Kreis Segeberg. Internet-Portale zur Wohnungssuche malen ein verzerrtes Bild des Wohnungsmarktes, sagt VNW-Chef Andreas Breitner.

Wer in Norddeutschland eine bezahlbare Wohnung sucht, kennt das: Man klappert die gängigen Internet-Portale nach verfügbaren Angeboten ab – und gibt auf angesichts von Quadratmeterpreisen, die das persönliche Budget sprengen.

Ein verzerrter Blick auf den Wohnungsmarkt sei das, behauptet der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW). „Wir wollen nichts schönreden, die Wohnungsmärkte sind – gerade in den Hot Spots – sehr angespannt“, sagt VNW-Sprecher Oliver Schirg. Jedoch gibt er zu bedenken, dass die Wohnungsangebote der am Gemeinwohl orientierten Wohnungsunternehmen, etwa der 412 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften im VNW, eben nicht in den Portalen auftauchen würden.

Wohnung mieten Norderstedt: Bezahlbarer Wohnraum – „Lage besser als dargestellt!“

Diese Wohnungen seien aber deutlich günstiger und müssten bei einer realistischen Darstellung des Mietmarktes berücksichtigt werden. Wer also nur die Internet-Portale zur Grundlage nehme, erhalte ein schiefes Bild.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hat das in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) jetzt mit Zahlen belegt. Dafür wurden die Erst- und Wiedervermietungsmieten der gängigen Online-Portale mit denen der bundesweit annähernd 3000 GdW-Unternehmen verglichen.

Durchschnittliche Netto-Kaltmiete von 7,45 Euro bei VNW-Unternehmen

Und dabei kam man für Schleswig-Holstein zu dem Ergebnis, dass die Mieten von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die im Zuge eines Mieterwechsels wiedervermietet wurden, bei den VNW-Unternehmen im ersten Halbjahr 2022 bei einer durchschnittlichen Netto-Kaltmiete von 7,45 Euro pro Quadratmeter lagen. Bei vergleichbaren Inseraten auf Online-Vermietungsplattformen musste eine Miete von durchschnittlich 9,02 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden. Damit waren die VNW-Wohnungen rund 18 Prozent günstiger.

Bei erstmals vermieteten Wohnungen in Neubauten wurden von Wohnungsunternehmen im VNW durchschnittlich 8,48 Euro pro Quadratmeter verlangt. Auf Internetportalen inserierte Neubauwohnungen kosteten durchschnittlich 11,83 Euro pro Quadratmeter. Damit waren die VNW-Wohnungen etwa 29 Prozent günstiger. Allerdings gab der VNW zu, dass in die Auswertungen zu wenige Durchschnittswerte von VNW-Unternehmen eingegangen seien, so dass die Vergleichbarkeit nur eine grobe Schätzung darstelle.

„Soziale Vermieter haben dämpfenden Einfluss auf die Mietpreise.“

VNW-Chef Andreas Breitner
VNW-Chef Andreas Breitner © Bertold Fabricius

Andreas Breitner, Direktor des VNW: „Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die wirkliche Lage auf den Wohnungsmärkten in Norddeutschland durch den einseitigen Blick auf die Vermietungsportale verzerrt werden. Es steht außer Frage, dass es an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Aber die sozialen Vermieter üben mit ihren deutlich günstigeren Mieten einen dämpfenden Einfluss auf die Mietpreise aus. Die Lage ist also besser als oftmals dargestellt.“

Breitner spricht den Online-Vermietungsportalen nicht ihre Berechtigung ab. Ihre Untersuchungen würden die grundsätzlichen Entwicklungen auf den Wohnungsmärkten widerspiegeln. „Allerdings lassen sich die Miethöhen aus Online-Vermietungsportalen nicht ohne Weiteres verallgemeinern. Schließlich zeigen die Portale in der Regel nur den höherpreisigen Marktteil und basieren oftmals nur auf Angebotsmieten aus online veröffentlichten Inseraten“, sagt Breitner.

Wohnung mieten Norderstedt: VNW vertritt 412 Unternehmen mit 750.000 Wohnungen

Die im VNW organisierten 412 Wohnungsunternehmen würden in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein 750.000 Wohnungen zur Miete anbieten, etwa 40 Prozent aller Mietwohnungen im Norden. Die monatliche Nettokaltmiete liege hier im Durchschnitt bei 6,26 Euro pro Quadratmeter. Damit lägen die Mieten der VNW-Unternehmen in der Regel deutlich unter den Werten der örtlichen Mietenspiegel.

Wer händeringend eine bezahlbare Wohnung sucht fragt sich nun natürlich, wie er an den günstigen Wohnraum bei den VNW-Unternehmen rankommt. „Da sollte man am besten Mitglied werden in einer Genossenschaft“, sagt Oliver Schirg. „20 Prozent der Wohnungen unserer Mitgliedsunternehmen werden aber auch an Nichtmitglieder vergeben.“

Die Genossenschaften offerierten ihre Wohnungen oftmals selbst und übernähmen zumeist auch die Vermittlung. Sprich – die meisten Wohnungen werden unter den Mitgliedern weitervergeben. Wenn es Angebote für den freien Markt gibt, tauchen diese oft nur kurz auf den Unternehmensseiten auf (eine Übersicht der VNW-Unternehmen und ihrer Homepages gibt es unter www.vnw.de/mitgliedsunternehmen/schleswig-holstein).