Norderstedt
Bogensport

Fenja Gäde schießt gern farbenfroh, am liebsten in Pink

Volle Konzentration: Fenja Gäde, 15, gehört dem Landeskader an und visiert als nächstes Ziel die Freiluft-Meisterschaften in Elmshorn an

Volle Konzentration: Fenja Gäde, 15, gehört dem Landeskader an und visiert als nächstes Ziel die Freiluft-Meisterschaften in Elmshorn an

Foto: Anne Pamperin

Die Bogenschützin der SG Norderstedt ist 15 Jahre jung. Sie bekam das Talent für diesen Sport durch Vater und Oma in die Wiege gelegt.

Norderstedt.  Das Motto „Früh übt sich, wer ein Meister werden will“, trifft auf Fenja Gäde voll und ganz zu. Im Kinderwagen hatte die heute 15-Jährige zwar noch keine Ambitionen, mit Pfeil und Bogen zu schießen, dafür aber bereits im Vorschulalter. „Auf dem Heuboden von meinem Opa Alwin habe ich mit fünf Jahren meine ersten Versuche mit dem Kinderbogen gemacht. Ich habe aber überhaupt nichts getroffen und bin frustriert wieder nach Hause gegangen“, sagt Fenja Gäde.

Das hölzerne Übungsgerät wurde in die Ecke gepfeffert, ein neuer Bogen musste her. Die Lösung kam von Fenjas Vater Niels, selber ein leidenschaftlicher Schütze. „Ich habe ihr einen Bogen aus verschiedenen Einzelteilen zusammengebaut. Das Schussfenster war größer, so hat sie dann auch die Zielscheibe getroffen“, sagt der 49-Jährige.

2012 bekam Fenja ihren ersten Metallbogen und fing an, regelmäßig bei der Schützengemeinschaft Norderstedt zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Sehr zur Freude ihrer Großmutter Gerda Gäde, die von 1987 bis 2012 Spartenleiterin bei dem 1982 aus der Schützengilde Friedrichsgabe und dem Schützenverein Garstedt entstandenen Club war. „1977 haben mein Mann Günter und ich im Frankreichurlaub das erste Mal mit Pfeil und Bogen geschossen und waren begeistert“, sagt Gerda Gäde, deren Sohn Niels heute auch Trainer ist und sein Wissen nun an seine Tochter weitergibt.

Mit Erfolg. 2015 qualifizierte sich Fenja Gäde für die Deutsche Hallenmeisterschaft in Biberach und landete dort auf dem 19. Platz. In diesem Jahr wurde die Landeskadersportlerin in Tornesch schleswig-holsteinische Jugendmeisterin und löste das Ticket für die nationalen Indoor-Titelkämpfe im März in Bad Segeberg. Teilnehmen konnte sie indes nicht. „Leider habe ich mir bei einem Verbandsligawettkampf den Ringfinger ausgekugelt und die Beugesehne angerissen. Ich musste zehn Wochen pausieren. Ganz in Ordnung ist das immer noch nicht“, sagt das Nachwuchstalent. Momentan sind also Geduld und behutsames Aufbautraining auf der Anlage am Schierkamp 99 angesagt.

Dass die Linkshänderin mit der rechten Hand schießt, liegt übrigens am „dominanten“ Auge. Die Sehne mit dem Pfeil wird zum rechten Auge geführt, weil dieses das Zielen übernimmt.

Im Visier hat die junge Schützin, die in Tangstedt (Kreis Pinneberg) wohnt, nun die Freiluft-Landesmeisterschaften am 2. und 3. Juli in Elmshorn. Bis dahin hofft Fenja Gäde wieder voll einsatzfähig zu sein. Ihre persönliche Bestmarke bei zwei Durchgängen mit jeweils 36 Versuchen sind 650 Ringe. Maximal möglich sind 720 Zähler.

Die Faszination Bogensport ist trotz des aktuellen Handicaps ungebrochen. „Ich mag die technischen Feinheiten, die ganzen Schrauben, das Feintuning. Schon das Zusammenbauen des Bogens macht Spaß“, sagt die Gymnasiastin, die in Pinneberg die Johannes-Brahms-Schule besucht und sich dort für das Physikprofil entschieden hat.

In der Tat ist der Recurve-Bogen, der auch bei Olympischen Spielen verwendet wird, ein High-Tech-Gerät. Visier, Schussfenster und Bogenlänge werden individuell angepasst. „Anfänger bekommen einen gebrauchten Bogen für 300 Euro. Wer sich ein neues Gerät kaufen will, kann mit Visier und Stabilisator schon einige tausend Euro ausgeben“, sagt Niels Gäde. Fenja hat sich für pink entschieden – auch bei der Wahl des Transportkoffers. „Weil sonst niemand diese Farbe hat. Das ist mal etwas Besonderes...“