Norderstedt

Der Spanien-Import startet durch

Lolo Armario möchte sich bei Eintracht Norderstedt etablieren und auch für Proficlubs interessant machen. Sonntag spielen die Garstedter in Eichede

Norderstedt. 23 Jahre jung, spanisch, offensives Mittelfeld. Mehr müssen Fußballfans dieser Tage im Prinzip nicht wissen, um bereits mit der Zunge zu schnalzen. Das Land des amtierenden Welt- und Europameisters hat sich einen Namen gemacht für elegante, technisch und taktisch bestens geschulte Spieler, die selbst unter Druck kaum Fehler machen.

Xavi, Iniesta, Busquets. Das ist die Spitze, absolute Weltklasse. Doch auch in der Breite gibt es derartig viele, gut ausgebildete spanische Ballverteiler, dass längst nicht alle unterkommen in der Primera Division. So wie Manuel Jesus Armario Roso. Geboren im andalusischen Cadiz, besagte 23 Jahre jung, und bereits mit Zweitligaerfahrung in der heimischen Segunda Division. Für ihn ist Eintracht Norderstedt eine neue Chance, nachdem er zuvor bei Cadiz CF, Ecija Balompie sowie dem norwegischen Club Nest-Sotra IL unter Vertrag gestanden hatte.

Armario Roso, Spitzname Lolo, ist ein Beispiel dafür, wie global der Transfermarkt mittlerweile ist, aber auch, wie flexibel Talente sein müssen. „Ecija war der Unterbau des FC Sevilla. Dort habe ich oft mit der ersten Mannschaft trainiert, mit Spielern wie Jesus Navas, Diego Lopez oder Alvaro Negredo“, erzählt er. „Aber die wirtschaftliche Situation in Spanien ist nicht gut. Es war kein Geld mehr da für Ecija.“

Sein damaliges, anfängliches Glück: Nest-Sotra befand sich zu dieser Zeit – Frühjahr 2013 – zum Trainingslager in Spanien und hatte unter anderem gegen Ecija getestet. „Der norwegische Manager hat sich bei mir gemeldet und mir einen Vertrag angeboten. Das Angebot war gut, also habe ich entschieden, es anzunehmen.“

Nur: Wenige Monate später wiederholte sich die Geschichte. „Die Verantwortlichen von Nest-Sotra sagten mir, dass sie mich nicht mehr bezahlen können. Also konnte ich dort nicht mehr bleiben.“

Kurz vor Ende der Transferperiode unterschrieb Armario seinen Vertrag

Was nun? Es gab Kontakte in die Heimat, doch Armario gefielen die Optionen nicht. Aber da war ja noch seine Freundin Claudia, eine Hamburgerin. Vor etwas mehr als einem Jahr haben sich die beiden kennengelernt, als die BWL-Studentin für einen Auslandsaufenthalt in Spanien war. Das Paar hatte sogar schon überlegt, ob Claudia nach Norwegen ziehen könne, ehe Armarios dortiges Engagement ein Ende nahm. „Ich habe ihm dann gesagt: Wenn ich schon nicht zu dir komme, dann sollst du zu mir nach Hamburg ziehen“, so die Freundin.

Claudia kümmerte sich. Sie verschickte E-Mails an die wichtigsten norddeutschen Vereine – auch an Eintracht Norderstedt. Die Chancen standen zunächst schlecht, die Sommervorbereitungen liefen, die Kader waren voll. Doch als sich in Garstedt Jirdjanik Ghazaryan einen Kreuzbandriss zuzog, erinnerte sich Trainer Thomas Seeliger an Lolo Armario und rief dessen Freundin auf dem Handy an. „Kann er heute zum Training kommen“, war die Frage. Er kam, überzeugte und unterschrieb kurz darauf einen Vertrag bis Saisonende an der Ochsenzoller Straße.

„Coach Seeliger hat etwas in mir gesehen“, sagt Lolo Armario. „Norderstedt ist ein sehr guter Verein. Aber es ist nicht mein Ziel, nur in der Regionalliga zu spielen.“ Bisher kam er auf vier Einsätze – dreimal wurde er ein-, einmal ausgewechselt. Claudia fiebert bei den Heimspielen im Edmund-Plambeck-Stadion auf der Tribüne mit. „Ich schaue immer auf ihn, auch wenn er sich nur aufwärmt. Noch habe ich ihn aber nicht 90 Minuten spielen sehen. Ich hoffe, es kommt bald dazu.“

Vielleicht am Sonntag im Duell der Aufsteiger beim SV Eichede (15 Uhr, Ernst-Wagener-Stadion, Steinburg)? Thomas Seeliger wird Akteure benötigen, die eine Partie auch beruhigen können. Denn Eichede ist bekannt dafür, sich teilweise in einen Rausch zu steigern. „Die haben eine ähnliche Entwicklung wie wir gemacht und Dinge erreicht, die ihnen so nicht zugetraut wurden“, sagt Seeliger mit Blick auf den Nachbarn aus dem Kreis Stormarn. „Die Mannschaft scheint sehr eingeschworen zu sein. Ich sehe uns sogar nur als Außenseiter.“

Im Klassement ist Eichede nach elf Spieltagen in der Tat zumindest drei Punkte voraus. Sollte Norderstedt allerdings erstmalig auswärts gewinnen, wäre die Eintracht aufgrund der besseren Tordifferenz nicht nur vorbei an den Gastgebern, sondern damit automatisch in der oberen Tabellenhälfte.