Norderstedt

Eintracht gewinnt Abwehrschlacht

Regionalliga-Fußballer sind zu Hause eine Macht. Jürgen Tunjic trifft in der 85. Minute zum 2:1 gegen den SV Meppen

Norderstedt. Die Familie Tunjic konnte gar nicht genug bekommen. Die Regionalliga-Begegnung zwischen den Fußballern von Eintracht Norderstedt und des SV Meppen war längst abgepfiffen, als immer noch ein Angreifer mit der Nummer 17 auf dem Rücken im Strafraum reihenweise die Bälle versenkte. Luka, der Sohn von Eintracht-Oldie Jürgen, trug das Trikot seines Vaters stolz durch das Edmund-Plambeck-Stadion.

Der 38 Jahre alte Angreifer ist im Vergleich mit seinen allesamt jüngeren Teamkollegen quasi ein Veteran der Hamburger Amateurszene. Aber was der Vorsprung an Erfahrung ausmachen kann, bewies Jürgen Tunjic in der 85. Minute. „Ich weiß genau, was ich machen muss, wenn mein Mannschaftskollege Björn Nadler im Strafraum den Ball hat. Ich habe schon so oft solche Tore gemacht.“

Nicht einmal eine Viertelstunde auf dem Feld, schlich er sich in den Rücken der gegnerischen Innenverteidigung und bekam Nadlers Assist genau auf den rechten Fuß serviert. Der Rest war Formsache: Eintracht Norderstedt ging mit 2:1 (1:1) in Führung und verteidigte diesen knappen Vorsprung leidenschaftlich bis zur letzten Flanke, dem letzten Kopfballduell, dem letzten Zweikampf.

Auch im sechsten Heimspiel blieben die Garstedter ungeschlagen. Das von den rund 100, durchgehend lautstarken Gästefans per Banner ausgerufene „Imperium Meppia“ wurde abgewehrt. Dass dabei eine gehörige Portion im Glück mithalf, verhehlte allerdings kein Norderstedter.

„Wir wären auch mit einem 1:1 zufrieden gewesen“, sagte Tunjic, „Meppen hat gerade zwischen der 50. und 70. Minute richtig gedrückt. Aber sie haben eben das zweite Tor nicht gemacht.“

Obwohl die Emsländer durchaus zwei Treffer erzielten. Dazu zählt jedoch auch das Missgeschick von Rechtsverteidiger Sergej Schmik, der eine scharfe Rechtsflanke von Yayar Kunath etwas unbeholfen und bedrängt vom Norderstedter Jan Lüneburg an seinem eigenen Keeper Benjamin Gommert vorbei ins Netz bugsierte (24.). Genauso vermeidbar war der Ausgleich, als Meppens Alexander Hahn nach einem Eckstoß einen Abpraller verwertete (38.). Im Anschluss musste die Eintracht zweimal tief durchatmen, als Gästestürmer Max Kremer jeweils freistehend das 1:2 verpasste.

Kremer, der vor der Partie schon neun Saisontore auf dem Konto hatte, ließ auch noch weitere Großchancen aus. Die von Jürgen Tunjic erwähnte Drangphase überstanden die Norderstedter somit schadlos – anders als eine Woche zuvor in Rehden (1:2), als die entscheidenden Treffer Mitte des zweiten Durchgangs gefallen waren.

Es wird Trainer Thomas Seeliger freuen, dass sich seine Mannschaft durch die schwierigen Schlussminuten retten konnte. „Wir wussten, dass es schwer werden würde. Die Art und Weise, wie Meppen spielt, ist schon gut. Das sind Profis, wir sind Amateure und haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten gewehrt“, sagte der Coach und gestand: „Wir hatten glückliche Momente.“

Aber auch das „Glück des Tüchtigen“, wie es etwa Kapitän Philipp Koch anschließend beschwor. Mit Blick auf Jürgen Tunjic ging Thomas Seeliger noch einmal darauf ein, dass er Woche für Woche im Angriffszentrum einen Härtefall zu entscheiden hat. Denn auch Jan Lüneburg zeigt gute Leistungen und ist mit seiner körperlichen Präsenz wichtig. „Auf eine gewisse Weise tut mir Jürgen leid. Er hat alle Spiele gemacht, aber nur drei von Beginn an. Aber es spricht für seine Einstellung, wie er mit dem Frust umgeht.“

Der Matchwinner deutete für die kommenden Wochen weitere Treffer an. „Im Herbst bin ich immer stark. Vielleicht bekomme ich auch mehr Spielzeit. Ich kann in der Regionalliga mithalten.“

Wie auch die Eintracht, die nun auf den zehnten Tabellenrang vorgerückt ist und bereits vier Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hat.

Tore: 1:0 Sergej Schmik (24./Eigentor), 1:1 Alexander Hahn (38.), 2:1 Jürgen Tunjic (85.).Eintracht Norderstedt: Höcker – Heinemann, Eglseder, Mandic, Kummerfeld – Koch – Kunath (79. Armario Roso), Meyer, Nadler, Rose (46. Schneider) – Lüneburg (73. Tunjic). Zuschauer: 565.