Norderstedt

Die Spätzünder

Eintracht Norderstedt gleicht gegen FC St. Pauli II kurz vor Schluss zum 2:2 aus. Sonntag kommt Spitzenreiter Goslar

Norderstedt. Die Fußballer von Eintracht Norderstedt hatten Klärungsbedarf. „Kurz und laut“, so Innenverteidiger Marin Mandic, sei die Ansprache von Trainer Thomas Seeliger in der Halbzeitpause der Partie gegen die U23-Mannschaft des FC St. Pauli gewesen. Schließlich drohte die erste Heimniederlage in der Regionalliga Nord – dabei sollte das Edmund-Plambeck-Stadion doch zum Faustpfand werden für den Aufsteiger, zur uneinnehmbaren Bastion. Nicht aber, wenn die Maßnahmen zur Abwehr der Konkurrenz derartig lückenhaft sind wie im jüngsten Fall. Handgestoppte 59 Sekunden dauerte es, bis St. Pauli mit 1:0 führte, elf Minuten darauf stand es aus Sicht der Garstedter sogar 0:2.

Mittlerweile weiß man von der Eintracht jedoch, dass ihr Widerstand nicht so leicht zu brechen ist. Wirkungstreffer auf eigenem Platz hat es ja schon einige gegeben. Auch der SV Wilhelmshaven benötigte nur etwas mehr als eine Minute für seine Führung, der BV Cloppenburg hatte Norderstedt auf ähnliche Weise überrumpelt. Wer Ursachenforschung betreibt, trifft zunächst auf fragende Gesichter. „Ich weiß nicht, was da los war“, sagte Kapitän Philipp Koch. Marin Mandic konstatierte: „Die ersten Minuten haben wir total verpennt.“ Und Coach Seeliger sprach schlicht von einer „Katastrophe“.

Inklusive der Auswärtspartie zum Saisonstart in Havelse hat das Team fünf Gegentreffer in der Anfangsviertelstunde kassiert. So weit, so schlecht. Nur, und das ist der Grund, warum die Stimmung im Club dezent optimistisch bleibt, drei Tore in den Schlussminuten gegen Wilhelmshaven (1:1/89.), den Hamburger SV II (1:0/87.) sowie nun St. Pauli II (87.) waren bis jetzt bereits vier zusätzliche Zähler wert. Dazu kommt das 2:2 gegen Cloppenburg trotz zweimaligen Rückstandes. Das ist umgerechnet der Unterschied zwischen dem aktuellen 14. Tabellenrang und dem letzten Platz.

Im Falle der Nachholbegegnung mit dem Nachwuchs des Zweitligisten bewies sich vor der Rekordkulisse von 943 Zuschauern erneut, dass die Eintracht am besten zurechtkommt, wenn sie die Initiative ergreift. „In der ersten Halbzeit haben wir den Zugriff nicht gefunden, unser Pressing funktionierte nicht“, so Thomas Seeliger. „Nach der Pause haben wir besser vorgeschoben und mehr riskiert.“

Für Philipp Koch wäre in der 53. Minute Risiko indes die falsche Herangehensweise gewesen. Als Referee Patrick Schult (SC Osterbek) nach einem Zweikampf zwischen Yayar Kunath und dem Hamburger Lasse Schlüter auf Foulelfmeter entschied, schnappte sich der Mittelfeldorganisator den Ball, ging seelenruhig zum Punkt und verlud Keeper Alkan Tunca.

Die Quote stimmt somit weiterhin: Seitdem Koch für Strafstöße zuständig ist, hat er von 14 Versuchen alle 14 getroffen. Weswegen er hierfür regelmäßig gelobt wird, versteht der Serientäter allerdings nicht. „Es gibt doch keinen leichteren Weg, um ein Tor zu erzielen. Im Vergleich zur Oberliga Hamburg hat sich hier nichts geändert.“

Jan-Marc Schneider hat die fünfthöchste Klasse übersprungen – er wechselte vom Landesligisten SV Blankenese direkt in die Regionalliga. Dass die Findungsphase beim Linksaußen noch läuft, ist unübersehbar. Gelungene und unglückliche Aktionen hielten sich erneut die Waage; dies betraf aber fast alle Spieler. Coach Seeliger vertraute Schneider trotzdem. „Wir haben eine junge Truppe, die Fehler machen darf“, sagte er.

Am Sonntag geht’s um 14 Uhr gegen Tabellenführer Goslarer SC

Erst recht, wenn die Geduld zurückgezahlt wird. „Alles oder nichts“, dachte sich Jan-Marc Schneider in der 87. Minute, dribbelte in Schussposition und vollendete aus 20 Metern mit einem Schlenzer in den rechten Winkel zum 2:2-Endstand. „Den habe ich einfach perfekt getroffen“, sagte Schneider, „das funktioniert nicht immer so gut.“

Ob das auch auf die Comeback-Qualitäten des Teams zutrifft? Am Sonntag, 14 Uhr, gastiert der in sieben Partien noch ungeschlagene GoslarerSC als Tabellenführer im Edmund-Plambeck-Stadion an der Ochsenzoller Straße. Die Norderstedter Trainer und Spieler haben als erwiesene Spätzünder zumindest glaubhaft versichert, dass sie gerne auch selbst einmal das frühe 1:0 vorlegen würden.

Tore: 0:1, 0:2 Michael Gregoritsch (1./12.), 1:2 Philipp Koch (53./Foulelfmeter), 2:2 Jan-Marc Schneider (87.). Eintracht Norderstedt: Höcker – Heinemann, Eglseder, Mandic, Kummerfeld (80. Rose) – Koch – Kunath (72. Tunjic), Meyer, Nadler, Schneider – Lüneburg (88. Marxen). Zuschauer: 943.