Norderstedt
Fußball

Bei Juri Marxen lässt der Schmerz endlich nach

Juri Marxen, 19, versucht bei Eintracht Norderstedt sein Comeback

Juri Marxen, 19, versucht bei Eintracht Norderstedt sein Comeback

Foto: HA

Der Verteidiger will bei Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt den Anschluss schaffen. Der Youngster musste ein Jahr aussetzen.

Norderstedt.  Trainingskiebitze bei Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt hatten bei den ersten Einheiten nach der Sommerpause einiges erwartet – vielleicht exotische Testspieler, oder gar den dringend benötigten neuen Stürmer. Doch sie bekamen etwas anderes zu sehen: einen jungen Blondschopf, der breit grinsend den Kunstrasen betrat und sofort munter mitmischte, als wäre nichts gewesen.

Juri Marxen ist wieder da. Diese Nachricht durfte Trainer Thomas Seeliger verkünden. „Er hat sich bei mir gemeldet und wollte es wieder versuchen. Damit hatte ich selbst nicht mehr gerechnet“, gab der Coach zu. Denn es ist – zumindest was den Fußball angeht – eine Ewigkeit her, seitdem der 20-Jährige letztmalig in Erscheinung getreten war.

Zum Abschluss der Saison 2013/2014 gehörte er als Rechtsverteidiger zur Norderstedter Mannschaft, die 0:5 bei Werder Bremen II verlor. Dann begann eine lange Leidenszeit. „Es war ein doppelter Bandscheibenvorfall. Dann war eine Nervenwurzel eingeklemmt, und das hat in mein linkes Bein ausgestrahlt“, sagt Marxen.

Während sich die Eintracht in der Regionalliga Nord stetig weiterentwickelte, blieb ihm lediglich die Rolle eines Zuschauers bei den Heimspielen und dazu eines Dauergastes in verschiedenen Arztpraxen. „Eine Rücken-OP war aber keine Option für mich, es wurden andere Maßnahmen ergriffen.“

Der Fortschritt kam wenn überhaupt nur in kleinen Dosen, an Leistungssport war nicht zu denken, Marxen ging höchstens Joggen oder fuhr Fahrrad. „Keine Behandlung hat so richtig angeschlagen, ich bin da ein Sonderfall.“ Er fing an zu studieren – Sport und Mathe auf Lehramt an der Universität Hamburg. Bei der Eintracht wurde derweil immer wieder vermutet, dass der Langenhorner irgendwann als Übungsleiter im Nachwuchsbereich einsteigen würde.

Vor einigen Wochen verfestigte sich jedoch bei Juri Marxen das Gefühl, dass es wieder gehen könnte mit dem Fußball. „Ich habe den Trainer angerufen, ihm aber auch deutlich gemacht, dass es zunächst ein Versuch ist. Die Ärzte haben mir hierfür grünes Licht gegeben. Und als ich jetzt den Ball erstmals wieder am Fuß hatte, war das schon ein geiles Gefühl.“

Wieder auf Regionalliga-Niveau zu kommen, ist eine der zwei großen Her­ausforderungen. Die zweite: der Schmerz muss gemanagt, richtig interpretiert werden. „Ich muss immer abwägen, was für ein Schmerz es ist. Ich kann auch nicht mit Sicherheit sagen, dass ich bis nächsten Monat durchhalte.“ Mit der Gegenwart sind alle Seiten aber zufrieden. „Juri macht einen guten Eindruck auf mich“, sagt Thomas Seeliger. „Wir reden ja über einen
20-Jährigen, der genügend Fitness haben muss, um ein Jahr Pause zu verkraften. Bis zur Bandscheibengeschichte hat er ja gute Leistung gebracht. Juri hat großes Talent, bringt Schnelligkeit und Selbstvertrauen mit, ist nicht am Ende seiner Möglichkeiten.“

Mit Björn Nadler macht ein weiterer Rekonvaleszent Fortschritte. Der Linksaußen, aufgrund einer Sprunggelenkverletzung seit Oktober außer Gefecht, hat mit dem Lauftraining begonnen. Seeliger: „Wir werden die Belastung jetzt steigern. Wenn er in der letzten Vorbereitungswoche voll ins Training einsteigen könnte, wäre das top.“ Im Gegensatz zu Marius Browarczyk – dieser erlitt im ersten Trainingsmatch einen Muskelfaserriss in der Wade und fällt wohl vier Wochen aus.

In einem Benefizspiel im Itzehoer Lehmwohldstadion traf die Eintracht auf eine Auswahl aus Akteuren des
SV Heiligenstedtenerkamp und des
Itzehoer SV – der Erlös ging an die Familie eines verunglückten Fußballers. Norderstedt gewann diese erste Testbegegnung mit 17:0 (10:0) durch Tore von Jan Lüneburg (4), Pablo Kunter, Linus Meyer (je 3), Yayar Kunath (2), Deran Toksöz, Haris Kevac, Gerrit Pressel, Dane Kummerfeld (je 1) und ein Eigentor.. Am Dienstag (19.30 Uhr, Segeberger Straße 90) treffen die Garstedter in Nahe auf den SC Pinneberg.