Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

„Frogs“ fühlen sich wie Verlierer

Zweitliga-Handballer des SV Henstedt-Ulzburg geben beim 24:24 gegen den TV Bittenfeld einen Sieg aus der Hand

Henstedt-Ulzburg. Wie dicht doch Freud und Leid im Handball beieinander liegen. Eben noch schnupperten die Zweitligamänner des SV Henstedt-Ulzburg an der Sensation, hatten 100 Sekunden vor Schluss durch den überragenden Robert Schulze mit seinem fünften Treffer des Abends die 24:22-Führung gegen den Tabellenzweiten TV Bittenfeld erzielt.

400 SVHU-Fans, die unter der Woche den Weg in die Maurepashalle gefunden hatten, waren bis dahin für ihr Kommen durch ein spannendes, kampfbetontes und emotionales Spiel belohnt worden. Sollten nun zwei Punkte gegen den Aufstiegskandidaten als verfrühtes Weihnachtsgeschenk folgen?

Falsch. Was kam, sollte die Minute der „tragischen Helden“ sowie einer Menge Dusel für die Gäste werden. Diese hatten mit noch einer Minute zu spielen zum 23:24 verkürzt. Michael Schweikardt konnte den Abpraller, nachdem er seinen Siebenmeter an den Pfosten gesetzt hatte, selber zu seinem achten Treffer verwandeln. Im nächsten Angriff scheitert Schulze von linksaußen mit seinem ersten Fehlwurf.

Die Gäste gehen in den Angriff , suchen den Ausgleich – und verlieren den Ball. Die Chance für Kreisläufer Martin Laursen. Der 19-Jährige stürmt auf den seit der 38. Minute im Bittenfelder Tor stehenden Dragan Jerkovic zu und versenkt unter tosendem Jubel der Menge den Ball in dem Maschen.

Der Sieg? Nein. Was im Eifer niemand hörte: SVHU-Trainer Matthias Karbowski hat während des Gegenstoßes die grüne Karte für eine Auszeit gezogen. Das Tor zählt nicht. Entsetzen bei Spielern und Fans – Verständnis bei „Frogs“-Geschäftsführer Olaf Knüppel. „Diese Auszeit war genau richtig, eigentlich ein genialer Schachzug“, sagte Knüppel nach dem Match und nahm seinen Trainer in Schutz, der das Unentschieden auf seine Kappe nahm, „allein, wir haben daraus nichts gemacht.“

Denn anstatt besonnen – was zugegebenermaßen durch giftig attackierende Bittenfelder schwierig war – die letzten zwölf Sekunden herunterzuspielen, wagt Tim Völzke Sekunden vor Schluss den Wurf – und scheitert an Jerkovic. Dem genügt ein Augenblick, um einen präzisen Pass auf Tobias Schimmelbauer zu werfen. Dieser gleicht praktisch mit der Schluss-Sirene zum 24:24 aus. Die Baden-Württemberger jubeln, die SVHU-Spieler trotten mit hängenden Schultern vom Feld. „Klar, das tut sehr weh; wir waren das bessere Team an diesem Abend“, sagte SVHU-Kapitän Nico Kibat, der mit vier Feldtoren ebenfalls einen starken Abend hatte.

Dabei haben die Henstedt-Ulzburger allen Grund, mit sich zufrieden zu sein, besonders mit ihrer Abwehr. „Wir hatten da in der ersten Halbzeit noch leichte Probleme, die haben wir aber in der Pausenbesprechung abgestellt“, sagte Karbowskis Trainer-Partner Amen Gafsi, „das Übrige haben die Jungs selber gemacht und haben eine Schippe draufgelegt. Sie haben gemerkt, dass hier mit Kampf etwas geht.“

Und die Fans haben registriert, dass sich nach anfänglicher Heimschwäche der Besuch bei den „Frogs“ lohnt, zumal ihre Halle zur Einlaufzeremonie mit Quak-Konzert und Lichtermeer zum „Froschteich“ geworden ist. Umso ärgerlicher, dass dem SVHU ein eingeplantes Highlight mit Rekordkulisse wohl nun vermasselt wird. „Die Stadt Norderstedt hat uns mitgeteilt, dass sie am 2. Weihnachtstag die Moorbekhalle als Austragungsort für die Partie gegen den HSC 2000 Coburg nicht zur Verfügung stellen kann“, sagte Teammanager Joachim Jakstat, „das ist ein herber Rückschlag, wir haben mit weit mehr als 1000 Fans für den Termin gerechnet.“

Spielverlauf: 1:2, 2:4 (6.), 5:5, 7:7 (14.), 9:9, 9:12 (21.), 12:13 – 14:13 (34.), 14:15, 16:16 (40.), 19:19 (46.), 19:21, 20:22 (49.), 22:22 (51.), 24:22 (59.), 24:24 (60.).Tore des SV Henstedt-Ulzburg: Robert Schulze (5), Nico Kibat (6/davon 2 Siebenmeter), Kevin Wendlandt (4), Stanislaw Demovic, Martin Laursen (je 3), Julian Lauenroth (2), Florian Bitterlich (1).Tabelle: 1. HC DHfK Leipzig (30:4 Pkt./500:416 Tore), 2. DJK Rimpar Wölfe (26:8/428:414), 3. TV Bittenfeld (25:9/482:426), ..., 11. TV 1893 Neuhausen (15:19/443:434), 12. SV Henstedt-Ulzburg (15.19/452:461), 13. HC Empor Rostock (15:19/466:490), ..., 17. TSV Bayer Dormagen (9:25/447:496), 18. TV 05/07 Hüttenberg (7:27/403:443), 19. Eintracht Hildesheim (7:27/410:489), 20. GSV Eintracht Baunatal (5:29/415:506).