Handball

Der HG Norderstedt gehen die Spieler aus

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Ulrich Stückler

Bitter: Die Oberliga-Handballer verlieren mit Tobias Schadendorf beim 22:34 gegen Ellerbek schon ihren dritten Rückraum-Akteur.

Norderstedt. "Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben!" Es fehlt wohl nicht mehr viel, dass Andreas Rastner, Trainer der Oberliga-Handballer der HG Norderstedt, stellvertretend für sein Team eine Verschwörungstheorie entwickelt. Kein Wunder, wenn man die Ereignisse vor und während der 22:34 (8:15)-Heimklatsche gegen den TSV Ellerbek betrachtet.

Der durch die Verletzungen von Thiago Santos (Muskelfaserriss im Oberschenkel) und Lennart Risch (Leisten-Operation) eh schon ausgedünnte Norderstedter Rückraum ist abermals geschwächt worden.

In der Partie gegen den schwächelnden Lokalrivalen (nur zwei Siege aus den vorangegangenen neun Partien) sind knapp 20 Minuten gespielt. Die Gäste haben soeben drei Fehlwürfe und einen Ballverlust der Hausherren dazu genutzt, um sich von 6:6 auf 10:6 abzusetzen, als das nächste Unglück über die HGN hereinbricht. Nach dem Treffer von TSV-Kreisläufer Niklas Weller bleibt Tobias Schadendorf auf dem Hallenboden liegen und hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den linken Fuß. Was alle auf der Tribüne schon ahnen, bestätigt sich im weiteren Spielverlauf: Der 25 Jahre alte HGN-Akteur läuft für den Rest der Partie nicht mehr auf.

"Das ist so ärgerlich. Jedesmal, wenn ich gerade wieder richtig reingefunden habe, kommt eine neue Verletzung und wirft mich zurück", sagte der genervte Rückraumschütze und Abwehrspezialist nach der Partie, während Physiotherapeut Michael Müller einen Tapeverband am dick geschwollenen linken Knöchel anbrachte.

Ob die Partie ohne die Verletzung anders für die HGN verlaufen wäre, sei dahingestellt. Fakt ist: Von einem Defensivverbund war nach Schadendorfs Ausfall keine Rede mehr. Ein Aufbäumen, Kampf um jeden Ball, kompromisslose Aktionen in Abwehr wie Angriff bekamen die knapp 150 Zuschauer nur von den Gästen zu sehen.

Zwar hatten sich die HGN-Männer in der Kabine noch einmal eingeschworen, waren hoch motiviert in die zweite Halbzeit gestartet - doch es blieb bei einem fünfminütigen Strohfeuer. Eine misslungene Aktion am eigenen Kreis, die zum Ballverlust führte, war genug, damit sich die Spieler in gegenseitigen Schuldzuweisungen verzettelten, anstatt sich an eine Aufholjagd zu machen.

Diese war wohl ohnehin zum Scheitern verurteilt, da die HGN fortan bestens für die Gäste auszurechnen war. Schließlich standen Andreas Rastner im Rückraum nur noch Lukas Elandt, Andreas Butzmann und der nach seiner Fußgelenksverletzung noch nicht voll wiederhergestellte Heiko Peters zur Verfügung. Letzterer erkämpfte sich dabei durch seinen unermüdlichen Einsatz unter sichtlichen Schmerzen noch den größten Respekt.

"In unserer Situation wäre es so wichtig, dass wir wenigstens im Training unter optimalen Bedingungen an unseren Schwächen arbeiten können. Aber aufgrund unserer verletzungsbedingten Ausfälle schaffen wir es nie, mit sechs gegen sechs zu spielen", sagte Andreas Rastner, "und selbst die Variante fünf gegen fünf klappt nur dann vernünftig, wenn ich bei den Übungseinheiten selber mitmache."

Womit der Coach bei einem interessanten, aus der Not heraus geborenen Gedankenspiel wäre: "Ich bin am Überlegen, ob ich auf meine alten Tage noch einmal unvernünftig werde und meinen Spielerpass zur Freigabe beim Verband einreiche. Dann könnte ich die Oberliga-Partien auch auf dem Feld bestreiten", sagte der 44 Jahre alte Rastner, der als Kreisläufer 428 Partien in der Handball-Bundesliga bestritten hat, "ich habe zwar elendiglich lange nicht mehr gespielt, doch ich könnte so vielleicht den anderen Akteuren eine Verschnaufpause verschaffen." Not macht halt erfinderisch...

Spielverlauf: 1:2, 3:2 (6.), 4:3, 4:6 (11.), 6:6 (14.), 6:12 (23.), 7:14 (26.), 8:15 - 11:16 (34.), 11:19 (38.), 13:22, 16:24 (45.), 18:28 (53.), 18:30, 21:32, 22:34.

Tore der HG Norderstedt: Heiko Peters und Christian Schulz (je 4), Andreas Butzmann (4/davon 1 Siebenmeter), Jan Beermann und Eike Wertz (je 3), Tobias Schadendorf (2) und Ole Werner (1).

Tabelle: 1. HSV-Handball II 30:6 Punkte/585:504 Tore, 2. THW Kiel II 28:6/554:479; 3. DHK Flensborg 26:8/532:468..., 8. FC St. Pauli 16:20/487:488, 9. Preetzer TSV 15:21/519:542, 10. SG Wift 14:18/449:465, 11. HSG Hohn/Elsdorf 13:21/475:500, 12. MTV Herzhorn 11:25/479:524, 13. HG Norderstedt 7:29/478:538, 14. HG Ham burg-Barmbek 6:30/502:545.

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