Norderstedt
Fussball

WSV Tangstedt setzt sein Kreisliga-Team vor die Tür

Foto: Bernd Bröcker

Nach internen Querelen sprechen Sparten- und Vereinsleitung ein Machtwort. Welche Spieler am Sonntag antreten, ist noch völlig unklar.

Tangstedt.  Der Start in die aktuelle Kreisligasaison war für die Fußballer des WSV Tangstedt nicht einfach. Sechs Punkte Abzug musste die Mannschaft von Trainer Florian Gossow verkraften, ohne einen einzigen Ball gespielt zu haben. Grund für den Minusstart: Der Verein hatte nicht genügend Schiedsrichter gemeldet. Die Truppe ließ sich nicht beirren und legte eine beeindruckende Serie hin. In 18 Spielen blieben die WSV-Kicker ohne Niederlage, 15-mal ging die Elf als Sieger vom Platz. Jetzt steht die Mannschaft da, wo sie hin wollte – nämlich auf Platz eins in der gemeinsamen Staffel Stormarn/Herzogtum Lauenburg.

Doch der sportliche Erfolg ist in den vergangenen Wochen in den Hintergrund gerückt. Interne Querelen führten zu einem Zwiespalt zwischen Mannschaft und Vereinsführung. Diese hat nach wie vor Oliver Blaha inne. Der 49-Jährige weilt seit August beruflich in München, sein Vertreter ist der frühere Clubchef Volkmar Jank. Mit Ralf Rath (ehemals SC Alstertal-Langenhorn) ist seit dem 1. März ein neuer Ligaobmann im Amt. In dessen Gefolge wurde zudem Nico Peters, der aktuelle Trainer der Alstertaler Landesliga-Mannschaft, zur kommenden Saison engagiert. Das ausgegebene Ziel des Vereins lautet: Neue und vor allem nachhaltige Strukturen (auch im Jugendbereich) aufzubauen und zu etablieren.

Doch offensichtlich wurde diese Idee nicht gut präsentiert. Große Teile der Tangstedter Herrenmannschaft waren mit der Vorgehensweise des Vorstands nicht einverstanden. Auch die Tatsache, dass Peters in der Öffentlichkeit schon als Nachfolger für den aktuellen Trainer Florian Gossow (kam im März 2015) gehandelt wird, stieß auf Unverständnis.

Aktueller Höhepunkt dieser Streitereien ist die am Donnerstag vom Gesamtvorstand veröffentlichte Pressemitteilung, in der es heißt: „Der geschäftsführende Vorstand des WSV Tangstedt sowie das gesamte Führungsteam haben gemeinsam beschlossen, verschiedene Bereiche des Vereins neu zu strukturieren. Diese Neustrukturierung wird auch in der Sparte Fußball ein wichtiges Element bilden, um den Fußball in unserem Ort Tangstedt nachhaltig aufzustellen und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen attraktiv zu gestalten. Bedauerlicherweise mussten wir feststellen, dass einige Mitglieder den Weg der Neustrukturierung nicht mitgehen wollen und dass erhebliche vereinsschädigende Äußerungen seitens der Liga-Mannschaft getätigt wurden.“

Was bis hierhin noch moderat formuliert ist, nimmt im weiteren Verlauf der Mitteilung erheblich an Fahrt auf: „Wir möchten um Verständnis bitten, dass das Androhen von einem Boykott, Falschaussagen, Drohungen sowie Nötigungen, geäußert gegenüber der Presse, nicht toleriert werden können. Ebenso wenig kann toleriert werden, dass wiederholt Einladungen zu Einzelgesprächen mit Ligamanager bzw. Vorstand ignoriert werden, man zu diesen Pflichtterminen nicht erscheint und sich sogar erdreistet, dem Führungskreis Termine vorzugeben, die nach der Jahreshauptversammlung liegen. Dieses Verhalten hat uns dazu veranlasst der gesamten Mannschaft mit sofortiger Wirkung zu kündigen und die Spieler aus unserem Verein sowie vom Spielbetrieb auszuschließen.“

Oliver Blaha verteidigt diese Maßnahme und sagt: „Wir mussten als Verein handeln. Wir sind auch den anderen Mitgliedern verpflichtet. Deshalb war dieser Schritt nötig.“ Für Mannschaftskapitän Andreas Meyer, der seit 2012 für den WSV Tangstedt die Buffer schnürt, ist die fristlose Kündigung indes eine Maßnahme, die er nicht nachvollziehen kann. „Wir haben uns nicht vereinsschädigend verhalten. Die Gesprächstermine, die uns mitgeteilt wurden, waren sehr kurzfristig angesetzt und fanden teilweise zu Zeiten statt, die nicht akzeptabel waren“, sagte der 28-Jährige. „Die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, finde ich nicht gut. Wir als Mannschaft möchten gerne spielen, auch für den WSV Tangstedt“, sagt Andreas Meyer.

Wer am Sonntag, 12.30 Uhr, beim SSC Hagen Ahrensburg II aufläuft, hängt sicher auch vom Ausgang der Jahreshauptversammlung im WSV am vergangenen Freitag ab. Diese war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.