Alveslohe

Peter Härtel stockt Medaillensammlung auf

Der Leezener gewinnt bei der Tischtennis-DM der Behinderten in Alveslohe Silber im Doppel der Altersklasse 60 bis 70 Jahre

Alveslohe. Ist für Tischtennisspieler Peter Härtel, 65, bei den Deutschen Meisterschaften der Behinderten schon alles aus? Im Vorrundenspiel gegen Günter Baltes aus dem Saarland liegt er mit 0:2 Sätzen zurück. Doch Härtel gibt sich nicht geschlagen, dreht in der Bürgerhalle in Alveslohe noch einmal auf und gewinnt die nächsten beiden Durchgänge.

Mit dem Sieg und dem Einzug ins Viertelfinale wird es trotzdem nichts. Im fünften und entscheidenden Satz hat sein Gegenüber am Ende die besseren Nerven, holt einen 2:8-Rückstand auf und besiegt den Leezener schließlich mit 11:9.

Der ist nach dem Match zunächst bedient und sagt selbstkritisch: „Dieses Spiel hätte ich gewinnen müssen.“ Doch sein Frust hält sich in Grenzen, denn im Doppel der Altersklasse 60 bis 70 hat sich Peter Härtel an der Seite von Jakob May aus Krefeld tags zuvor schon Platz zwei bei den Allgemeinbehinderten und damit seine vierte DM-Medaille in den letzten fünf Jahren gesichert.

Dass Härtel gehandicapt ist, sieht man ihm nicht an. Auch er selber wusste jahrelang nichts von einem körperlichen Defizit. Erst als er mit 18 Jahren seinen Führerschein machen wollte, merkte er beim vorgeschriebenen Sehtest, dass sein linkes Auge nicht so funktionierte, wie es sollte. Die Sehkraft war fast vollständig erloschen. „Mir ist aber vorher nie etwas aufgefallen“, sagt der frühere Maschinenbauer.

Trotz seines Sehfehlers, der in der Jugend offensichtlich durch eine nicht bemerkte Netzhautentzündung entstanden war, ist Peter Härtel seit seinem 16. Lebensjahr begeisterter Tischtennisspieler. Die schnelle Sportart fasziniert ihn, auch wenn er aufgrund seiner Behinderung ein wenig eingeschränkt ist. „Ich kann nicht räumlich sehen und so die Entfernung nicht einschätzen. Deshalb bin ich ein Abwehrspieler, der hauptsächlich auf die gegnerischen Schläge reagiert“, sagt Peter Härtel. Er übte seinen Lieblingssport stets bei den „Gesunden“ aus und wurde für den Leezener SC zweimal Vize-Kreismeister in der B-Klasse.

Erst vor fünf Jahren entschloss er sich, einen Spielerpass für den Behindertensport anzufordern, trat der BSG Neumünster bei und wurde in die Kategorie der Allgemeinbehinderten AB eingestuft. Hier bekommt es Peter Härtel mit Konkurrenten zu tun, die ganz unterschiedliche körperliche Gebrechen haben.

Was seinen jeweiligen Kontrahenten wie einschränkt, kann er oft auch nach mehrmaligem Hinsehen nicht erkennen. Dass der eine oder andere vielleicht sogar ein wenig schummelt und gar nicht gehandicapt ist, hält Peter Härtel für unwahrscheinlich. „Wir müssen uns alle von einer Kommission einstufen lassen. Tischtennisspieler sind zwar ehrgeizig, aber trotzdem faire Sportsleute.“

Der TuS Teutonia Alveslohe hatte schon 2009 die Deutschen Behindertenmeisterschaften ausgerichtet und sorgte auch bei der Wiederholung in der Bürgerhalle dafür, dass alles reibungslos über die Bühne ging. „Unser Verein ist in diesem Jahr 100 Jahre geworden. Wir haben schon 2011 die Zusage für die DM erhalten“, sagte Turnierleiter Jürgen Schröder, der gemeinsam mit Reto Schlüter in der Veranstaltungszentrale saß, die Auslosung vornahm, Zeitpläne erstellte und die Ergebnisse der Partien in den Computer eingab. „Die Halle ist für die Meisterschaften der Behinderten besonders gut geeignet, denn sie ist barrierefrei.“

Unterstützt wurde das Duo Schröder/Schlüter von Tischtennis-Abteilungsleiter Sönke Bauer, Oberschiedsrichterin Ulrike Balnojan und Helfern des TuS Alveslohe, die in der Halle und in der Cafeteria Hand anlegten.

Den Sanitätsdienst übernahm der KBA. Dessen Dienste musste auch Heinz Goetzke in Anspruch nehmen. Der 75 Jahre alte Tischtennis-Spartenchef des Leezener SC hatte sich vor der DM einen Muskelfaserriss im Hüftbereich zugezogen. Sein Ehrgeiz war dennoch ungebrochen. „Ich habe in den letzten Jahren immer eine Medaille gewonnen“, so der Unterschenkelamputierte. Bei den Titelkämpfen vor der Haustür machte sein Kreislauf allerdings nicht mit; Goetzke gab nach einigen Partien auf.