Norderstedt
NZ-Sport

Mit Müsli und Obst zum Stadtlaufsieg

Der überzeugte Veganer Christian Kock startet erstmals in Norderstedt und rennt über zehn Kilometer allen Konkurrenten davon

Als Christian Kock beim
19. Arriba-Stadtlauf das Ziel erreichte, hob er den rechten Zeigefinger. Die Geste, die auch der vierfache Formel-Eins-Weltmeister Sebastian Vettel nach Siegen favorisiert, hatte für den Gewinner des Hauptlaufes über zehn Kilometer aber noch eine weitere Bedeutung.

Der Itzehoer, auf dessen Funktionsshirt der Spruch „No meat athlete runs on plants“ prangte, isst und trinkt aus ethischer Überzeugung seit drei Jahren vegan, verzichtet also komplett auf alle tierischen Lebensmittel. Dem sportlichen Leistungsvermögen tut diese Art der Ernährung offensichtlich keinen Abbruch – im Gegenteil.

„Ich fühle mich super“, sagte der 29-Jährige, der zum ersten Mal in Norderstedt startete und für den Tierrechtsverein Laufen gegen Leiden antritt. Seine Premiere in Norderstedt verlief für den gelernten Industriekaufmann, der sich zum Frühstück eine große Portion Müsli mit viel Obst gönnte, optimal. Nach 36:18 Minuten erreichte der Itzehoer das Ziel und war begeistert.

„Die Strecke ist schön flach. An der Straße stehen sehr viele Menschen, die einen anfeuern und motivieren. Das ist nicht bei jedem Volkslauf so“, sagte Christian Kock, der beim 9. TriBühne-Triathlon am 6. September in Norderstedt über die Olympische Distanz starten wird.

Der Stadtlaufgewinner war rundum glücklich. Die Frauensiegerin Manuela Sporleder (AG Hamburg West), die nach 40:56 Minuten ins Ziel kam, nicht ganz. Und das, obwohl die
43-Jährige nun schon zum fünften Mal in Norderstedt die schnellste Frau über zehn Kilometer war. „Mit meiner Zeit bin ich nicht zufrieden“, sagte die stark sehbehinderte Sportlerin, die sich seit zwei Jahren mit diversen körperlichen Beschwerden herumplagt. „Aber der Lauf in Norderstedt gefällt mir sehr, weil es immer so schöne T-Shirts gibt.“

Während sich die Erzieherin die komplette junge und alte Konkurrenz, vom Leib hielt, war bei den Siegerinnen über die 5000 Meter die Jugend ganz vorne. Josefine Grube (Startgemeinschaft Wasserratten) kam nach 17:27 Minuten ins Ziel – als Gesamtvierte aller Frauen und Männer.

Die 17 Jahre alte Henstedt-Ulzburgerin wurde 2014 Deutsche A-Jugend-Meisterin im Duathlon, der Kombination aus Laufen und Radfahren. Danach absolvierte sie ein Auslandsjahr in Tennessee (USA). „Ich habe mir direkt nach der Duathlon-DM einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zugezogen und musste drei Monate pausieren. In den USA musste ich ganz von vorne anfangen“, sagte sie. Nachdem der Bruch verheilt war, begann Grube mit dem Lauftraining. Im Winter standen Crosswettbewerbe auf dem Programm, im Frühling ging’s auf die Bahn. „Jetzt muss ich mich erst einmal wieder um die Schule kümmern“, so die Zwölftklässlerin, die die Waldorfschule in Kaltenkirchen besucht.

„Mein Ziel war, hier zu gewinnen“, sagte Alexander Schilling und freute sich darüber, dass er sein ambitioniertes Ziel über fünf Kilometer umsetzen konnte. Der 28 Jahre alte Bramstedter vom Laufclub Oase Hingstheide benötigte 16:48 Minuten und war damit Gesamtschnellster.

Organisator Stefan Kroeger, Vorsitzender des ausrichtenden SV Fried­richsgabe, freute sich über 1927 Anmeldungen und 1718 Finisher – 1078 davon absolvierten den Fünf-Kilometer-Lauf. Das Bild, das sich den zahlreichen Zuschauern nach dem von Stadtpräsidentin Kathrin Oehme abgefeuerten Startschuss bot, war überwältigend. Scheinbar unendlich lang schien die Menschenschlange zu sein, die sich nach und nach über die Startlinie bewegte. Viele Läuferinnen und Läufer gingen lachend und schwatzend auf die Strecke und winkten ihren Fans zu.

Mit 457 Teilnehmern war auch der Zehn-Kilometer-Lauf gut besucht. Komplettiert wurde das Teilnehmerfeld von 39 Walkern sowie 117 Kindern, die beim Arribuinlauf 400 Meter um die Wette rannten. Doch egal, welche Distanz nun ausgewählt wurde, ein Siegerlächeln hatten alle Beteiligten im Gesicht. Helferin Sylvia Schock vom
SV Friedrichsgabe sagte treffend: „Der Stadtlauf ist, als wenn man nach Hause kommt. Man kennt so viele Leute, es macht einfach nur Spaß.“

Ein kleiner Schönheitsfehler: Die Freibadduschen blieben aus organisatorischen Gründen geschlossen. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Die Ergebnislisten waren erstmals nur noch online verfügbar.