Norderstedt
Schach

Schachklub Norderstedt plant für die 2. Bundesliga

Der 60 Jahre alte Rüdiger Schäfer ist seit 2002  Vorsitzender des SK Norderstedt

Der 60 Jahre alte Rüdiger Schäfer ist seit 2002 Vorsitzender des SK Norderstedt

Foto: Thomas Maibom

Der Bundesliga-Absteiger wird nicht davon profitieren, dass sich mehrere Clubs aus finanziellen Gründen aus dem Oberhaus zurückziehen.

Norderstedt.  Rein statistisch betrachtet gab es am Abstieg des
SK Norderstedt aus der wohl stärksten Schach-Spielklasse der Welt nie einen Zweifel. Der SKN schloss die Wettkampfrunde 2015/2016 als Tabellenletzter ab, tröstete sich aber damit, genau wie der FC Bayern München vier Mannschaftspunkte geholt zu haben – das waren immerhin zwei Zähler mehr als in der Bundesliga-Saison 2012/2013.

Dass die Norderstedter trotzdem auf den Verbleib im Oberhaus hoffen durften, hatte einen anderen Grund. Mindestens drei Clubs werden ihre Teams abmelden – und der SKN hätte als Nachrücker zur Verfügung gestanden. Rüdiger Schäfer, 60, der den
60 Mitglieder starken Verein seit 2002 führt, begründet im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, wieso aus dem Klassenerhalt durch die Hintertür jetzt wohl doch nichts wird.

Hamburger Abendblatt : Herr Schäfer, die Gerüchteküche brodelt. Wie ist der Stand der Dinge?

Rüdiger Schäfer: Wir planen für die
2. Bundesliga. Vor einigen Tagen sind die 16 Mannschaften veröffentlicht worden, die in der Saison 2016/2017 im Oberhaus spielen sollen – und wir sind nicht dabei. Rein formal gibt es für uns keine Chance auf den Klassenerhalt.

Das wurde in den vergangenen Wochen nicht immer so eindeutig kommuniziert...

Schäfer : Stimmt, aber die Fakten, besser gesagt die Wettspielordnung, sprechen leider gegen uns. Der SK Turm Emsdetten, der Erfurter SK und der SC Hansa Dortmund haben zwar aus finanziellen Gründen ihren Rückzug erklärt, und auch beim SK Schwäbisch Hall geht es offenbar drunter und drüber. Sollte dieser Verein am 24. Mai auf einer Hauptversammlung entscheiden, seine Mannschaft aus der Bundesliga abzumelden, wird aber vermutlich mit 15 statt 16 Teams gespielt. Meine Hoffnung, dass der Schachklub Norderstedt in diesem Fall noch einmal gefragt wird, ob er nachrücken möchte, tendiert gegen null.

Warum gibt es denn überhaupt so massive Geldprobleme in der Bundesliga?

Schäfer : Das liegt unter anderem daran, dass die Mannschaftsaufgebote mit ausländischen Weltklasse-Cracks bestückt sind, die vom Schachspielen leben – dabei können sich viele Vereine diesen Luxus gar nicht leisten. In der Bundesliga verfügen lediglich die SG Solingen, die OSG Baden-Baden und der SV Werder Bremen über langfristige Sponsorenverträge. Die übrigen Clubs spielen praktisch va banque.

Etwa auch der SK Norderstedt ?

Schäfer : Nein, wir sind gewissermaßen das Gegenmodell und haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt. Der SKN hat die abgelaufene Bundesliga-Saison im schwarzen Bereich abgeschlossen. Das lag unter anderem daran, dass wir die Spitzenkräfte Michal Olszewski, Lawrence Trent und Simon Bekker-Jensen nur punktuell eingesetzt, die anderen Spieler mit 6000 Euro aus eigener Tasche fast ein Drittel zum Gesamtetat beigesteuert haben. Den restlichen Teil konnten wir dank der Unterstützung der Stadt Norderstedt sowie mit Spenden von Vereinsmitgliedern und Freunden zusammenkratzen.

Ist das nicht ein sehr mühsames Geschäft?

Schäfer : Ja, und große Sprünge sind damit auf nationaler Ebene auch nicht möglich. Wir sind von unseren Bundesliga-Konkurrenten sogar schon als Spaßmannschaft bezeichnet worden. Das macht aber nichts: Schach soll doch Spaß machen, und wenn man dann sportlich sogar das eine oder andere Mal zubeißen kann, ist es noch umso schöner.

Wer wird denn in der Saison 2016/2017 für den SK Norderstedt zubeißen? Bleibt die Mannschaft trotz des Abstiegs zusammen?

Schäfer : Momentan sieht es ganz danach aus, Genaues lässt sich aber erst nach dem Ende der Wechselfrist am
1. Juli sagen. Bisher hat zwar niemand aus dem aktuellen Kader signalisiert, den Verein wechseln zu wollen. Aber es gibt bei uns ja durchaus interessante Akteure für andere Clubs. Ich denke da nur an die beiden Youngster Benedict Krause und Emil Powierski, die uns viel Freude machen.

Und was ist mit Ihrem Mann an Brett eins, dem polnischen Großmeister Michal Ol­szewski?

Schäfer : Michal fühlt sich bei uns sehr wohl. Wir alle wollen, dass er bei uns bleibt, werden ihn aber aus den schon erwähnten Gründen nur zwei- bis dreimal einsetzen können. Er will darüber nachdenken.

Hat der SKN Neuzugänge im Visier?

Schäfer : Wir bleiben unserem bewährten Konzept treu, schauen uns in Schleswig-Holstein nach Perspektivspielern um und werden weiterhin versuchen, das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen. Da Arne Jochens seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Ulm hat und Hendrik Kues nach Berlin gezogen ist, können wir neue Leute gut gebrauchen. Beide bleiben allerdings gemeldet und haben zugesagt, im Notfall einzuspringen.

Und wie lautet das Ziel für die kommende Serie?

Schäfer : Wir möchten gern zurück ins nationale Schach-Oberhaus, aber die 2. Bundesliga Nord ist stark und ausgeglichen besetzt. An einem guten Tag können wir alle Gegner schlagen, an einem schlechten gegen jedes andere Team verlieren.