Fußball

Das Jahr der Aufsteiger in Norderstedt

Neun von 13 Nominierten für unser Fußball-Allstar-Team haben in der abgelaufenen Saison 2012/2013 den Sprung in eine nächsthöhere Liga gefeiert.

Der Fußball in Norderstedt lebt. Dies veranschaulichte die Saison 2012/2013, als sowohl die Garstedter Eintracht als auch TuRa Harksheide in die Regionalliga Nord beziehungsweise in die Landesliga Hammonia aufstiegen. So war es für die Sportredaktion der Norderstedter Regionalausgabe des Abendblatts naheliegend, insgesamt sieben Akteure der beiden Teams in ihre Allstar-Mannschaft für die Rückrunde zu berufen. Und damit nicht genug: Auch die Herren des SC Ellerau sowie die Damen des SV Henstedt-Ulzburg feierten Titel und Aufstiege. Gemeinsam mit dem TuS Hartenholm und dem SV Todesfelde komplettieren sie die 13 Nominierungen.

TOR

Johannes Höcker (Eintracht Norderstedt/28 Jahre): Als der Bayer einst beim Hamburger SV in der U23-Mannschaft zwischen den Pfosten stand, beschied der damalige Sportchef Dietmar Beiersdorfer dem Schlussmann, er sei mit 1,83 Metern zu klein für den Profifußball. Vielleicht hätte ein anderer Funktionär auch eine andere Meinung gehabt, und Höcker wäre längst Dritt- oder Zweitligakeeper. Die Veranlagung dafür hat der Tourismus- und Freizeitkaufmann fraglos. Nie hat die Eintracht einen stärkeren Rückhalt gehabt. Seine Qualität könnte in der Regionalliga den Unterscheid ausmachen.

ABWEHR

Arkadius Kazmierczak (TuRa Harksheide/27): Der Linksverteidiger wartete beim Neuaufbau des Bezirksliga-Teams des TuRa Harksheide von Beginn an mit guten Leistungen auf. Dabei hatte Kazmierczaks Zeit im Dress der Elf vom Exerzierplatz einen durchwachsenen Anfang genommen. Sein verschossener Strafstoß im Elfmeterschießen gegen den damaligen Landesligisten SC Poppenbüttel in der ersten Runde des Oddset-Pokals bedeutete das frühe Cup-Aus für Harksheide. Aber schon in der damaligen Partie attestierte Coach Marcus Fürstenberg seinem Schützling die Bestnote aller Spieler. An diesem Urteil hielt der Trainer auch mit Blick auf die komplette Spielzeit fest.

Mike Eglseder (Eintracht Norderstedt/20): Auf dem gebürtigen Brunsbütteler lastete eine große Verantwortung. Als Norderstedts Coach Thomas Seeliger für das letzte Saisondrittel auf eine Dreier-Abwehrkette umstellte, avancierte Eglseder zum zentralen Mann der Defensive. Auch in der Aufstiegsrunde lag es am ehemaligen St.- Pauli-Akteur, die Verteidigung zu organisieren. Dies funktionierte in den wichtigsten Partien der Vereinsgeschichte tadellos: Sowohl gegen Lupo-Martini Wolfsburg (1:0) als auch gegen den Brinkumer SV (4:0) ließen Eglseder und seine Nebenleute kaum eine Chance zu und legten somit die Basis für den Sprung in die vierte Liga.

Nadja Schubring (SV Henstedt-Ulzburg/22): Die Defensivspezialistin kam im Mai 2011 von der SG Rönnau/Daldorf zum neuen Meister der Schleswig-Holstein-Liga und Aufsteiger in die Regionalliga. Sie ist seitdem mit Nebenfrau Jennifer Torba kaum aus der Innenverteidigung des SVHU wegzudenken. Das Team von Coach Jan Siemers blieb in 22 Punktspielen ungeschlagen und kassierte auch dank Nadja Schubring nur zwölf Gegentore. Jan Siemers: "Sie hat sich sehr weiterentwickelt, spielt sichere Pässe, hat gute Übersicht und ist für unser Aufbauspiel wertvoll. Sie hat nicht zu unrecht die meisten Spielminuten in dieser Saison angesammelt."

Sören Gelbrecht (SV Todesfelde/23): Die Fans an der Dorfstraße werden diese treue Seele des Clubs vermissen. Genannt "Schnitzel" wegen seiner schmächtigen Statur, hat Gelbrecht nie für einen anderen Verein als Todesfelde eine Partie im Herrenbereich bestritten. Nur: Die Qualität des verlässlichen, technisch beschlagenen Außenverteidigers ist offenbar sogar in den USA bekannt. Der Segeberger zieht im Juli nach Kalifornien, wird dort studieren und parallel in der College-Liga NJCAA spielen. Klappt es mit dem erhofften Stipendium, dürfte es einige Jahre dauern, ehe Sören Gelbrecht wieder das Trikot seines SVT in der Schleswig-Holstein-Liga tragen wird.

MITTELFELD

Linus Meyer (Eintracht Norderstedt/21): Die Verantwortlichen an der Ochsenzoller Straße ließen keine Zeit verstreichen. Anfang des Jahres buhlten sie um die Zusage ihres Spielmachers für eine Vertragsverlängerung. Und Meyer, der längst von auswärtigen Clubs beobachtet wird, bekannte sich zur Eintracht und unterschrieb einen Kontrakt bis Sommer 2015. Entweder als "Zehner" oder als hängende Spitze ist das Eigengewächs ein unverzichtbares Bindeglied in der Offensive. In der Summe war Linus Meyer an mehr als 20 Toren des Teams beteiligt.

