Norderstedt
FUSSBALL

Eintracht Norderstedt knackt die 50-Punkte-Marke

Mittelfeldspieler Deran Toksöz erzielte in Neumünster das 2:0 für Eintracht Norderstedt

Mittelfeldspieler Deran Toksöz erzielte in Neumünster das 2:0 für Eintracht Norderstedt

Die Mannschaft von Trainer Thomas Seeliger gewinnt 2:1 beim VfR Neumünster und sichert sich Platz sechs in der Regionalliga Nord.

Neumünster.  Trainer Thomas Seeliger legt großen Wert darauf, dass die Leistungen von Fußball-Regionalligist Eintracht Norderstedt korrekt eingeordnet und gewürdigt werden. Weil der Club in einer Spielklasse aktiv ist, die im Hamburger Raum nicht selten weniger Aufmerksamkeit erhält als die darunterliegenden Amateurligen, lässt die Anerkennung für die Kicker aus Garstedt seinem Empfinden nach manchmal zu wünschen übrig – die Verärgerung darüber hat der Coach wiederholt zum Ausdruck gemacht.

Deshalb betonte Seeliger nach Abschluss der Saison 2014/2015 und dem 2:1 (2:1)-Sieg bei Absteiger VfR Neumünster noch einmal, dass ein sechster Platz mit 52 Zählern etwas Außergewöhnliches sei. „Wir sind das Überraschungsteam der Regionalliga Nord.“

Für diese Behauptung gibt es in der Tat einige stichhaltige Argumente. So meisterte die Eintracht das gemeinhin gefürchtete „zweite Jahr“ nach dem Aufstieg relativ souverän, stand zu keinem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz, vielmehr fast durchgehend in der oberen Tabellenhälfte. Abgesehen von den Top drei der Staffel – den U23-Profis von Meister Werder Bremen, des VfL Wolfsburg und des Hamburger SV – hat kein Team öfter gewonnen als Norderstedt (16-mal). Die Eintracht weist mit 34 Punkten sogar die drittbeste Heimbilanz der Nordstaffel auf. Halbe Sachen gab es dafür höchst selten, denn die Garstedter haben die wenigsten Unentschieden (vier) aller
18 Regionalligisten vorzuweisen.

„Wir sind eben offensiv ausgerichtet“, so Thomas Seeliger. Was vielleicht auch ein Grund dafür ist, warum nach allgemeiner Auffassung der eine oder andere Zähler verschenkt wurde und ferner so manch eine Begegnung unnötig deutlich verloren ging. Das verdeutlicht unter anderem der Vergleich mit dem punktgleichen Tabellenfünften ETSV Weiche Flensburg: Dieser hat zwar zwei Siege weniger eingefahren, dafür aber zehnmal remis gespielt und eine um 25 Treffer bessere Tordifferenz, nämlich plus 16 gegenüber minus neun.

Die Norderstedter Kicker selbst sind ausdrücklich zufrieden. Abwehrchef Marin Mandic, mit der Routine von 160 Viertliga-Einsätzen ausgestattet, macht grundsätzlich einen Lerneffekt aus, was die taktische Disziplin angeht. „Unsere jungen Spieler haben jetzt mehr Erfahrung in der Regionalliga, das macht schon etwas aus. Im letzten Jahr gab es zu häufig Fälle, wo alle nach vorne gestürmt sind. Jetzt bleibt immer jemand hinten.“ So kassierte die Eintracht in 19 Partien entweder keinen oder nur einen Gegentreffer – diese gute Bilanz wurde jedoch durch desaströse 1:19 Tore in den vier Duellen mit Bremen und Wolfsburg (0:5, 1:5, 0:3, 0:6) stark geschmälert.

Ein Saisonende ist allerdings nicht bloß Anlass für eine statistische Bestandsaufnahme. Wer geht? Wer kann oder darf bleiben? Wer kommt? Um diese Fragen geht es aktuell an der Ochsenzoller Straße. Marin Mandic kann für sich Entwarnung geben, denn der Bereitschaftspolizist hat eine Regelung gefunden, die es ihm ermöglicht, weiter Leistungsfußball zu betreiben. „Ab dem 1. Juli“, so der 26 Jahre alte Kroate, gelte das reduzierte Pensum, sodass er nicht mehr so häufig wie in den vergangenen Monaten und zudem nicht mehr so kurzfristig wie oftmals geschehen zum Dienst beordert werden wird.

Vorsichtig optimistisch ist Linus Meyer. Der Publikumsliebling möchte unbedingt ein Masterstudium in Unternehmensführung beginnen. „Ich hoffe, dass ich einen Studienplatz in Hamburg oder Lüneburg bekomme.“ Die Bewerbungsphase läuft jedoch erst ab Juni. „Mündlich habe ich bei der Eintracht zugesagt“, sagt Meyer, der definitiv am 22. Juni beim Vorbereitungsstart dabeisein wird.

Ein weiterer Wackelkandidat ist Gerrit Pressel. Der variable Linksfuß – eine Kostbarkeit im Fußball – hat sich entschieden, nicht mehr vom Sport leben zu wollen und deshalb für mehrere Ausbildungsplätze beworben. Auch hier gilt: Bleibt der Spieler in der Region, ist die Wahrscheinlichkeit auf ein weiteres Jahr in Norderstedt hoch. „Wenn ich in Hamburg bleiben sollte, kann man das sicher kombinieren.“

Für die Langzeitverletzten Björn Nadler (Sprunggelenk) und Marco Schultz gilt genauso wie für Torhüter Johannes Höcker (beide Schambeinentzündung) die Hoffnung, dass alle nach der Sommerpause ins Training zurückkehren. „Aber wir werden mit Neuzugängen auch neue Reize setzen“, so Thomas Seeliger, „wir brauchen den Konkurrenzkampf, nachdem wir jetzt drei Jahre mit fast der gleichen Mannschaft zusammenspielen.“