Norderstedt
FUSSBALL

Der SV Todesfelde weiht sein neues Schmuckstück ein

Olaf Warn und sein „Baby“: Der Zimmerermeister gilt als Vater der neuen Sitzplatztribüne beim SV Todesfelde, hat den Bau geleitet und selbst unermüdlich Hand angelegt

Olaf Warn und sein „Baby“: Der Zimmerermeister gilt als Vater der neuen Sitzplatztribüne beim SV Todesfelde, hat den Bau geleitet und selbst unermüdlich Hand angelegt

Foto: Christopher Herbst / HA

Sonntag eröffnet der Schleswig-Holstein-Ligist seine ehrenamtlich gebaute Tribüne mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli.

Todesfelde.  Meistens haben diese fixen Einfälle, die beim Stammtisch in der Kneipe aufkommen, ja eher eine kurze Lebensdauer. Am nächsten Morgen sind die Überlegungen in der Regel vergessen und bleiben im wahrsten Sinne Schnapsideen. Doch beim Dorfclub SV Todesfelde laufen die Dinge bekanntlich anders – auch in diesem Fall.

Denn was Olaf Warn vor über einem Jahr auf einem Bierdeckel im Vereinslokal „Auszeit“ spontan skizzierte, ist kein Traum geblieben. Seit Wochen gehen die Fußballer auf der Sportanlage an der Dorfstraße immer wieder mit ungläubigen Blicken an dem Bauwerk vorbei, dass so etwas wie das neue Wahrzeichen der Gemeinde geworden und beispiellos für ganz Schleswig-Holstein ist.

Der 46 Jahre alte Zimmerermeister Warn und seine 22 Mitstreiter – das ist der engste Kreis – haben es tatsächlich geschafft. Eine nagelneue Sitzplatztribüne ist entstanden, komplett von ehrenamtlichen Helfern nach Feierabend und an Wochenenden kons­truiert, professionell konzipiert mit Holz- und Stahlelementen, unterstützt von vielen großen und kleinen Unternehmen aus der Region. 133 Besucher werden hier überdacht die Heimspiele des Schleswig-Holstein-Ligisten verfolgen können.

So wie am Sonntag, wenn Zweitligist FC St. Pauli zur feierlichen Eröffnung vorbeikommt. Das Hauptevent wird um 15 Uhr angepfiffen, doch schon um 11 Uhr beginnt die Party mit einem Kinderfest und einem Flohmarkt, ehe der langjährige Todesfelder Mannschaftskapitän Dominik Lembke zu seinem offiziellen Abschiedsspiel bitten wird. Später soll er „seinen“ SVT gegen den FC St. Pauli noch einmal auf den Rasen führen, dann aber die Binde an Nachfolger Daniel Schumacher übergeben.

Im August 2014 wurden die ersten Pläne für das Projekt konkretisiert

Olaf Warn wird all dies von einem der blau-gelben Schalensitzen aus sehen dürfen, die er selbst von Hand mit montiert hat. Gut möglich, dass er am Sonntag noch viele Male erzählen darf, wie die letzten Monate verlaufen sind. „Im August 2014 wurde alles konkret, damals hatten wir hier die Saisoneröffnung gegen den SV Henstedt-Ulzburg. Im Oktober habe ich dann das erste Mal mit dem Statiker und dem Architekten gesprochen, die Baugenehmigung kam in Februar.“ Doch die Pläne konnten nicht sofort umgesetzt werden. „Wir wollten noch Ostern und Pfingsten abwarten.“

Den wichtigsten Mann hatte er zu diesem Zeitpunkt längst von dem Projekt begeistert – Hauptsponsor Bernd Jorkisch, Geschäftsführer eines Holzhandelunternehmens aus Daldorf. „Ich habe mir das angehört, und dann haben wir die Dinge weiter professionalisiert. Es war vorher klar, dass der Verein und die Gemeinde keinen Cent bezahlen sollten.“

Wie sich herausstellte, war alles eine Frage des Netzwerks. Als Vicepräses der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck verfügt Jorkisch über exzellente Kontakte zur regionalen Wirtschaft und fand rasch mehr als ein Dutzend Firmen, die wie er selbst, das nötige Baumaterial beisteuerten – allein 20 Tonnen Holz seien es, so Jorkisch.

Und so fügte sich alles zusammen. Die Manpower inklusive Know-how für die schweißtreibende Arbeit zu besorgen, war sowieso kein Problem. „Das ist hier in Todesfelde ganz einfach, weil wir viele Handwerker im Dorf haben. Und auch andere Leute haben gerne mitgeholfen, das waren Todesfelder Jungs. Es gibt hier ein unheimlich großes Wir-Gefühl, auch wenn es ohne Bernd Jorkisch genauso wenig möglich gewesen wäre“, sagt Olaf Warn.

Schätzungsweise sind rund 800 ehrenamtliche Stunden und unzählige Liter Schweiß investiert worden. „Darauf kann der Verein sehr stolz sein“, so Bernd Jorkisch, der in den 1970er-Jahren selbst für den SVT kickte und sich seit 20 Jahren mit seiner Firma finanziell engagiert. „Der Sport, die Wirtschaft und die Gesellschaft sind hier im Einklang zu sehen, sie setzen ein Zeichen bei der Nummer eins im Kreis. Ich glaube, wir haben uns in der Schleswig-Holstein-Liga ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.“

Regionalliga ist für die Verantwortlichen in Todesfelde kein Thema

Von der Regionalliga spricht er trotzdem nicht, auch wenn sich die Todesfelder angesichts ihrer konstanten sportlichen Entwicklung perspektivisch durchaus zu einem Meisterkandidaten in der höchsten Landesklasse entwickeln könnten. „Wir sollten vernünftig bleiben. Wenn wir im oberen Bereich der SH-Liga mitspielen, können wir zufrieden sein.“

Das sieht Olaf Warn, der täglich „bestimmt fünf-, sechsmal“ auf die Tribüne angesprochen wird, ähnlich. Er hegt zudem noch eine ganz andere Hoffnung. „Mein Sohn Levin ist elf und spielt in der D-Jugend. Vielleicht spielt er irgendwann in unserer Herrenmannschaft, dann kann ich hier oben sitzen und mir das angucken.“

SV Todesfelde – FC St. Pauli: Sonntag, 15 Uhr, Sportplatz Dorfstraße; Kartenpreise an der Tageskasse: 9 Euro (Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren), 13 Euro (Erwachsene).