Norderstedt

Einsamkeit und Isolation beenden: Stadt fördert Inklusion

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Im Mai 2022 hat die Inklusionsagentur Norderstedt anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zur gemeinsamen Fahrradtour durch die Stadt geladen. 

Im Mai 2022 hat die Inklusionsagentur Norderstedt anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zur gemeinsamen Fahrradtour durch die Stadt geladen. 

Foto: Christopher Mey / Christopher Herbst

Die mit Spenden der Aktion Mensch gegründete Inklusionsagentur kann weitermachen – viel Geld fließt jetzt von der Stadt.

Norderstedt.  Die Inklusionsagentur Norderstedt arbeitet daran, dass Menschen mit einer Behinderung nicht nur unter sich bleiben – sondern Teil der Gesellschaft werden. Sie ist die zentrale Anlauf- und Beratungsstelle in der Stadt, wenn es um das Thema Inklusion geht. „In Norderstedt bewegt sich schon ganz viel Positives für die gleichberechtigte Teilhabe. Aber ich sehe immer noch viele einsame und isoliert lebende Menschen, die noch keine Zugänge zur Gesellschaft gefunden haben“, sagt Projektleiter Andreas Marcial.

Umso wichtiger ist es, dass die Inklusionsagentur ihre Arbeit fortsetzen kann. Der Sozialausschuss hat jetzt einstimmig beschlossen, sie mit einem jährlichen Zuschuss von 175.000 Euro zu unterstützen. Die Förderung gilt ab September und ist vorerst auf vier Jahre angelegt. Von dem Geld sollen zwei Personal- und zwei Honorarstellen sowie Sach- und Verwaltungskosten finanziert werden. „Wir sind super dankbar“, sagt Andreas Marcial, „ohne die Mittel der Stadt hätten wir kreativ werden müssen.“

Norderstedt: Einsamkeit und Isolation beenden – Stadt fördert Inklusion

Die Inklusionsagentur wurde vor gut drei Jahren gegründet. Sie ist aus der erfolgreichen Arbeit des Netzwerks Inklusion & Innovation hervorgegangen. Dieses wiederum hat das Lebenshilfe-Werk 2017 initiiert. Inzwischen besteht es aus mehr als 30 Kooperationspartnern.

Während sich das Netzwerk darauf konzentriert, weiter Strukturen zu festigen, soll sich die Inklusionsagentur konkret für die Umsetzung von Aktivitäten und Projekten einsetzen. „Insbesondere im Freizeitbereich vermitteln wir häufig zwischen Menschen mit Behinderung und Vereinen und Institutionen. Wenn sich zum Beispiel jemand bei uns meldet und sagt, er möchte gerne Musik machen, vermitteln wir ihn an die Musikschule“, erklärt Andreas Marcial.

Sozialdezernentin Schmieder: „Agentur ist fester Partner der Stadt geworden“

Bisher hat Aktion Mensch die Projekte finanziell gefördert. Die Unterstützung läuft nun aus, weil Aktion Mensch lediglich einen Anschub geben wollte, um „ins Tun zu kommen“, wie Marcial betont.

Sozialdezernentin Katrin Schmieder ist glücklich, dass nun die Stadt diese Aufgabe übernimmt. „Die Inklusionsagentur und das Inklusionsnetzwerk sind schon in ihrer Projektphase der Aktion Mensch feste Partner in Norderstedt geworden“, sagt Schmieder. Sie würden Inklusion in verschiedene Lebensbereiche tragen und Menschen mit Behinderung und ihre Familien mit einem breiten Angebot unterstützen. „Mit dem jüngsten Beschluss verstetigen wir dieses Angebot“, sagt die Sozialdezernentin.

Inklusionsagentur übernimmt Beratung für Menschen mit Behinderung in Norderstedt

Die Inklusionsagentur soll in Norderstedt nun vor allem für die Beratung der Bürgerinnen und Bürger zuständig sein. Diese Aufgabe lag zuvor bei der Inklusionsbeauftragten der Stadt. „Mir ist es wichtig, dass es vollumfängliche Beratung aus einer Hand gibt und das heute und in Zukunft in der Inklusionsagentur“, sagt Schmieder. Die Anbindung an die Lebenshilfe sei aus ihrer Sicht eine einmalige Chance, dass sich ganz „unterschiedliche Professionen“ einbringen. „Auch das ist wirklich ein Geschenk“, sagt sie.

Das neunköpfige Team um Andreas Marcial hat für dieses Jahr bereits viele Aktionen geplant, um Inklusion und Teilhabe weiter voranzubringen. Sie wollen unter anderem Fachtage veranstalten, einen Arbeitskreis gründen, um die Mobilität der Menschen zu verbessern und diverse Kurse für sie anbieten. „Laut Statistiken sind zehn Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens von einer Behinderung betroffen. Das treibt uns an, Inklusion in der Stadt weiter positiv zu gestalten“, sagt Marcial.

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