Norderstedt
Handball

Wenn „MK7“ wirft, dann wird’s für die Gegner gefährlich

Marleen Kadenbach hat sich als

Marleen Kadenbach hat sich als

Foto: Thomas Maibom

Die 18 Jahre alte Handballerin des SV Henstedt-Ulzburg zeigt auch neben dem Feld Einsatz. Sie leistet im FSJ Ehrenamtsarbeit beim SVHU

Henstedt-Ulzburg.  Ronald Frank, Trainer der Drittliga-Handballfrauen der TSG Wismar, wusste nach dem Schlusspfiff ganz genau, wer ihm und seinem Team soeben die Butter vom Brot gekratzt, den schon sicher geglaubten Auswärtssieg beim Tabellenzweiten SV Henstedt-Ulzburg verhindert hatte. „Der SVHU ist eine starke Mannschaft, die nicht ohne Grund so weit oben steht“, sagte er nach dem 23:23-Unentschieden, „aber diese Nummer sieben, die ist was ganz Besonderes.“

Schwer, sehr schwer hatten sich die Gastgeberinnen mit ihrem Gegner getan. Die Crew von Trainer Sebastian Schräbler agierte in der Abwehr zu passiv, im Angriff ohne Durchschlagskraft – ein Szenario wie gemalt für die „Nummer sieben“, Marleen Kadenbach. Als die 18 Jahre alte Rückraumspielerin eingewechselt wurde, kamen endlich mehr Zug und Dynamik in die Aktionen; die Rechtshänderin verwandelte zwei Siebenmeter, erzielte fünf Feldtore und hatte so maßgeblichen Anteil daran, dass die Henstedt-Ulzburgerinnen mit hängender Zunge ein Remis retten konnten.

Kein Wunder, denn nicht erst seit dem Wismar-Match gilt in der 3. Liga Nord die Parole: Wenn „MK7“ wirft, dann wird’s gefährlich. Marleen Kadenbach, die zu Saisonbeginn von der aufgelösten Jugendspielgemeinschaft Alstertal/Norderstedt zum SVHU kam, hat erstaunlich schnell den Sprung in die dritthöchste deutsche Frauenklasse geschafft. Ihre Zwischenbilanz nach 15 Partien: 54 Treffer, davon zwölf Siebenmeter.

Doch sie ist noch aus einem anderen Grund ungemein wertvoll für ihr Team. „Was Marleen im Abwehr-Mittelblock leistet, ist enorm“, sagtJunioren-Nationaltrainer Frank Hamann, der in Henstedt-Ulzburg als Assistent von Sebastian Schräbler fungiert, „sie kennt keine Angst, geht dahin, wo es weh tut.“ Und dies nicht ohne Grund. „Ich spiele sehr gern in der Abwehr, denn dort werden die Partien entschieden“, sagt Kadenbach, um schmunzelnd hinzuzufügen: „Es macht Spaß, die Angreiferinnen zur Verzweiflung zu bringen.“ Dies funktioniert selbstverständlich nicht ohne Aggressivität und Körpereinsatz: In der teaminternen Zeitstrafen-Statistik liegt sie mit elf Hinausstellungen auf Platz eins.

Dass die 1,83 Meter lange Marleen Kadenbach eine Karriere als Handballerin eingeschlagen hat, ist nicht selbstverständlich – obwohl sie schon durch Mutter Martina familiär vorbelastet ist. „Es gab mal eine Zeit, in der war Hockey für mich wichtiger.“

Mit dem UHC Hamburg und als Mitglied der Hamburger Jugend-Auswahl feierte Marleen überregionale Erfolge. „Dann allerdings bin ich zu sehr gewachsen. Beim Hockey sind eher kleine, wendige Spielerinnen gefragt. Und zwei Mannschaftssportarten auf hohem Niveau zu betreiben, das geht eh nicht. Also habe ich mich für Handball entschieden, und ich habe es nie bereut.“

Bis zum 1. September leistet Kadenbach beim SV Henstedt-Ulzburg ein Freiwilliges Soziales Jahr ab. Sie trainiert eine weibliche C- und eine weibliche E-Jugend-Mannschaft, kümmert sich um AGs in den Grundschulen Rhen und Ulzburg sowie zwei Kinder-Leichtathletikgruppen. Zudem erledigt sie einmal pro Woche Büroarbeit in der Geschäftsstelle. Fest eingeplant ist zudem ihr Engagement beim 40. Ulzburg-Cup in diesem Mai. Dann ist sie gemeinsam mit Tim Bracklow für die Betreuung der Schiedsrichter zuständig.

„Ich wollte mich nach dem Abitur ein Jahr lang nur auf Handball konzentrieren. Nach dem FSJ würde ich gern Medizin studieren, muss aber abwarten, ob mein Notenschnitt von 1,7 dafür ausreicht. Ansonsten interessieren mich die Bereiche Betriebswirtschaftslehre und Marketing.“

Und wie sehen ihre Pläne in Sachen Handball aus? „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich sehr zufrieden. Grundsätzlich fühle ich mich in Henstedt-Ulzburg sehr wohl, die Mannschaft ist ein perfekter Mix aus Jung und Alt. Wenn es geht, möchte ich im Großraum Hamburg bleiben und Irgendwann mal in der 2. Bundesliga auflaufen – am liebsten natürlich mit dem SVHU.“

Frank Hamann traut ihr den Sprung in die zweithöchste deutsche Klasse ohne weiteres zu – wenn nicht sogar mehr. „Marleen verfügt über die erforderliche Spielintelligenz sowie die Leistungsbereitschaft – und sie hat ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.“