Norderstedt
JU-JUTSU

Tim Weidenbecher – Weltspitze made in Norderstedt

Der Finalkampf von Tim Weidenbecher gegen den Niederländer Melvin Schol war bis zum Ende spannend. Die Entscheidung brachte beim Stand von 12:12 ein Full Ippon

Der Finalkampf von Tim Weidenbecher gegen den Niederländer Melvin Schol war bis zum Ende spannend. Die Entscheidung brachte beim Stand von 12:12 ein Full Ippon

Foto: DJJV

Ju-Jutsu-Kämpfer Tim Weidenbecher vom Norderstedter Verein Kodokan gewinnt bei Weltmeisterschaften in Bangkok Silber und Bronze.

Norderstedt.  Auch jetzt noch bei seiner Rückkehr von den Ju-Jutsu-Weltmeisterschaften in Bangkok, die ihm den Gewinn der Silbermedaille brachten, hadert Tim Weidenbecher (Kodokan) mit sich. Das Duell in der Gewichtsklasse bis 94 Kilogramm in der thailändischen Hauptstadt gegen den Niederländer Melvin Schol war bis kurz vor Ende der regulären Kampfzeit ausgeglichen, ehe Folgendes geschah: „Beim Stand von 12:12 hat mich mein Gegner geworfen, ich wusste einen Moment lang nicht, wo oben und unten ist und habe mich auf die falsche Seite abgerollt – leider direkt in seine Arme. Er hat mich dann am Boden gehalten und so direkt gewonnen. Das wurmt mich immer noch. Ich will immer gewinnen“, sagt Tim Weidenbecher.

Warum die Ansprüche so hoch sind, wird beim Blick auf die Vita des Kampfsportlers klar: Der 21-Jährige ist in seiner mittlerweile 16 Jahre währenden Laufbahn bereits Welt- und Europameister in der U18-Klasse geworden und sicherte sich 2013 auch den U21-WM-Titel. Im Juni diesen Jahres holte Weidenbecher bei den Europameisterschaften der Senioren in Almere (Niederlande) schon Bronze und knüpfte nun in Thailand nahtlos an den letzten Erfolg an. Heimtrainer Stefan Jacobs ist von der Leistung seines ehrgeizigen Schützlings begeistert, betrachtet den Gewinn der WM-Silbermedaille als großen Erfolg: „Tim hat bei seinem ersten WM-Turnier der Erwachsenen eine beeindruckende Stärke gezeigt.“

Der 21-Jährige hatte das Finale durch einen Full-Ippon-Sieg gegen Ming-Cyuan Wang aus Taiwan, einen deutlichen 23:0-Sieg gegen den Vietnamesen Hai Long To sowie einen hart umkämpften 8:7-Erfolg im Halbfinale gegen Dmitrii Marchenko aus Russland erreicht. Neben dem Vizeweltmeistertitel erreichte er im Teamwettbewerb mit der deutschen Mannschaft zudem Bronze – eine Ausbeute, die sich sehen lassen kann.

Nun blickt der Silbermedaillengewinner schon wieder nach vorne. „Im kommenden Jahr will ich bei den wichtigen internationalen Turnieren möglichst vorne mitmischen, um viele Weltranglistenpunkte zu sammeln und mich so für die World Games 2017 in Warschau zu qualifizieren. Das ist mein Ziel.“

Marisol Harms war 2005 in Duisburg die erste und einzige Norderstedter Ju-Jutsu-Kämpferin, die bei den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten für das deutsche Team startete und Mannschaftsbronze gewann. Weidenbecher würde zu gerne in die Fußstapfen seiner ehemaligen Vereinskameradin treten, muss aber jetzt erst einmal zwei Gänge herunterschalten.

Um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen und auch mental neue Kraft und Motivation zu sammeln, ist in den kommenden Tagen Pause angesagt. „Ich werde ein paar Wochen überhaupt keinen Sport machen und mich unter anderem mehr um meine berufliche Zukunft kümmern“, sagt Tim Weidenbecher, der im zweiten Semester an der Universität Hamburg Sozialökonomie studiert und mit dem Stoff ein wenig hinterher hängt. „Man nimmt sich immer vor, unterwegs zu lernen. Aber das klappt meistens ja doch nicht.“