said Parniani halten den Fußballern des Oddset-Pokal-Finalisten Eintracht Norderstedt den Rücken frei.

Norderstedt.  Sie sind die heimlichen Helden bei Eintracht Norderstedt. Vanessa Blunk, Julia Krüger und Rahim Ashraf Parniani stehen praktisch nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit, sorgen aber dafür, dass sich die Regionalliga-Kicker von der Ochsenzoller Straße, die am Sonnabend (12.30 Uhr, Stadion Hoheluft, Lokstedter Steindamm) mit einem Sieg gegen Altona 93 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Hamburger Oddset-Pokal gewinnen wollen, ganz auf den Fußball konzentrieren können.

Herrschaftsbereich des Trios ist das Mannschaftshaus, zu dem ausschließlich Spieler und Vereinsverantwortliche Zutritt haben. Was Viele nicht wissen: In der verbotenen Zone läuft ein Rundum-Verwöhnprogramm ab, das in Hamburgs Amateur-Fußballszene seinesgleichen sucht.

„Die Jungs müssen zum Training und zu den Regionalliga-Partien nur einen Kulturbeutel mitbringen“, sagt Vanessa Blunk schmunzelnd, „für alles andere wird gesorgt.“ Die Physiotherapeutin ist hauptberuflich beim Eintracht-Kooperationspartner Lans Medicum angestellt und pflegt seit Beginn der Serie 2014/2015 mit Hingabe Muskeln, Sehnen und Bänder der Norderstedter Spieler. Für die 26-Jährige ist die Arbeit beim Club von der Ochsenzoller Straße mehr als nur ein Nebenjob – was die Sportler sehr zu schätzen wissen.

Mittelfeldspieler Björn Nadler: „Ich habe noch nie jemanden erlebt, der als Physiotherapeut so engagiert bei der Sache ist wie Vanessa.“ Nadler hat gute Vergleichsmöglichkeiten; er zog sich im Verlauf seiner Karriere immer wieder langwierige Blessuren zu, war in den vergangenen Jahren fast schon Stammgast beim Orthopäden.

Der gebürtigen Segebergerin kommt zweifellos zugute, dass sie bei der SG Rönnau/Daldorf in der Schleswig-Holstein-Liga selbst gekickt hat, sich demzufolge mit fußballspezifischen Belastungen und Beschwerden bestens auskennt – das hilft beispielsweise sehr beim Zusammenstellungen von Reha-Übungen.

Ihre Kollegin Julia Krüger, 31, ist seit Ende September 2015 für die Eintracht im Einsatz. Sie wurde zusätzlich geholt, um während der wöchentlichen Übungseinheiten für den Fall von Verletzungen eine lückenlose Erstversorgung zu gewährleisten. Krüger, die den Verein am Saisonende wieder verlassen wird, war früher ebenfalls im Lans Medicum beschäfigt und arbeitet mittlerweile in einer Praxis für Physiotherapie und Training am Mittelweg.

„Ich habe zuvor noch nie eine Mannschaft betreut, das war eine ganz neue Erfahrung und hat mir unheimlich viel Spaß gemacht“, sagt sie. Inzwischen wird Julia Krüger gern vom Hamburger Fußballverband für Turniere der HFV-Auswahl­teams gebucht; außerdem behandelt sie freiberuflich Tänzerinnen und Tänzer aus dem Entertainmentbereich. „Die gesundheitlichen Probleme ähneln sich bei beiden Gruppen, allerdings lassen Fußballern schon mal einen Macho-Spruch raus, was sich Musicaldarsteller nie erlauben würden. Aber das muss man mit Humor nehmen.“

Wenige Meter von den beiden Damen entfernt sorgt Rahim Ashraf Parniani, seit 2008 bei Eintracht Norderstedt, mit Hilfe seiner Maschinen für ein makelloses Outfit des Regionalliga-Kaders sowie der A- und B-Junioren. „Said“, wie der 61-Jährige ausschließlich genannt wird, wäscht aber nicht nur Trikots, T-Shirts, Hose, Stutzen sowie schmutzige Handtücher und Laken aus dem Physio-Bereich.

Der 61-Jährige kocht vor dem Training außerdem Kaffee, pumpt Bälle auf, packt vor jedem Match „Pakete“ für die Spieler mit allen erforderlichen Utensilien, mixt das Elektrolytgetränk für die Halbzeitpause. Er dient außerdem als Kummerkasten, hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Fußballer. „Das mache ich dann wie ein Vater.“

Fast schon tragisch: Beim Endspiel gegen Altona 93 ist Said Parniani nicht dabei. „Ich habe schon im Januar eine Urlaubsreise für meine Frau und mich gebucht, werde aber von Malaysia aus im Internet mitfiebern und die Daumen drücken. Ich glaube fest daran, dass wir gewinnen.“

Und wer kümmert sich nach dem Cupfinale um die Klamotten? Es muss ausnahmsweise improvisiert werden. Eintracht-Präsident Reenald Koch: „Da wird sich schon jemand finden, der die Sachen in die Trommel schmeißt...“