Norderstedt
Schach

TuRa Harksheide macht Bundesliga-Aufstieg perfekt

Inken Köhler, Carina Brandt, Nathalie Wächter, Luise Diederichs, Annika Polert  und Emily Rosmait (v. l.) blieben in dieser Saison ungeschlagen

Foto: Thomas Maibom

Inken Köhler, Carina Brandt, Nathalie Wächter, Luise Diederichs, Annika Polert und Emily Rosmait (v. l.) blieben in dieser Saison ungeschlagen

Das jüngste Damenteam der 2. Bundesliga Ost schafft mit Siegen über Allianz Leipzig sowie die SG Leipzig den Sprung ins Oberhaus.

Norderstedt.  Leistungsorientierte Schachspieler leben während ihrer Partien von einer minutiösen Vorbereitung, gepaart mit angemessenem Trainingsfleiß und Talent; aber auch eine gehörige Portion Erfahrung gehört zu diesem Gesamtpaket dazu. Letztere stellt sich logischerweise erst nach vielen Wettkämpfen ein. Also – sofern es sich nicht um eines der oft beschriebenen "Wunderkinder" ist – im mehr oder weniger fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Unter diesem Aspekt ist der Überschwang von Eberhard Schabel, dem Schach-Abteilungsleiter des TuRa Harksheide, nur zu verständlich.

Nach den letzten beiden Antritten des TuRa-Frauenteams in der 2. Bundesliga Ost, die erneut zwei Siege und damit den Titel und Aufstieg in die Bundesliga brachten, kannte Schabels Freude über den bislang größten Erfolg in der Geschichte der Sparte keine Grenzen. "Allein diese Nachricht an sich ist schon der Hammer. Erstmals steigen wir im Erwachsenenbereich in die stärkste Frauenliga der Welt auf", sagte der Denksport-Enthusiast, der seit 2003 federführend besonders den jüngsten Nachwuchs in und um Norderstedt herum an das
königliche Spiel heranführt.

Diese Arbeit umfasst unter anderem das Anbieten und Leiten von Schul-AGs bis hin zum Entdecken und Fördern von Talenten. Wie erfolgreich dies gelingt, zeigt die Zusammensammenstellung seiner "Damenmannschaft". Denn das Sextett, das im Schachzentrum an der Hamburger Schellingstraße zuerst Bundesliga-Absteiger Allianz Leipzig mit 3,5:2,5 in die Schranken wies und tags darauf auch dem früheren Erstligisten SG Leipzig, mit 4:2 das Nachsehen gab, ist im Schnitt nur knapp halb so alt wie die Konkurrenz aus Sachsen, die zudem mit einer Groß- und sieben Fidemeisterinnen antrat.

"Wir haben dieses Kunststück nicht mit gestandenen Frauen, sondern mit Schülerinnen und Studentinnen im Alter zwischen 14 bis 21 Jahren erreicht", so Eberhard Schabel. "Diese kommen zudem allesamt aus dem Norden. Wir sehen uns in unserem Projekt bestätigt, mit jungen Spielerinnen aus der Region sehr früh in den Frauenligen anzutreten."

Die Harksheiderinnen hatten eigentlich nur vorne mitmischen und wie im Vorjahr um Platz zwei mitkämpfen wollen. Zumal der Blick auf die Spielstärkezahlen der einzelnen Akteurinnen am Finalwochenende ein klares Bild vermittelte. Elf von zwölf TuRanerinnen gingen mit einem schwächeren Rating als ihre jeweilige Gegnerin ans Brett – also eigentlich eine Mission Impossible. "Aber wir waren alle gut vorbereitet. Und ich glaube sogar, dass unsere Jugend unser Vorteil war", sagte Annika Polert, die an Brett vier spielt. "Wir Jüngeren trainieren viel, ältere Spielerinnen setzen schon mal nur auf ihre Erfahrung."

TuRa Harksheide – Allianz Leipzig 3,5:2,5.
Luise Diederichs (DWZ 1957) – Karina Szczepkowska-Horowska (2388) 0:1; Nathalie Wächter (1910) – Petra Schulz (2117) 1:0; Carina Brandt (1923) – Angelika Dziodzio (2080) 1:0; Annika Polert (1864) – Joanna Górecka (2073) 0,5:0,5; Emily Rosmait (1881) – Katrin Dämering (1941) 0:1; Inken Köhler (1835) – Heike Germann (1947) 1:0.
SG Leipzig – TuRa Harksheide 2:4. Sandra Ulms (2139) – Diederichs 0,5:0,5; Franziska Beltz (2016) – Wächter 0:1; Julia Haras (1784) – Brandt 1:0; Birgit Petri (1932) – Polert 0:1; Anet Gempe (1927) – Rosmait 0:1; Carmen Beltz (1846) – Köhler 0,5:0,5.
Tabelle: 1. TuRa Harksheide (13 Mannschaftspunkte/27,5 Brettpunkte), 2. Allianz Leipzig (10/29), 3. Rotation Pankow (9/25,5), 4. SG Leipzig (8/24), 5. Leipzig Lindenau (6/20), 6. SG Löberitz (6/15,5), 7. Hamburger SK II (2/13,5), 8. USV Potsdam (2/13).

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