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Ein Drehkreuz für den Norden – das Riesenlager von Rewe

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Christopher Mey
Betriebsleiter Sven Petersen (l.) und Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung, luden Bürgermeisterin Ulrike Schmidt zum Rundgang ein.

Betriebsleiter Sven Petersen (l.) und Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung, luden Bürgermeisterin Ulrike Schmidt zum Rundgang ein.

Foto: Christopher Mey

Aus Henstedt-Ulzburg werden Hunderte Supermärkte im Norden beliefert. Warum der Standort so wichtig ist und was Rewe plant.

Henstedt-Ulzburg.  Hier ist alles ein wenig größer: Knapp ein halbes Jahr nach der offiziellen Einweihungsfeier hat das Handelsunternehmen Rewe einen Blick hinter die Kulissen seines Verwaltungs- und Logistikstandortes in Henstedt-Ulzburg gestattet. Dieser ist ein Drehkreuz für den Norden. Hier werden täglich Waren an- und wieder ausgeliefert an Hunderte Märkte in Schleswig-Holstein und Hamburg, damit die Kundinnen und Kunden pünktlich möglichst volle Regale haben.

Die Einweihung im Juli sei noch keine Eröffnung gewesen, sagt Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung für Rewe Nord. Er war für das 2012 gestartete Großprojekt quasi seit Tag eins verantwortlich, führte jahrelang Gespräche mit den Entscheidungsträgern in Henstedt-Ulzburg – denn nur durch die Zustimmung sowohl aus dem Rathaus als der politischen Mehrheit durfte Rewe überhaupt auf 250.000 Quadratmetern im Gewerbepark Nord bauen.

Henstedt-Ulzburg: Drehkreuz für den Norden – das Riesenlager von Rewe

„Es war eine unbeschreibliche Phase in meinem Leben, in meiner Karriere. Ich habe jeden Meter des Gebäudes mitgeplant“, so Vogel. 350 Millionen Euro hat Rewe investiert, hatte Glück mit dem Timing, denn die Planungen waren vor der Pandemie und dem Ukraine-Krieg abgeschlossen. „Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt angefangen.“ So waren die Ressourcen zu günstigeren Konditionen gesichert worden. „Das hätte sechs Monate später anders ausgesehen.

Viele Situationen habe man gemeinsam gemeistert. So wie den Umzug aus Norderstedt, dem vorherigen Sitz der Verwaltung. Innerhalb von drei Tagen im September wechselten 400 Personen ihren Arbeitsplatz. Geschlossen wurde der Standort in Kiel, dieser sei nun „heruntergefahren und besenrein“, so Vogel. „Alle Mitarbeiter sind bei uns geblieben.“

Rewe ist der größte Arbeitgeber in Henstedt-Ulzburg

Die Dimensionen sind für die Region maßgebend. Allein das Lager ist 90.000 Quadratmeter groß, hat 35.000 Paletten-Stellplätze, ist bis zu 30 Meter hoch, verfügt über 205 Be- und Entladetore. Insgesamt rund 6000 Artikel werden hier umgeschlagen: Obst und Gemüse, Kühl- und Tiefkühlartikel, ein umfassendes Trockensortiment, das zu 90 Prozent voll automatisiert ist. Im April wird der letzte Logistikbereich hinzukommen – das Fleisch. Rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier und auf 14.000 Quadratmetern in der Verwaltung tätig, es ist der mit Abstand größte Arbeitgeber im Ort.

„Wir hatten stets einen sehr guten, offenen Austausch mit Rewe. Das hängt damit zusammen, dass der Ansiedlung von Beginn an eine große Öffentlichkeit zugekommen ist“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Schmidt. „Rewe hatte versprochen, sich in die Gemeinde einzubringen. Daran haben sie sich gehalten.“ Veranstaltungen werden regelmäßig finanziell unterstützt, genauso Vereine und andere Einrichtungen. Die Bürgerstiftung erhielt zum Beispiel jetzt eine Spende über 10.000 Euro. So wird Akzeptanz geschaffen.

