Hartenholm

Volles Haus beim Geburtstagskick

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Ulrich Stückler und Laura Scheid

Über 2000 Fußballfans kommen zum Jubiläumsspiel des TuS Hartenholm gegen die Zweitligaprofis des FC St. Pauli.

Hartenholm. Patrick Petersen-Lund fühlte sich so, als würden Geburtstag und Weihnachten auf ein Datum fallen. Freudestrahlend schaute sich der Fußball-Abteilungsleiter des TuS Hartenholm im heimischen Stadion am Timm-Schott-Weg um. Dicht an dicht umringten die Fußballfans das Spielfeld. Alle wollten die Zweitligaprofis des FC St. Pauli sehen, der anlässlich des 100. Jubiläums des Dorfclubs ein Freundschaftsspiel beim Schleswig-Holstein-Ligisten bestritt.

"Wir haben im Vorverkauf über 1300 Karten abgesetzt, aber das hier sind mehr", sagte Petersen-Lund kurz vor dem Anpfiff, "das ist seit dem Jubiläumsspiel vor 25 Jahren gegen den HSV die größte Kulisse, die wir jemals hier hatten."

Der Fußballchef kennt sich aus. 2069 Zuschauer - allerdings nicht nur zahlende - ergabt die Zählung nach Spielschluss. "Damit sollten wir mit einer schwarzen Null aus diesem Event herausgehen", sagte Petersen-Lund, "auch wenn der FC St. Pauli nicht ganz so hoch im Kurs steht wie zum Beispiel der HSV oder andere Erstligisten, mussten wir eine hohe fünfstellige Summe als Antrittsgeld hinlegen. Aber die Hamburger haben sich bei der Terminfindung sehr flexibel gezeigt hat und waren uns jeden Euro wert."

Beliebt waren die Kiezkicker aber auch bei den Fans, die in Scharen an den Timm-Schott-Weg strömten - wenn auch mit unterschiedlicher Motivation. So verfolgte die E-Jugend-Kreisauswahl, die das Vorspiel gegen ihre Alterskameraden vom FC St. Pauli bestritten, gebannt die Partie.

Für die Henstedt-Ulzburgerin Yvonne Meyer war das Match ein Mittel zum Zweck. "Wir haben das Event genutzt, um mal wieder was mit unserer Verbandsliga-Frauenfußballmannschaft zu unternehmen. So ein Spiel wie hier gibt es ja nicht alle Tage."

Jens Röhl aus Hartenholm ging ganz neutral an die Partie heran: "Ich bin einfach Fußballfan, komme von hier und erwarte ein unterhaltsames Spiel und Spaß!" Das sah bei Stefan Schubert aus Henstedt-Ulzburg ganz anders aus: "Ich bin schon immer St.-Pauli-Fan gewesen, da muss ich hier dabei sein. Ich hoffe auf einige schöne Tore und auf jeden Fall auch eins vom TuS Hartenholm!"

Der letzte Wunsch von Schubert und zahlreichen Fans der Gastgeber erfüllte sich bei der standesgemäßen 0:9 (0:5)-Niederlage des Teams von Trainer Markus Weber nicht. Nach viertelstündiger Anlaufzeit lief die Angriffsmaschinerie der Paulianer auf Hochtouren.

Sebastian Maier eröffnet nach 16 Minuten auf Vorlage von Lennart Thy das Schützenfest. Die klar überlegenen Profis erspielten sich fortan Chance um Chance und demonstrierten den drei Klassen tiefer spielenden Hartenholmern, wie eine konsequente Verwertung von Einschussmöglichkeiten aussieht.

"Wir hatten in der ersten Viertelstunde wirklich Spaß, das hatte uns unser Coach ja auch auf den Weg in die Partie mitgegeben", sagte Hartenholms Tim Ollenschläger nach dem Schlusspfiff, "aber wie schnell und leicht nach dem 0:1 die Gegentore gefallen sind, das ärgert mich. Da hat sich das fortgesetzt, was uns zuletzt auch in der Schleswig-Holstein-Liga das Leben schwer gemacht hat."

Tim Ollenschläger vergibt die größte Hartenholmer Chance

Ein wenig haderte Ollenschläger mit sich selbst; er hatte in der 19. Minute die größte Torchance des TuS, setzte seinen Schuss aus knapp sieben Metern aber über das Tor und vergab so das 1:1. "Der Ball war aber auch nicht leicht zu nehmen, das war fast ein Dropkick", sagte er.

TuS-Coach Markus Weber nahm die Bemerkung des Angreifers in der anschließenden, von Kult-Fernsehreporter Rolf "Rollo" Fuhrmann (Sky) launig geführten Pressekonferenz, schmunzelnd auf. "Über diese Szene werden wir noch reden müssen", sagte Weber, "insgesamt freue ich mich, dass wir hier unter zehn Gegentoren geblieben sind und uns die Organisatoren und der FC St. Pauli als wirklich sympathischer Gegner dieses tolle Erlebnis beschert haben."

Gästecoach Michael Frontzeck erwiderte die Dankesworte gern. "Wir wollten schnell und mit kurzen Ballkontakten spielen, mit den neun Toren bin ich zufrieden."

Zufrieden sind auch die Verantwortlichen des TuS Hartenholm. So bleibt nur die Frage, wer 2038, beim 125. Jubiläum, der Gast sein soll - eine Steigerung wird nicht einfach...

Tore: 0:1 Maier (17.), 0:2 Verhoek (21.), 0:3 Thorandt (27.), 0:4 Thy (37.), 0:5 Verhoek (43.), 0:6, 0:7 Kulikas (47./57.), 0:8 Maier (69.), 0:9 Gre goritsch (78.).

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