Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Trainerwechsel erregt die Gemüter

Coach Andreas Cornelsen soll den SV Henstedt-Ulzburg vor dem Abstieg retten. Doch die Unruhe nach der Freistellung von Jens Martens hält an

Henstedt-Ulzburg. Nach den ersten 15 Mi­nuten im Heimspiel gegen den TSV Altenholz wurde es Andreas Cornelsen, dem Interimstrainer der Schleswig-Holstein-Liga-Fußballer des SV Henstedt-Ulzburg, doch ein wenig mulmig. Nur eine Viertelstunde hatten die Gäste des akut abstiegsbedrohten Tabellen-14. benötigt, um sich eine 3:0-Führung herauszuarbeiten. Die Punktspielpremiere des bisherigen U19-Übungsleiters, der nach der überraschenden Freistellung von Trainerlegende Jens Martens das erste Herrenteam übernommen hatte, drohte zum Debakel zu werden.

Das fanden auch die rund
100 Zuschauer am Schäferkampsweg, die lautstark murrten. „Da hatte ich kurz das Gefühl, dass die Stimmung gegen mich und die Mannschaft kippen könnte“, sagte Cornelsen. „Aber zum Glück haben wir uns danach stabilisiert und ohne weiteres Gegentor eine ordentliche Leistung hingelegt. Der Fehlstart war wohl Zeugnis der enormen Verunsicherung, die ich noch im Team registriere. Diese schnell abzustellen, das ist das vorrangige Ziel.“

Dem 41-Jährigen wurde nach Martens’ Freisetzung am 29. März durch Aktionen und Meinungsbekundungen von außen, durch team- und vereinsinterne Reaktionen auf seine geplante sportliche Herangehensweise an das Projekt Klassenerhalt nicht wirklich erleichtert.

Ein offenkundiges Zeichen für erste gravierende Veränderungen konnte jeder Zuschauer mit Anpfiff der Partie gegen die sieben Plätze besser gestellten Altenholzer sehen. Zwei feste Größen der vorangegangenen Spielzeiten fehlten. Anstelle des bisherigen Kapitäns André Zick hütete Marc-Aaron Kassler das SVHU-Tor. Und in der Innenverteidigung war statt des bisherigen Co-Kapitäns und designierten Assistenztrainers für die kommende Saison, Nils Großmann, der vielseitige Jan Kaetow zu sehen.

„Ich möchte den Rückzug vom Kapitänsamt und aus dem Mannschaftsrat getrennt vom Rücktritt als Keeper sehen. Die erste Reaktion am Dienstag hatte damit zu tun, dass ich nicht damit einverstanden bin, wie die Abteilungsleitung um Jens Fischer mit Jens Martens umgesprungen ist“, sagte Andre Zick. Aus diesem Grund werden auch Nils Großmann sowie die Stand-By-Routiniers Sascha Schwarzwald und Volker Steen nicht mehr für den
SV Henstedt-Ulzburg spielen .

„Mit meinem sportlichen Abschied wollte ich der Demontage meiner Person vorgreifen“, ergänzte Zick, „ich hatte wegen meiner beruflichen Belastung die Zusage, dass ich es bei entsprechender Leistung bei einer Trainingseinheit pro Woche belassen könne, und das hat funktioniert. Diesen Weg wollte An­dreas Cornelsen aber anscheinend nicht mitgehen, also bin ich gegangen. Auch, um meine Glaubwürdigkeit und die von Jens Martens zu wahren.“

Cornelsen, der in der kommenden Saison die U16 der Henstedt-Ulzburger trainieren soll, registrierte die Entscheidungen der Aktiven mit Bedauern, hat aber seine eigene Sichtweise. „André wollte sich keinerlei Wettbewerb stellen, und Nils Großmann hat seinen Verbleib an den von André gekoppelt. Es kann nicht sein, dass Spieler dem Trainer die Aufstellung diktieren.“

Logisch, dass zwischen den Routiniers und der Fußball-Leitung das Tischtuch zerschnitten ist. „Spieler, die am Vorabend von Jens Martens’ Entlassung noch zum Gespräch bei Jens Fischer waren, haben tags darauf vom Rauswurf des Trainers aus der Zeitung erfahren“, so Großmann, „mein Vertrauensverhältnis zur sportlichen Leitung ist zu sehr belastet.“

SVHU-Fußballchef Jens Fischer, dem vom langjährigen Ligaobmann Kai Märtin in einer öffentlich gemachten E-Mail vorgeworfen wurde, mutwillig den Abstieg aus der Schleswig-Holstein-Liga in Kauf zu nehmen, bittet um Verständnis für seine unpopuläre Entscheidung. „Ich glaube weiterhin, dass Jens Martens trotz absolut tadelloser Arbeit Teile des Teams nicht mehr erreicht hat“, sagte er. „Das Gegenteil dieses absurden Vorwurfs ist der Fall. Wäre uns der Klassenerhalt egal, hätten wir Jens doch weiterarbeiten lassen. Aber wir wollen das Ruder herumreißen; und das kann jetzt und in Zukunft nicht mit Personenkult gehen.“