Philipp Koch (Eintracht Norderstedt/22): "Der spielt nur, weil er der Sohn des Präsidenten ist", hieß es lange Zeit über den zentralen Mittelfeldspieler. Diese sowieso unfaire Bewertung ist den Kritikern mittlerweile im Halse stecken geblieben. Koch ist unverzichtbar als Fixpunkt im Team, strahlt als neuer Kapitän Selbstbewusstsein aus und hat durch Zusatzschichten im Kraftraum längst die für seine Position nötige Robustheit erlangt. Dazu kommt eine beinahe schon unheimliche Quote vom Elfmeterpunkt: 13-mal trat Philipp Koch in Oberliga und Aufstiegsrunde an, 13-mal verwandelte er sicher.

Martin Genz (TuS Hartenholm/26): Der Kapitän des Aufsteigers steht stellvertretend dafür, wie sich die Mannschaft in der Schleswig-Holstein-Liga nach einiger Anlaufzeit zurechtgefunden hat. Genz spielt schnörkellos und schreckt vor keinem harten Zweikampf zurück. Seine Kommandos sind eminent wichtig in einem Team, dass nicht viele "Lautsprecher" zu bieten hat. "Martin ist immer vorangegangen. Auf dem Platz ist er ein Leitwolf und auch außerhalb identifiziert er sich mit dem Verein", sagt sein Trainer Markus Weber.

ANGRIFF

Janosch Rinckens (SC Ellerau/22): 1,57 Tore hat Rinckens in der vergangenen Saison für den SC Ellerau pro Spiel erzielt - eine Quote, von der viele Stürmer nur träumen können. Mit 41 Treffern gewann er die Torjägerliste der Staffel 8 in der Kreisliga Hamburg in deutlicher Manier - Platz zwei und drei gingen mit 24 beziehungsweise 22 Treffern an Salih Bozkurt (SC Pinneberg) sowie an Rinckens' Teamkameraden Jan Buck. Eigentlich hat Janosch Rinckens, der in Wedel Wirtschaftsingenieurswesen studiert, sogar 43-mal eingenetzt, aber da zwei Vereine ihre Teams im Laufe der Saison abmeldeten, wurden auch die Treffer wieder aberkannt. Janosch Rinckens hat dennoch fast die Hälfte aller 88 Ellerauer Tore erzielt und damit natürlich entscheidend zum Aufstieg in die Bezirksliga West beigetragen.

Morten Liebert (TuS Hartenholm/20): Der einstige Juniorenspieler der SG Trave 06 hat es nicht leicht in der Schleswig-Holstein-Liga. Im System des TuS ist Liebert die einzige zentrale Spitze und hat daher meist mehrere Verteidiger gegen sich. Doch die Bilanz stimmte - mit elf Saisontreffern war er der erfolgreichste Hartenholmer Offensivspieler. Sein Anteil am Klassenerhalt ist entsprechend groß. Coach Markus Weber: "Morten hat eine tolle Entwicklung genommen. Er macht vorne die Bälle fest, liefert dazu ein hohes Laufpensum."

Marcel Boldt (TuRa Harksheide/25): Zu Saisonbeginn plagte sich der Flügelstürmer mit zahlreichen Blessuren herum, nach der Winterpause war er aber Inbegriff für den Aufwärtstrend bei Tu Ra Harksheide. Die positive Entwicklung gipfelte schließlich im Aufstieg in die Landesliga. Dazu hatte Boldt mit zehn Treffern und zahlreichen Torvorlagen nicht unerheblich beigetragen. Er gehörte zu einem acht Spieler starken Paket, das gemeinsam mit Trainer Marcus Fürstenberg vor der abgelaufenen Saison vom Bramfelder SV an den Exerzierplatz gewechselt war.

AUFSTEIGER DER RÜCKRUNDE

Marc Jäger (TuS Hartenholm/21): Die jahrelange Suche nach der optimalen Besetzung für die beiden Außenverteidigerpositionen nahm in der Rückrunde ein erfreuliches Ende. Erst als Notlösung gesehen, entpuppte sich das Experiment mit Marc Jäger (links) und Alexander Meyerfeldt (rechts) als Glücksgriff. Dabei war Jäger beispielsweise eigentlich vor zwei Jahren als offensiver Mittelfeldakteur verpflichtet worden. "Marc hat sich von einem Fußballer ohne Zweikampfverhalten zu einer richtigen Kampfsau entwickelt", lobt Trainer Markus Weber.

DAUER(B)RENNER

Jürgen Tunjic (Eintracht Norderstedt/38): Der Altmeister ist auch nach 20 Jahren Herrenfußball ein Phänomen. Er habe Fitnesswerte wie ein 28-Jähriger, heißt es aus dem Trainerstab der Eintracht anerkennend. Im Strafraum machte ihm in der Oberliga Hamburg kaum jemand etwas vor - Tunjic war 21-mal erfolgreich und verpasste die Torjägerkrone im Duell mit seinem Konkurrenten und künftigen Teamkollegen Jan Lüneburg (FC Elmshorn) nur um einen Treffer. Es wird spannend anzusehen ein, ob sich der Kroate auch in der Regionalliga ähnlich in Szene setzen kann.

Fotos: Anne Pamperin (11), Ulrich Stückler, TuRa Harksheide.

Montage: Heike Kiesel.