Norderstedt
Handball

Wiederaufstieg in die 2. Liga? Nicht um jeden Preis

Tim Völzke, 26, macht von seiner Ausstiegsklausel für höherklassige Angebote keinen Gebrauch und wird in der Saison 2016/2017 für die neue Spielgemeinschaft Norderstedt/Henstedt-Ulzburg  auf Torejagd gehen

Tim Völzke, 26, macht von seiner Ausstiegsklausel für höherklassige Angebote keinen Gebrauch und wird in der Saison 2016/2017 für die neue Spielgemeinschaft Norderstedt/Henstedt-Ulzburg auf Torejagd gehen

Foto: Thomas Maibom

Handballer des SV Henstedt-Ulzburg wollen aus den Erfahrungen mit zu kleinem Kader lernen und sich eine Klasse tiefer konsolidieren.

Henstedt-Ulzburg.  Das Handball-Männerteam des SV Henstedt-Ulzburg steht nach Rückgabe der Lizenz für die zweithöchste deutsche Klasse zwar schon seit drei Wochen als Absteiger in die 3. Liga Nord fest – dennoch geht der Spielbetrieb normal weiter. Das Team des Trainerduos Matthias Karbowski und Amen Gafsi will sich an diesem Freitag um 20 Uhr in der Hofbühlhalle gegen den TV 1893 Neuhausen anders präsentieren als zuletzt beim 22:26 gegen den EHV Aue.

„Es war nicht professionell, wie wir vor eigenem Publikum bis zum Zwischenstand von 13:22 aufgetreten sind,“, sage Gafsi, der die „Frogs“ am Saisonende verlassen wird. „Mit solchen Leistungen werden wir unseren Ansprüchen und schon gar nicht den Erwartungen unserer eigenen Fans gerecht. Zum Glück hat die Mannschaft dann noch eine Reaktion gezeigt und das Ergebnis freundlicher gestaltet.“

Für die Coaches des Absteigers sind die verbleibenden fünf Partien eine Frage der Ehre und auch ein Charaktertest. Eine vorbildliche Einstellung dürfte in Neuhausen besonders wichtig sein, weil die ohnehin mit einem Rumpfkader operierenden Henstedt-Ulzburger neben ihren Langzeitverletzten Karl Saint-Prix und Jan Peveling wohl auch auf die angeschlagenen Robert Schulze und Stanislav Demovic verzichten müssen. Zudem drohen die Ausfälle der angeschlagenen Nico Kibat, Daniel Eggert und Jens Thöneböhn.

Derweil laufen die Planungen für die Serie 2016/2017 auf Hochtouren. Mit Kapitän Nico Kibat, der seinen Vertrag um ein letztes Jahr verlängert hat, Jan Peveling und Timo Schmidt im Tor, Rechtsaußen Julian Lauenroth, den Linksaußen Robert Schulze und Jens Thöneböhn, den Kreisläufern Martin Laursen und Karl Saint-Prix sowie Rückraumshooter Tim Völzke bleiben neun Spieler des bisherigen Kaders.

Letzterer galt bis zum vergangenen Wochenende als Wackelkandidat, da er für höherklassige Angebote eine Ausstiegsklausel hat. „Aber ich habe jetzt fest zugesagt“, so der 26-Jährige. Völzke ist mit 140 Treffern der erfolgreichste Werfer des SVHU. Er kann die kommende Drittliga-Saison, in der die „Frogs“ als Spielgemeinschaft Norderstedt/Hen­stedt-Ulzburg antreten, gut in seinen beruflichen Tagesablauf einbinden. „Ich beende im Sommer in Pinneberg mein erstes Ausbildungsjahr zum Erzieher.“

Neben Daniel Eggert (wechselt zum ASV Hamm-Westfalen) und Tim Stefan (geht zum TV Hüttenberg) steht künftig auch Florian Bitterlich nicht mehr zur Verfügung – er hat beruflich viel zu tun und möchte zudem mehr Zeit für sein Privatleben haben.

Auch auf die Dienste von Torhüter Justin Rundt mag beim SVHU niemand mehr setzen; generell wird die Rückkehr des 21-Jährigen zum HSV Hamburg erwartet. „Ich habe dort allerdings noch nicht unterschrieben“, sagte der talentierte Keeper nach dem Aue-Spiel. Die Zukunft von Tim-Oliver Brauer ist ebenfalls ungewiss. Für den bulligen Kreisläufer scheint – ähnlich wie für Rundt – eine Rückkehr zum HSV Hamburg denkbar. Und auch die Zeit des mit großen Erwartungen verpflichteten Rückraumtalents Hamza Kablouti läuft in Henstedt-Ulzburg ab. Der tunesische Junioren-Nationalspieler sucht aktiv nach einem neuen Club.

„Hamza ist fraglos begabt und daher mit seinen Einsatzzeiten nicht glücklich“, sagte Coach Matthias Karbowski. „Aber ein so junger Mann muss zuerst durch taktische Disziplin und als guter Handwerker überzeugen, ehe er sich Freiheiten zum Zaubern nimmt.“

Apropos Talente: Rechtsaußen Thilo Lange wird künftig Oberliga-Aufsteiger HT Norderstedt verstärken. Linksaußen Arnd Sasse, der sich für das Neuhausen-Match extra vom Arbeitgeber freigeben lässt, um Spielpraxis zu bekommen, zieht es ebenfalls in die Oberliga zur HG Hamburg-Barmbek.

Doch neun verbleibende Akteure sind auch in der 3. Liga noch kein Team. Deswegen haben sich die „Frogs“ die Dienste eines dänischen Youngsters gesichert. Von der Skanderborg Håndbold Elite Akademi kommt der 19 Jahre junge Linkshänder Simon Hedehus. „Simon kennt Martin Laursen aus der gemeinsamen Zeit in der A-Jugend“, so Matthias Karbowski, der selber noch weiterführende Gespräche zu seinem Verbleib führen muss.

„Jetzt fehlen uns noch ein dritter, vielseitiger Linkshänder und vielleicht noch ein Kreisläufer“, sagte Geschäftsführer Olaf Knüppel. „Ansonsten bräuchten wir dann neben der geballten Erfahrung, die wir haben, nur noch einige ehrgeizige Nachwuchsspieler, zumal wir nicht gleich wieder mit Krawall aufsteigen wollen. Um in die
2. Bundesliga zurückzukehren, müssen alle Rahmenbedingungen, ganz besonders die wirtschaftlichen, stimmen.“

Die vorerst letzte Personalie: Till Gottstein, bislang gleichberechtigter Geschäftsführer neben Knüppel, scheidet zum 30. April aus.