Norderstedt

Der Nachwuchs spielt groß auf

Am Sonnabend ist Eintracht Norderstedt Gastgeber der Saisoneröffnung der Fußball-Regionalligen für die Altersklassen U15, U17 und U19

Der erste Schultag nach den Sommerferien ist immer etwas Besonderes. Erst recht, wenn sofort eine Prüfung auf dem Lehrplan steht. Und wenn unklar ist, ob das Erlernte ausreicht, um den Test zu bestehen. Wie im übertragenen Sinn bei den Junioren-Fußballern von Eintracht Norderstedt. Seit Wochen üben die Talente des Clubs für den Ernstfall, sprich die Saisoneröffnung der drei Nord-Regionalligen an diesem Sonnabend. Die Garstedter sind Gastgeber auf der heimischen Kunstrasenanlage an der Ochsenzoller Straße, sie stehen damit automatisch im Fokus.

Was in den Köpfen der 13 bis 18 Jahre alten Teenager – C-Junioren, B-Junioren, A-Junioren – dann vorgehen wird, das wissen die Youngster wohl selbst noch nicht. Sie sind keine abgebrühten Herrenfußballer, sondern stehen erst am Anfang ihrer Karrieren. Auch deshalb sind im Nachwuchsbereich die Trainer so wichtig – nicht nur sportlich, sondern gleichermaßen als Vorbilder, Freunde, Pädagogen.

Sebastian Günther und die U15 spielen in der höchsten deutschen Spielklasse

Ein Paradebeispiel ist Sebastian Günther, der als Coach mit seinen C-Junioren (U15) um 10.30 Uhr im ersten Match auf den scheinbar übermächtigen Hamburger SV treffen wird. Ein reizvolles Duell, erst recht für den B-Lizenz-Inhaber, der seinerseits schon zweimal Jugendmannschaften des HSV betreut hat. „Von den jetzigen 18 Spielern unseres Gegners kenne ich 15 sehr gut“, sagt er.

Günther ist neu bei der Eintracht, er hat die Verantwortlichen mit seiner Persönlichkeit überzeugt. Der tägliche Umgang mit jungen Menschen, das ist nicht nur seine Leidenschaft, sondern auch sein Job. Der 24-Jährige ist in der Endphase eines Lehramtsstudiums (Geografie, Sozialwissenschaften), übt zudem parallel bereits einen Lehrauftrag an einem Hamburger Gymnasium aus. Seine Schüler dort sind teilweise im gleichen Alter wie seine Schützlinge auf dem Fußballplatz.

„Ab dem 13., 14. Lebensjahr werden die Jungs so langsam Persönlichkeiten. Es sind keine Kinder mehr, denen man etwas diktiert“, sagt er. Seine Aufgabe ist so klar wie kompliziert: der Klassenerhalt in der höchsten deutschen Spielklasse. Bei den C-Junioren gibt es nämlich keine Bundesliga, sondern insgesamt vier Regionalligen.

Hinsichtlich der Nordstaffel differenziert Günther zwischen zwei Gruppen. „Wir werden mit sieben, acht Teams eine eigene Runde spielen.“ Neben Norderstedt wären dies etwa der Niendorfer TSV, der TSV Havelse, der VfB Lübeck oder der JFV Nordwest aus Oldenburg. Eher unerreichbar sind für diesen Kreis die Mannschaften des HSV, des VfL Wolfsburg, von Werder Bremen oder Hannover 96.

Die U17 trifft auf Concordia II, die U19 empfängt Nettelnburg-Allermöhe

Vor knapp drei Monaten fehlte es nur an Nuancen, und die U17 der Eintracht wäre direkt in die Bundesliga aufgestiegen. Letztlich war der SC Concordia einen Punkt besser, während Norderstedt in den folgenden Aufstiegsplayoffs deutlich am 1. FC Magdeburg scheiterte. Trainer Matthias Dieterich verabschiedete sich anschließend, er ist nun beim Hamburger SV als Assistent der U15 tätig.

An der Ochsenzoller Straße wurde eine interne Nachfolgelösung gewählt – Kemal Mimaroglu heißt der neue Coach, bis dato zuständig für die eigene U15 und zuvor beim FC St. Pauli tätig. Daraus, dass die letzte Serie unter dem Strich als Erfolg gilt, leitet er indes keine Favoritenrolle ab. „Es gibt keine Vorgabe, aufsteigen zu müssen. Für viele meiner Jungs ist es das erste Jahr in einer Regionalliga. Wir versuchen, erst einmal eine homogene Mannschaft zu formen.“

Zumal der Aufstieg des SC Concordia für Norderstedt ein Wettbewerbsnachteil ist. Diverse Talente wechselten von der Eintracht zum Hamburger Rivalen, dessen zweites Team am Sonnabend (13 Uhr) zum Derby in Garstedt gastiert. „Wären wir in die Bundesliga aufgestiegen, hätten wir viele Leistungsträger halten können“, sagt Mimaroglu.

In der Tat: Der Konkurrenzkampf der Vereine in der Region wird – im Schatten des HSV und des FC St. Pauli – immer intensiver. Bei den B-Jugendlichen spielen beispielsweise gleich acht erste oder zweite Mannschaften aus dem Hamburger Raum in der Bundes- oder Regionalliga, bei den C-Junioren vier, bei den A-Junioren wiederum sechs.

Als Eintracht Norderstedts Jugendkoordinator muss Ekkehard Bushe daher strategisch denken. Die U17-Spieler von heute sind die U19-Akteure von morgen – und im Optimalfall mittelfristig wichtige Kräfte bei den Herren. Das Bindeglied ist die Norderstedter A-Jugend (U19), deren Trainer Bushe ist. Die Auftaktbegegnung gegen den SV Nettelnburg-Allermöhe (15.30 Uhr) ist eine erste Standortbestimmung, mehr aber auch nicht.

„Wir haben in dieser Saison einen Kader von 27 Spielern, davon sind 24 neu dabei. Da mangelt es noch am taktischen Verständnis untereinander. Und es wird auch nicht an diesem Wochenende alles eingespielt sein“, sagt er. „Es ist anspruchsvoll für Trainer, in einer so großen Gruppe jeden Einzelnen zu erreichen. Die Jungs müssen uns verstehen – und zwar nicht nur akustisch.“

Fußball-Ikone Horst Hrubesch eröffnet die Junioren-Spielzeit

Die Saisoneröffnung soll aber nicht nur sportlich gelingen. Auch als Gastgeber möchte sich Eintracht Norderstedt präsentieren und die Besucher aus dem Norden unterhalten. Das Highlight: Mit Horst Hrubesch ist eine Fußball-Koryphäe zu Gast. In seiner Funktion als U21-Nationaltrainer betreute die HSV-Ikone unter anderem einst auch die Weltmeister Mesut Özil, Sami Khedira, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Manuel Neuer sowie Jerome Boateng. Hrubesch wird gemeinsam mit Thomas Hochmuth, dem 2. Vorsitzenden des Garstedter Fußballclubs, sowie Walter Fricke vom Nordeutschen Fußball-Verband die Saison um 12 Uhr mit einem symbolischen Anstoß starten.

Parallel wird eine Tombola veranstaltet. Unter anderem gibt es einen Fernseher und eine Waschmaschine zu gewinnen. Gastgeber Eintracht ist darüber hinaus mit vier Akteuren seiner Regionalliga-Herren vertreten – Johannes Höcker, Jan Kaetow, Philipp Koch und Jan Lüneburg sind vor Ort, sie geben den Nachwuchskickern Tipps oder stehen für Fotos zur Verfügung..