Schmalfeld

SV Todesfelde holt den Kreispokal

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Christopher Herbst und Martin Oster

Oliver Zebold und Sebastian Bruhn machen den 2:1-Erfolg der Schleswig-Holstein-Liga-Fußballer gegen Titelverteidiger SV Henstedt-Ulzburg perfekt.

Schmalfeld. Momente wie diese bleiben Fußballern ein Leben lang in Erinnerung. Gerade dann, wenn sie in der Regel zu den weniger beachteten Figuren auf dem Feld gehören. Doch das Kreispokal-Finale in Schmalfeld zwischen den beiden Schleswig-Hostein-Liga-Vereinen SV Henstedt-Ulzburg und SV Todesfelde wird als die Partie in die regionale Sporthistorie eingehen, die ein gewisser Sebastian Bruhn entschieden hat.

Noch vor ein paar Monaten wäre es vielleicht nicht soweit gekommen. Der 21 Jahre alte zentrale Mittelfeldakteur des SVT hatte zwar vor Anpfiff der Begegnung mit dem Rivalen vom Rhen 22 Einsätze in Liga und Cup absolviert, doch nur fünf über die volle Distanz und 13 als Einwechselspieler. "Als Joker habe ich mich schwer getan. Ich konnte nicht immer gleich bei 100 Prozent sein, als ich von der Bank gekommen bin", sagte Bruhn. Doch in den vergangenen Wochen profitierte er davon, dass die Mannschaft nach der Winterpause überhaupt nicht in Schwung kam und sich Misserfolg an Misserfolg reihte. Trainer Sascha Sievers reagierte daraufhin und nahm personelle Änderungen vor. Sebastian Bruhn - ausgebildet in der Jugend der SG Trave und 2012 vom SV Schackendorf nach Todesfelde gewechselt - steht seitdem stets in der Startelf und trat im Pokalfinale schließlich als unverhoffter Siegtorschütze in Erscheinung. Die Entstehung des Treffers zum 2:1 in der 53. Minute liest sich simpel, ausschlaggebend war aber fraglos Bruhns schnelle Reaktion.

"Der Ball kam von Rene Lübcke über die rechte Seite, lag dann frei am kurzen Pfosten - und ich habe ihn reingemacht", sagte er. Den Triumph im Kreispokal hatten die Todesfelder übrigens schon im vergangenen Sommer vor dem Saisonstart auf die Agenda gesetzt. "Das hatten wir uns fest vorgenommen", so Sebastian Bruhn.

Er verwies darauf, dass ein Gros des Teams bisher noch titellos gewesen sei. "Wir haben darüber vor dem Finale gesprochen. Es ist für mich der allererste Pokal." Zum Vergleich: Als der Club 2010 letztmalig mit einem 4:2-Erfolg über den SV Henstedt-Ulzburg den Wettbewerb gewann, standen vom nun nominierten Aufgebot nur noch vier Kicker auf dem Feld: Sören Gelbrecht, Sven Haldau, Dominik Lembke und Rene Lübcke.

Der heutige Chefcoach Sascha Sievers war vor drei Jahren als Assistent von Thomas Möller bereits dabei. Der zweite Erfolg im Cupwettbewerb dürfte ihm gleichwohl besser schmecken - nicht nur wegen der Bierdusche nach dem Abpfiff. "Ein Pokal fühlt sich anders an als drei Punkte in der Liga. Man hat etwas zum Anfassen", so Sievers. Ob Matchwinner Bruhn diese Aussage wörtlich nahm, ist nicht überliefert. Den Segen des Trainers bekam er jedenfalls. "Wenn er will, kann Sebastian den Pott gerne mit nach Hause ins Bett nehmen."

Derweil machten sich die Spieler des SV Henstedt-Ulzburg mit leeren Händen auf die Heimfahrt. Der Rückenwind für den Abstiegskampf in der Schleswig-Holstein-Liga, den sich der SVHU mit dem Pokalsieg verschaffen wollte, blieb aus. Sinnbild für die angespannte Situation beim SVHU war das Comeback von Sven Barth. Nach fünf Jahren stand der 32-Jährige erstmals wieder im Tor der Henstedt-Ulzburger, während Stammkeeper Vincent Driessen auf der Ersatzbank saß.

Trainer Jens Martens begründete die Maßnahme damit, dass Driessen der einzig verfügbare Schlussmann für das eminent wichtige Punktspiel gegen Tu Ra Meldorf (Dienstag, 19 Uhr, Schäferkampsweg) ist. "Wenn sich Vincent hier verletzt, haben wir ein Problem", sagte der Coach. Bemerkenswert: Barth war schon der siebte Torhüter, der in der laufenden Saison im SVHU-Trikot zum Einsatz kam.

Schiedsrichter Henning Deeg erkennt das 2:2 in der Nachspielzeit nicht an

Die Leistungsträger Jannick Martens, Etibar Schachmardanov und Malcolm Schauer wurden zunächst ebenfalls geschont und erst nach der Pause eingewechselt. Sie sorgten dann aber für mehr Schwung im Angriffsspiel des Titelverteidigers und hatten in der 85. und 92. Minute den Ausgleichstreffer auf dem Fuß. Während Schauer noch am glänzend aufgelegten SVT-Keeper Julian Barkmann scheiterte, wurde Martens Tor in der Nachspielzeit sehr zum Unmut seines Vaters die Anerkennung verweigert. Schiedsrichter Henning Deeg (TuS Hartenholm) hatte zuvor ein Foulspiel gesehen.

"Ich bin total angefressen, da waren einige Entscheidungen des Unparteiischen dabei, die so nicht hätten fallen dürfen", schimpfte Jens Martens nach dem Schlusspfiff.

Tore: 1:0 Schwarzwald (9.), 1:1 Zebold (44.), 1:2 Bruhn (53.). SV Henstedt-Ulzburg: Barth - Straube, Geertz, Hermberg (73. Schachmardanov), Tiedemann - Wittke (57. Martens), Schultz, Niedermeyer, Kabashi (59. Schauer) - Schwarzwald, Hallé. SV Todesfelde: Barkmann - Gelbrecht, Haldau, Lembke, Fröhlich - Jürgensen, Bernoth (83. Peters), Bruhn - Zebold (90. Hamann), Lübcke (68. Testa) - Studt.

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