Norderstedt

Vier Zehntelsekunden zu langsam

Der Garstedter Springreiter Carsten-Otto Nagel wird mit Corradina Deutscher Vizemeister

Norderstedt . Das Lächeln fiel Springreiter Carsten-Otto Nagel bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft in Balve sichtlich schwer. Ganze vier Zehntelsekunden fehlten dem 50 Jahre alten Garstedter, um sich nach 1999 zum zweiten Mal den Titel in der Herrenkonkurrenz zu sichern.

Der Erfolg war zum Greifen nah gewesen; Schimmelstute Corradina hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck und blieb in allen vier Umläufen fehlerfrei. Auch im abschließenden Stechen zeigten Pferd und Reiter keine Nerven und überquerten gemeinsam alle Hindernisse ohne größere Probleme.

Carsten-Otto Nagel, der sich mit Corradina bei den Europameisterschaften 2011 in Barcelona Mannschafts-Gold und die Silbermedaille im Einzelwettbewerb gesichert hatte, benötigte für den Ritt durch den Parcours 40,79 Sekunden. Der Sieger - Daniel Deußer (RFV Kirberg) - war einen Hauch schneller und triumphierte auf Cornet D'Amour in beeindruckender Manier.

Cornet D'Amour, der dem belgischen Ausbildungs- und Handelsstall Stephex Stables gehört, gilt unter Experten als eines der talentiertesten Springpferde überhaupt. Kein Wunder also, dass sich Deußer und der in Westfalen gezogene Hengst in der Weltrangliste unaufhaltsam nach oben schieben.

Wie mühelos der Schimmel selbst die mächtigsten Hindernisse überquert, bewies er schon in der ersten Wertungsprüfung. Carsten-Otto Nagel: "Die beiden sind zurzeit wohl das beste und konstanteste deutsche Paar. Nichtsdestotrotz hätte ich gerne gewonnen. Ich hatte im Stechen ein gutes Gefühl und war mir sicher, dass ich schnell genug bin. Dass es nicht gereicht hat, ist schon bitter, denn so eine DM ist ja schon etwas Besonderes."

Der Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille steht aber auch das - mindestens genauso starke - gute Gefühl gegenüber, dass die 15 Jahre alte Holsteiner Stute Corradina wieder an ihre alte Form anknüpft. Im vergangenen Jahr musste sie wegen gesundheitlicher Probleme monatelang pausieren.

"Wenn man ihre Geschichte kennt, ist die Leistung in Balve bemerkenswert", sagte Carsten-Otto Nagel, der sein Paradepferd im Stall Moorhof behutsam wieder aufgebaut hat und in sein Trainingsprogramm stets ausreichend Zeit für Erholungspausen zwischen den Turnieren einbaut.

Die nächste Herausforderung für Nagel und Corradina ist schon in Sichtweite. "Jetzt ist erst einmal drei Wochen Regeneration angesagt. Dann geht es zum Weltfest des Pferdesports nach Aachen. Da wollen wir einen guten Eindruck hinterlassen. Dass die Messlatte für uns hoch liegt, weiß ich natürlich."

Bei dem internationalen Reitspektakel, das vom 21. bis 30. Juni stattfindet, will der gebürtige Marner nicht nur in der Einzelkonkurrenz, sondern auch im Teamwettbewerb starten. Ob er von Bundestrainer Otto Becker für die deutsche Equipe nominiert wird, steht noch nicht fest: Nagel: "Die Mannschaftsaufstellung wird in den kommenden Tagen bekannt gegeben.