Norderstedt
Golf

Ein 27 Jahre alter Berliner siegt in Bad Bramstedt

Der Berliner Philipp Mejow (27, Mitte) verwies  mit 201 Schlägen den Niederländer Robin Kind (r.) und den Isländer Thordur Gissurarson auf die Plätze zwei und drei

Der Berliner Philipp Mejow (27, Mitte) verwies mit 201 Schlägen den Niederländer Robin Kind (r.) und den Isländer Thordur Gissurarson auf die Plätze zwei und drei

Foto: Ulrich Stückler

Philipp Mejow siegt beim Gut Bissenmoor Classic 2015 auf dem Par-71-Kurs mit zwölf Schlägen unter Platzstandard und kassiert 5000 Euro.

Bad Bramstedt.  Dieses Kompliment hörte Dale Habbe, der Geschäftsführer des Golf & Country Clubs Gut Bissenmoor, nur zu gern. Noch vor der Abschlussrunde des Gut Bissenmoor Classic 2015, dem 17. von 22 Turnieren der Pro Golf Tour (PGT), sagte ihm der spätere Sieger Philipp Mejow aus Berlin, der sich seit 2010 als Profi versucht: „Für mich und viele andere Spieler ist das Turnier in Gut Bissenmoor einer der schönsten, wenn nicht sogar der schönste deutsche Wettbewerb auf der Tour.“

Der 27 Jahre alte Mejow, der nach drei Runden mit 201 Schlägen (zwölf unter Platzstandard) den Niederländer Robin Kind (203) und den Isländer Thordur Gissurarson (205) auf die Plätze zwei und drei verwies und sich die Siegprämie in Höhe von 5000 Euro holte, war voller Anerkennung für den Par-71-Kurs: „Die Grüns sind schön schnell, die hohen Roughs machen den Platz schmal und anspruchsvoll.“

Eben dieses Rough – hohes Gras links und rechts der Hauptspielbahn (Fairway) – hätte den Titelkampf am Finaltag beinahe noch spannender gemacht, als er ohnehin schon war. „Philipp Mejow hat seinen Abschlag auf Bahn sechs genau dort ins Rough geschlagen, wo wir unser Mitglied Michael Zajewski als Fore-Caddy eingesetzt hatten“, schilderte Dale Habbe die möglicherweise turnierentscheidende Begebenheit mit einem dieser besonderen Helfer, die ein freiwilliger, nicht vorgeschriebener Service des Veranstalters auf der Tour sind.

„Michael hat ganz in seiner Nähe den Einschlag gehört. Ohne ihn wäre es wohl sehr schwer geworden, den Ball schnell wiederzufinden, und Philipp hätte am Ende zwei Schläge mehr auf seiner Scorekarte gehabt.“

Für die Bedienung des Live-Scoreboards war ein Golf-Original zuständig. Bernd Kraft ist seit elf Jahren Angestellter der PGT und begleitete zusammen mit rund 50 Fans („So viele Zuschauer gibt es auf dieser Tour nur in Bad Bramstedt“) Mejow und dessen Mitspieler über die letzten 18 Löcher.

Der 68-Jährige aus dem nordhessischen Staufenberg ist aber nicht nur Flight-Starter, Scorer oder helfende Hand, wo immer er gebraucht wird. „Bernd ist für die Spieler Vater und Opa zugleich“, sagte Dale Habbe, „alle lieben ihn für seine herzliche und offene Art.“

Vielleicht nicht gerade die Liebe der Aktiven, aber immerhin deren Anerkennung verdienten sich während der Turnierwoche Chef-Greenkeeper Frank Gärtner, 48, der seit 14 Jahren für die Platzpflege auf Gut Bissenmoor zuständig ist, und sein Helferteam. Auf den Punkt genau war Gut Bissenmoor turnierfertig. „Wir haben morgens um 5 Uhr begonnen und nach Spielschluss bis knapp 22 Uhr weitergemacht“, sagte Gärtner, der Unterstützung von Greenkeeper-Kollegen der umliegenden Plätze erhielt, „ich bin richtig zufrieden, wie die Anlage die drei Tage verkraftet hat.“

Dies blieb auch dem Bramstedter Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach nicht verborgen: „Ein großartig ausgerichtetes Turnier, das im Zuge der Olympiabewerbung von Hamburg Aufmerksamkeit auf den Golfsport und auf diese Region lenkt“, so Kütbach. Er wertete die insgesamt 1500 Besucher als Indiz dafür, „dass die Menschen hier heißhungrig auf Golf sind“.

Diesem Bedürfnis will Dale Habbe gerne nachkommen: „Ich kann mir vorstellen, dass wir bis Monatsende von unseren Eignern und Geldgebern das Okay bekommen, uns auch für 2016 als Ausrichter zu bewerben.“ Und der Geschäftsführer findet in PGT-Tour-Sekretär Simon Bowler einen Fürsprecher: „Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass wir im kommenden Jahr wieder auf Gut Bissenmoor sind.“

Dann wollen auch einige Akteure aus den eigenen Reihen gerne wieder mit von der Partie sein. Mit Lennart Hahn (13 über Par) sowie Lennart Franck, Tobias Schütz und Lars Traulsen durften vier Ligaspieler des GC Gut Bissenmoor als Amateure mit den Profis auf die Runde gehen. Zwar schaffte keiner von ihnen den Cut, „doch es war eine Ehre und eine tolle Erfahrung für uns“, sagte Hahn stellvertretend für seine Mitstreiter, „die Nervosität war allerdings deutlich höher als bei einem normalen Turnier...“