Norderstedt
Tensfeld

Der Favorit gibt sich keine Blöße

Fußballer des SV Todesfelde feiern vierten Kreispokal-Triumph der Vereinsgeschichte. Außenseiter Kaltenkirchener TS ist beim 3:0 chancenlos

Tensfeld.  Tobias Kruse hatte genug vom Kreispokalfinale. So gut wie gar nichts hatte in der ersten Halbzeit geklappt für die Verbandsliga-Fußballer der Kaltenkirchener Turnerschaft. Sie lagen gegen den favorisierten Schleswig-Holstein-Ligisten SV Todesfelde mit 0:1 zurück, das Tor fiel zu allem Überfluss nach einem Eckstoß, als Keeper Patrick Wiermann daneben griff. Offensiv sahen die beiden Stürmer Lukas Freitag und Vincent Niemeyer keinen Stich, nach einer halben Stunde gab auch noch das rechte Knie von Wladimir Erlenbach nach – Verdacht auf Kreuzbandriss. „Es hat geknackt“, sagte der Pechvogel später.

Und dann erwischte es Kruse, den robusten Innenverteidiger, der unglücklich auf dem Rasen aufkam. Das linke Sprunggelenk knickte weg, der Abwehrmann lag mit schmerzverzerrtem Gesicht danieder. An der Seitenlinie legte er Schuhe und Stutzen beiseite und drückte Betreuer Sebastian Scheiwe seinen Glückscent in die Hand. „Der hat ja nichts gebracht heute.“ Den Rest der Begegnung schaute er in liegender Position machtlos mit an, wie seine KT, die in der Liga seit
15 Spielen ungeschlagen ist, in diesem Fall eine Nummer zu klein, die
0:3 (0:1)-Niederlage angemessen war.

Schon zur Halbzeit hatten viele Zuschauer trotz des eigentlich nur knappen Rückstands nicht mehr auf Kaltenkirchen gesetzt. Auch die Organisatoren vom TuS Tensfeld offenbar nicht, zumindest lief der Evergreen „We are the Champions“ über Lautsprecher vom Band, der normalerweise eher nach Schlusspfiff erwartet worden wäre. Was später auch passierte, zumindest in der Todesfelder Kabine, wie der Club abends stolz mit einem Facebook-Video dokumentierte.

Der große Unterschied zwischen dem Fünften der SH-Liga und dem Dritten der Verbandsliga lag insbesondere in der Handlungsschnelligkeit und in der Zweikampfhärte. Denn physisch konnte die KT nicht mithalten, verlor einen Großteil der Duelle, die Akteure beschwerten sich nach harten Tacklings oft bei Schiedsrichter Tim Becker (Borussia Segeberg). Die Gangart war bewusst gewählt, Todesfelde wollte den Underdog auf die Probe stellen, wie Mittelfeldantreiber Lennart Hein verriet. „Das war eine Maßgabe unseres Trainers, wir wollten mit ehrlicher Härte in die Zweikämpfe gehen.“

Der gewünschte Effekt trat ein. Kaltenkirchens Angreifer Vincent Niemeyer, in der Liga einer der Besten auf seiner Position, wurde beispielsweise fast komplett aus dem Spiel genommen. „Gerade in der ersten Halbzeit wurde der Klassenunterschied extrem deutlich“, sagte er. „Wir sind aber auch eine junge Truppe mit einigen Spielern, die direkt aus der A-Jugend kommen. Todesfelde hat dafür Spieler mit fünf Jahren Erfahrung in der Schleswig-Holstein-Liga.“ Die Treffer von Luca Sixtus (52.) und Morten Liebert (59.) – jeweils reagierte die KT-Defensive zu langsam – sorgten für die frühzeitige Entscheidung. Todesfeldes Keeper Joshua Du Preez wurde kein einziges Mal geprüft, die beste Chance für Kaltenkirchen war ein Distanzschuss von Jury Geibel-Hoffmann an die Latte (87.).

Mit dem insgesamt vierten Pokalsieg der Vereinsgeschichte nach 2006, 2010 und 2013 hat Todesfelde ein explizites Saisonziel erreicht und sich zudem rehabilitiert – schließlich gab es im vergangenen Jahr noch eine
0:2-Niederlage im Finale gegen den
SV Henstedt-Ulzburg, also seinerzeit ebenso einen Verbandsligisten.

Und so war Coach Sascha Sievers diesmal auch ohne Einschränkung zufrieden. „Die Jungs haben alles reingeworfen, waren taktisch diszipliniert, haben in den Zweikämpfen die richtigen Signale gesendet. Der Pokalsieg ist die Belohnung für eine tolle Saison mit bereits 55 Punkten in der Liga.“

Sein Kollege Dominik Fseisi gestand: „Das war verdient, wir hatten einfach keine Chance. Für uns hätte alles perfekt laufen müssen, das war nicht so. Aber für die KT als Verein war das Finale eine tolle Sache.“

Am Sonntag (14 Uhr) empfängt Todesfelde in letzten Heimspiel der Saison Eutin 08, könnte theoretisch Platz fünf sicherstellen. Kaltenkirchen trifft ab 15 Uhr am Marschweg auf den TSV Lägerdorf und würde mit einem Sieg vorläufig auf Rang zwei vorrücken.

Einen eigenen Erfolg vorausgesetzt, müsste die KT am Dienstag ausnahmsweise dem SV Todesfelde die Daumen drücken, denn dessen Reserve spielt dann gegen den TSV Wankendorf, also den direkten Kaltenkirchener Konkurrenten um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Schleswig-Holstein-Liga. Nicht ausgeschlossen also, dass bei optimalem Verlauf der kommenden Wochen das nächste Duell der beiden Pokalfinalisten ein ganz normales Punktspiel sein könnte.

Tore: 0:1 Lennard Koth (6.), 0:2 Luca Sixtus (52.), 0:3 Morten Liebert (59.).Kaltenkirchener TS: Wiermann – Bröcker,
Lippke, Seker, Kruse (41. Ö. Yener), Mike – Erlenbach (33. Laczkowski), Geibel-Hoffmann, Böhm –
Niemeyer, Freitag.SV Todesfelde: Du Preez – Petzold, Koth, Beyer, Hamann – Lübcke (74. Lembke), Schumacher, Hein, Sixtus – Studt (80. Kokot), Liebert (70. Bruhn).Zuschauer: 350 (in Tensfeld).