Norderstedt
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„Mir hat das nötige Selbstvertrauen gefehlt“

Norderstedt. Isabell Teegen,
21 Jahre alte Mittel- und Langstreckenläuferin des SC Rönnau 74, wird ihren ersten großen Auftritt auf der internationalen Leichtathletikbühne wohl vor allem als Achterbahnfahrt der Gefühle in Erinnerung behalten. Nach dem Finale der U23-Europameisterschaft in Tallinn über 10.000 Meter war die Mözenerin mächtig frustriert. Und zwar nicht über ihren zehnten Platz und die Zeit von 34:36,91 Minuten, sondern über die Art und Weise, wie dieses Resultat zustande kam.

Rückblende. Bei einem Meeting in Koblenz läuft Teegen am 27. Mai starke 16:04,45 Minuten über 5000 Meter, hat nach dem Wettbewerb aber Schmerzen in der linken Wade. Die niederschmetternde Diagnose: Muskelfaserriss, vier Wochen Trainingspause – die Teilnahme an der EM in der Hauptstadt von Estland, ihrem Saisonhöhepunkt, ist akut gefährdet. Dank intensiver Behandlung im Olympiastützpunkt Hamburg und im Reha-Gesundheitspark Herxheim wird sie gerade noch rechtzeitig fit, besteht einen abschließenden Leistungstest über 12.000 Meter im Hamburger Stadtpark und wird eine Woche vor den Titelkämpfen für die
68 Athleten starke deutsche Mannschaft nominiert.

„Ich war so froh, dass ich nach meiner Verletzung überhaupt in Tallinn starten konnte“, sagte Isabell Teegen, „und ich hatte mir ganz fest vorgenommen, das Beste aus der Situation zu machen. Doch das ist mir leider nicht gelungen.“

Dies lag nicht etwa daran, dass sie den Kampf gegen ihre 14 Konkurrentinnen entgegen der üblichen Wettkampfpraxis nicht in Spikes, sondern in Joggingschuhen aufnahm. Ihre Begründung: „Das ist schonender für die Waden.“ Die Entscheidung erwies sich als richtig. Zwar zwickte die lädierte Muskulatur während des Rennens ein wenig, machte aber keine größeren Probleme. „Das hat mich absolut nicht beeinträchtigt. Und auszusteigen stand für mich nie zur Debatte, dafür bin ich nicht nach Estland gefahren“, so Isabell Teegen.

Als Negativfaktor erwies sich vielmehr die Psyche. „Mir hat nach meiner Verletzungspause das nötige Selbstvertrauen gefehlt“, sagte sie. Dies wurde vor allem in der Phase deutlich, als mehrere Läuferinnen, unter ihnen auch die spätere Siegerin Jip Vastenburg aus den Niederlanden, auf das Tempo drückten und sich etwa 100 Meter vom übrigen Feld absetzten.

Teegen: „Ich habe dann zwar die Führungsarbeit in der Verfolgergruppe geleistet, hatte aber nicht den Mut, die entstandene Lücke wieder zuzulaufen. Dabei war ich kräftemäßig gut drauf, sonst hätte ich meinen langen Schlussspurt nicht durchziehen können. Am Ende bleibt ein wenig das Gefühl, dass ich nicht alles gegeben habe, was möglich war. Ich bin deshalb sehr von mir enttäuscht.“

Vereinstrainer Sören Kuhn litt vor Ort mit, machte seinem Schützling aber auch Mut für die Zukunft. „Das war ohne Frage kein besonders tolles Erlebnis für Isabell, doch die physische Leistung wird nun mal maßgeblich über die Psyche gesteuert. Der Wettkampf in Tallinn wird sie langfristig weiterbringen, man wächst ja nicht an Erfolgen, sondern an Rückschlägen. Und: Das war immerhin eine U23-EM. Wir jammern also auf einem sehr hohen Niveau...“

Der 10.000-Meter-Lauf der Frauen bei den U23-Europameisterschaften in Tallinn: 1. Jip Vastenburg (Niederland) 32:18,69 Minuten; 2. Rhona Auckland (Großbritannien) 32:22,79; 3. Alice Wright (Großbritannien) 32:46,57; 4. Monica Florea (Rumänien) 32:55,08; 5. Nina Savina (Weißrussland) 33:37,99; 6. Emine Tuna (Türkei) 34:10,06; 7. Rebecca Straw (Großbritannien) 34:11,69; 8. Militsa Mircheva (Bulgarien) 34:13,36; 9. Sevilay Eytemis (Türkei) 34:16,21; 10. Isabell Teegen (Deutschland) 34:36,91; 11. Alena Kudashkina (Russland) 34:37,87; 12. Ana Vega (Spanien) 34:38,76; 13. Beatriz Alvarez (Spanien) 34:46,20; 14. Meri Rantanen (Finnland) 34:46,99; 15. Heleene Tambet (Estland) 36:29,80.