ÖPNV: Buslinie 196 hält direkt vor Rewe-Zentrale

Im Gegenzug wurde die Erreichbarkeit der Rudolf-Diesel-Straße verbessert. Schmidt: „Ende des vergangenen Jahres hat die Gemeinde gemeinsam mit dem Kreis eine direkte Verbindung geschaffen. Die Buslinie 196 führt durch das Gewerbegebiet bis zum Autohof, sie hält direkt vor Rewe. Auch mit HVV Hop, unserem neuen On-Demand-Shuttle, ist es erreichbar – eine optimale Ergänzung.“

Betriebsleiter vor Ort ist Sven Petersen, der zuvor am Standort Kiel tätig war. „Wir haben aktuell 271 Kostenstellen aus Schleswig-Holstein aufgeschaltet, sind bei 70 Prozent Auslastung. Wir sind kurz vor dem Start der ersten Hamburger Märkte – 69 Filialen von über 100.“

Gearbeitet wird in drei Schichten. Täglich rollen 80 bis 120 Laster auf das Gelände und verlassen dieses wieder. Die Abfertigung eines Lkw dauert 45 bis 60 Minuten. Die maximal mögliche Kapazität ist damit nicht erreicht, eine Volllast wird für Ende 2023 anvisiert.

Früher mussten Artikel zwischen Standorten hin- und hertransportiert werden

Henstedt-Ulzburg ist der modernste Standort des Unternehmens. Die weiteren im Norden, Stelle und Lehrte, waren Ende der 1980er gebaut worden, der alte in Kiel war noch aus den 1970ern, hatte weder ein Tiefkühl- noch ein Fleischsortiment. Vorher mussten viele Artikel zwischen den Lagern hin- und hertransportiert werden, das fällt nun weg, was nicht zuletzt auch Tausende Kilometer Sprit spart.

Die Belastung durch die vielen Hundert Lkw-Fahrten war einst der große Streitpunkt, ehe vertraglich geregelt wurde, dass keine Touren durch Henstedt-Ulzburg gehen – ausgenommen zu den Märkten auf dem Rhen und in der Schulstraße sowie im Falle einer Sperrung auf der Autobahn. „Wir haben unsere Fahrer sensibilisiert“, sagt Jochen Vogel. Und auch die Nachbargemeinde Kisdorf wird offenbar geschont: „Wir werden Lübeck perspektivisch aus Stelle über die A1 beliefern.“

Henstedt-Ulzburg: Rewe sucht Fachkräfte in vielen Bereichen

Rewe hat also vieles zusammengeholt in Henstedt-Ulzburg. Und fertig ist das Unternehmen noch lange nicht. „Wir befinden uns im Recruiting-Prozess.“ Am kommenden Freitag ist wieder eine Bewerbungsveranstaltung – gesucht wird quasi alles: Berufskraftfahrer, Kommissionierer, Techniker, unter anderem auch für den Dienstleister Witron, der die Anlagen steuert. Rewe wird sich zudem am Sonnabend, 28. Januar, auf der Azubi-Messe im Bürgerhaus (10 bis 15 Uhr) präsentieren.

„Der Standort beginnt zu leben“, sagt Jochen Vogel. Für die Belegschaft geht bald in Zusammenarbeit mit dem SV Henstedt-Ulzburg sogar ein kleines Fitnesscenter an den Start, angeboten werden Kurse und moderne Sportgeräte, es gibt schon 50 Anmeldungen.

Und dann wäre da noch eine Sache: Rewe hat ein Betriebsrestaurant mit angebundenem Supermarkt. Fest vorgesehen ist, diese Gastronomie auch anderen Firmen zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf ist groß, das hat kürzlich eine durch die Wirtschaftsförderung durchgeführte Umfrage ergeben.

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