Norderstedt
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Das WM-Fieber steigt

Zwölf Rettungschwimmer der DLRG Norderstedt trainieren intensiv für die Welttitelkämpfe Mitte September

Norderstedt. Costa Kiesa, Tangstedt, 20 Uhr. Die Sonne geht dem Horizont entgegen, viele Badegäste traben in Richtung Parkplatz. Doch wer bleibt, wird in diesen Sommerwochen Augenzeuge sportlicher Höchstleistungen. Seite an Seite stehen Sonja Lindermann, Simona Mey und Lars Hein von der DLRG Norderstedt am Ufer des beliebten Badesees. Neben ihnen liegen akkurat aufgereiht jeweils drei Surfski, also Rettungskajaks, und dazu Rettungsboards. Auf Kommando sprintet das Trio in das warme Wasser, schwimmt in hohem Tempo bis zu einem vorher festgelegten Punkt in der Mitte des Sees – und dann wieder zurück bis zum Strand.

Es ist die erste Disziplin des „Ocean Man“, des Königswettbewerbs für Rettungsschwimmer. Nach der mehrere hundert Meter langen Schwimmdistanz muss die gleiche Strecke anschließend auf dem Board, und zwar in der Hocke mit den Armen paddelnd, absolviert werden. Die dritte Runde findet dann mit dem Surfski statt. Das anstrengende Training nach Feierabend – ein Großteil der Schwimmer ist berufstätig – hat zwei Hintergründe. Zum einen ist es eine Aufgabe der DLRG, Wache zu halten an Ausflugsstätten wie hier im Tangstedter Ortsteil Wilstedt, einem insbesondere am Wochenende enorm frequentierten Freizeitgebiet.

Wie wichtig die Retter sind, ist derzeit allgegenwärtig durch die vermehrt auftretenden Badeunfälle an der Ostsee. Damit die DLRG-Kräfte notfalls physisch in der Lage sind, sofort zu helfen, müssen sie fit sein und den Ernstfall regelmäßig simulieren.

Doch das ist nur eine Facette. Denn viele der Schwimmer sind leidenschaftliche Wettkämpfer. Über die Wintermonate sind es die Indoor-Veranstaltungen in den Hallen, im Sommer stehen die Freiwasser-Events an. Die sogenannten Trophys einerseits, dazu die nationalen Titelkämpfe – und alle zwei Jahre die Weltmeisterschaften.

Erstmals seit 2008, damals fand die WM in Warnemünde und Berlin statt, werden die Norderstedter beim Showdown der weltbesten Rettungssportlerwieder antreten. Mit Danny Wieck zählt zwar auch ein Deutscher zu den Stars, wirklich populär ist die Sportart allerdings nur in Ländern wie Australien, wo die WM im Fernsehen gezeigt wird, die Athleten sogar Profis sind.

Die besten Rettungsschwimmer der Welt sind ab Mitte September zu Gast im südfranzösischen Montpellier. Eine Herausforderung wird dies unter sportlichen Gesichtspunkten sein, denn das Mittelmeer ist mit einem Badesee naturgemäß nicht gleichzusetzen – die Wellen können mehrere Meter hoch schlagen, mit etwas Pech bevölkern sogar Quallen das Wettkampfgebiet, die Wasserströmungen sind nur schwer einzuschätzen.

Zudem ist es logistisch durchaus kompliziert, die Urlaubstermine von zwölf Schwimmern, dazu von Trainern und Betreuern, zu koordinieren. „Wir haben Berufstätige, aber auch Abiturienten, all das muss abgestimmt werden“, sagt Simona Mey. „Einige von uns waren schon 2008 dabei, für die meisten ist diese WM aber etwas Neues, der erste internationale Wettkampf.“ Klar ist, dass das Team mit dem vereinseigenen Bus sowie mit Autos nach Frankreich fahren wird. 20 Stunden wird der Trip mindestens dauern, längst wird kalkuliert, wie teuer die Maut-Gebühren auf der Strecke sein könnten.

Die WM unterteilt sich in Wettbewerbe für Nationalteams sowie Clubmannschaften. Die DLRG Norderstedt, einer von mehreren in Montpellier vertretenen Ortsverbänden aus Schleswig-Holstein, hat sich mit guten Resultaten seit Jahresbeginn für die jeweiligen Einzel- oder Staffeldisziplinen qualifizieren können. Zuletzt nahmen einige Schwimmer am DLRG-Cup in Warnemünde teil, Ende August findet ein Wettkampf in Eckernförde statt. Die Trainingssessions an der „Kiesa“ gehören sowieso zum wöchentlichen Plan, darüber hinaus wird das Schul- und Vereinsschwimmbad genutzt.

Noch sind die Rettungssportler zudem auf der Suche nach Sponsoren, die das Erlebnis WM ein wenig unterstützen möchten. Wer Interesse hat, kann sich bei Hauke Lahn, dem Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit, unter Telefon 0172/4372450 informieren.

www.rescue2014.fr, www.norderstedt.dlrg.de