Norderstedt
Handball: Dramatisches Finale in der Oberliga

Wie der NSV den Sprung in die Oberliga Schleswig-Holstein/Hamburg schaffte

Nur knapp eine Woche ist es her, dass die Oberliga-Handballer der HG Norderstedt den Norderstedter SV mit 29:23 verdient niederkämpften und sich auf den dritten Tabellenplatz verbesserten.

Norderstedt. Für die HGN eine ideale Ausgangslage, um durch ein Remis im Saisonfinale beim Ahrensburger TSV unter den ersten vier Teams zu landen und so einen Platz in der künftigen Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein zu ergattern. Doch Ergebnisse sind nicht planbar; der Traum der HGN - und damit das Minimalziel für diese Serie - ist durch die 28:29 (11:13)-Pleite beim ATSV geplatzt.

Stattdessen steht nun Rang sechs zu Buche, weil die Verfolger am Team von Trainer Markus Ginckel vorbeizogen. Der TuS Esingen besiegte die zweite Mannschaft des HSV-Handball und machte die SG Hamburg-Nord zum Meister; die HG Hamburg-Barmbek setzte sich klar gegen den TV Fischbek durch.

Die HGN benötigt nun doppelte Schützenhilfe, um doch noch in die vierthöchste deutsche Spielklasse zu gelangen. Meister SG Hamburg-Nord muss im Duell mit dem SV Henstedt-Ulzburg den Sprung in die 3. Liga schaffen, Regionalliga-Klub TSV Ellerbek die Klasse halten. Aber die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist gering.

Um derartige Rechenspiele müssen sich die Männer des Norderstedter SV nicht mehr kümmern. Die Mannschaft von Coach Marcus Schwarzer setzte sich nach einer Galavorstellung gegen einen überforderten SC Alstertal-Langenhorn mit 37:22 (18:8) durch, holte sich den dritten Tabellenplatz nach nur einer Woche von der HGN zurück - und bleibt viertklassig.

"In der letzten Woche hat die Mannschaft im Training gebrannt, alle haben voll mitgezogen und tollen Einsatz gezeigt", sagte NSV-Coach Schwarzer, "und direkt vor dem Spiel in der Kabine war die Stimmung so gut, dass ich mir kaum noch Sorgen machen musste."

Aber warum auch? Mittelmann Henning Scholz führte fein Regie, seine Nebenmänner Tobias Schadendorf und Benjamin Etzdorf zeigten sich frisch und in Wurflaune, Routinier Ingo Ahrens bewies von der Rechtsaußenposition seine Torgefährlichkeit - und Christoph Stukenbrock bewies einmal mehr, was für ein effizienter Kreisläufer er ist. Da sich mit Matthias Matuch sowie Thies Harms in seinem letzten Spiel für den NSV (er beginnt eine Ausbildung zum Berufspiloten) auch noch beide Keeper in guter Form präsentierten, blieb für die Gäste nur noch die Statistenrolle.

Diese spielte in Ahrensburg auch die HG Norderstedt während der ersten 40 Minuten. Zaghafte Angriffe und eine Abwehr ohne Biss ermöglichten den Gastgebern, denen mit Christoph Palder und Roman Judycki sogar noch der Haupttorschütze und der Spielertrainer fehlten, immer wieder einfache Treffer.

Beim Stand von 20:13 (39.) riss Coach Ginckel der Geduldsfaden; er rief in einer Auszeit seine Männer lautstark zur Ordnung. Der Weckruf zeigte Wirkung. Nun kämpfte die HGN; besonders die Routiniers Dennis von Seelen, Thiemo Fraatz und Timm Conring versuchten, das Ruder noch herumzureißen und schafften sogar den Ausgleich. Aber in der hektischen Schlussphase fehlte das nötige Quäntchen Glück.

"Wir hatten unser Schicksal in der Hand, waren aber irgendwie alle verkrampft und haben unsere Chance nicht genutzt", sagte Timm Conring, "doch egal, in welcher Liga es nun weitergeht: Ich bleibe, schließlich habe ich den Misserfolg mit zu verantworten und lasse jetzt den Verein nicht im Stich."

Während bei der HG Norderstedt nun also einige Gespräche über die Zukunft des Teams folgen dürften, ist beim Norderstedter SV Feierstimmung angesagt: "Wir haben im Gegensatz zum Derby endlich wieder Emotionen gezeigt und uns den Platz in der neuen Oberliga verdient", sagte Christoph Stukenbrock.

Statistik

Ahrensburger TSV - HG Norderstedt 29:28 (13:11). Spielverlauf: 2:3, 6:3 (7.), 8:5, 11:8 (23.), 12:11, 13:11 - 15:11, 15:12, 18:12 (37.), 20:13 (39.), 20:17, 22:17, 22:19 (47.), 24:20, 24:22, 25:24 (55.), 28:26, 28:28 (60.), 29:28. Die Tore der HG Norderstedt: Timm Conring (8/3 Siebenmeter), Johannes Laskawy, Thiemo Fraatz und Dennis von Seelen (je 4), David Caballero, Jan Beermann und Hagen Kröger (je 2), Ole Werner und Eike Wertz (je 1).

Norderstedter SV - SC Alstertal-Langenhorn 37:22 (18:8). Spielverlauf: 0:2, 4:2 (7.), 4:4, 6:5, 10:5 (16.), 14:8, 18:8 - 23:9 (37.), 27:14 (45.), 31:17 (50.), 37:22. Die Tore des Norderstedter SV: Henning Scholz (9/2), Christoph Stukenbrock (8), Tobias Schadendorf und Ingo Ahrens (je 5), Benjamin Etzdorf (3), Oliver Kloster und Julian Uwiss (je 2), Mark Fentner, Simon Drosdatis und Sören Banse (je 1).

Tabelle: 1. SG Hamburg-Nord 35:9 Punkte/Tordifferenz + 136 , 2. HSV-Handball II 35:9/+ 118, 3. Norderstedter SV 31:13, 4. HG Hamburg-Barmbek 30:14/direkter Vergleich 5:3 Punkte, 5. SG Hamburg-Nord 30:14/4:4, 6. HG Norderstedt 30:14/3:5, 7. AMTV Hamburg 19:25, 8. Ahrensburger TSV 18:26, 9. SC Alstertal-Langenhorn 13:31, 10. Niendorfer TSV 11:33, 11. TV Fischbek 6:38, 12. Barmstedter MTV 6:38.