Tierliebe

Pferdemädchen gibt todgeweihtem irischen Pony ein Zuhause

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Claudia Blume
Nicole Ziemann mit ihrem Tinker-Wallach Sir Henry in Norderstedt. Sie hat das Tier vor dem sicheren Tod in Irland bewahrt und in Norderstedt wieder aufgepäppelt.

Nicole Ziemann mit ihrem Tinker-Wallach Sir Henry in Norderstedt. Sie hat das Tier vor dem sicheren Tod in Irland bewahrt und in Norderstedt wieder aufgepäppelt.

Foto: Claudia Blume

Abgemagert bis auf die Knochen wurde Sir Henry gerettet. Warum eine Norderstedterin nun Kinder sucht, die ihn streicheln wollen.

Norderstedt.  Nicole Ziemann ist seit klein auf ein Pferdemädchen. „Ich durfte mit sechs Jahren Reiten lernen und habe drei Jahre später mein eigenes Pony bekommen; die Verantwortung dafür hat mich geprägt“, erzählt sie. Heute hat Ziemann ein ganz besonderes Pony. Es heißt Sir Henry, stammt aus Irland, lebt nun in Norderstedt und ist ihr „Seelenpferd“, wie sie sagt.

Nicole Ziemann und Sir Henry haben eine ganz besondere Beziehungen zueinander. Gemeinsam haben sie schwere Zeiten gemeistert. Sir Henry war im Alter von nur drei Monaten zusammen mit elf weiteren Hengstfohlen im Nirgendwo in Irland ausgesetzt worden.

Tierliebe: Pferdemädchen gibt todgeweihtem irischen Pony ein Zuhause

Der Besitzer hatte die Fohlen offenbar den Stuten weggenommen und sie damit dem sicheren Tod überlassen. Abgemagert bis auf die Knochen und kurz vor dem Ende stand Sir Henry zwischen fünf Kadavern seiner Herdenmitglieder, bevor es zusammen mit sechs anderen von „Hungy Horse Outside“ gerettet wurde und so überlebte.

Tausende verwahrloste, hungernde und kranke Pferde vegetieren in Irland seit der Wirtschaftskrise auf diese schreckliche Weise vor sich hin, von ihren Besitzern im Stich gelassen. Die Tiere auszusetzen ist günstiger, als sie zum Schlachter zu bringen. Die irische Freiwilligen-Organisation „Hungry Horse Outside“ aus der Grafschaft Longford hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tiere zu retten.

Sie entdeckte das Tier in einer TV-Dokumentation

Nicole Ziemann hatte auf dem TV-Sender VOX eine Dokumentation über die irische Organisation gesehen und unter www.hungryhorseoutside.com schließlich Sir Henry entdeckt. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt die Pferdefrau aus Quickborn-Heide. Sie entschloss sich, Sir Henry zu sich zu holen. Am 14. September 2017 begann für den Mini-Tinker ein neues Leben in Norddeutschland.

Doch der kleine Rappe mit dem rassetypischen Schnurrbart entpuppte sich als Sorgenkind. Von der Insel brachte er eine Immunschwäche mit und entwickelte eine schwerwiegende Atemwegserkrankung, die Anfang diesen Jahres austherapiert schien.

Der Tierarzt riet: „Schläfern Sie das Tier ein!“

„Der Tierarzt riet mir, mein Pony einschläfern zu lassen“, erzählt Nicole Ziemann mit Tränen in den Augen in Erinnerung an Ängste, Sorgen und Geldnot damals. Doch aufzugeben, kam für sie nicht infrage. Ein Klinikaufenthalt, eine Reha und letztlich ein Stallwechsel nach Norderstedt brachten schließlich die Wende. Seit August lebt der fünfjährige Wallach im Offenstall, bewegt sich 24 Stunden an der frischen Luft und kann endlich wieder durchatmen.

„Sir Henry liebt Aufmerksamkeit und genießt es, geputzt und betüdelt zu werden. Mit einer handlichen Größe von nur 1,30 Meter Widerristhöhe können ihn auch kleinere Kinder überall striegeln und bürsten. Da er noch nicht eingeritten ist, unternehmen wir viele Spaziergänge in der Feldmark, die den Alltag wunderbar entschleunigen“, schwärmt Nicole Ziemann, die in einer Zahnarztpraxis arbeitet.

Zeit für Dankbarkeit: Ziemann will, dass viele Kinder Sir Henry kennenlernen

„Wir haben eine schwere Zeit hinter uns und an meiner Dankbarkeit für das, was wir geschafft haben, möchte ich einige Kinder teilhaben lassen. Sir Henry ist einfach großartig und kann bestimmt etwas Liebe weitergeben, denn Pferde verstehen einen ohne Worte, sie trösten, vermitteln Ruhe, geben Kraft und bereiten Freude.“

Ziemann weiß, dass es für einige Kinder immer nur ein Traum bleiben wird, mit Ponys oder Pferden in Kontakt zu kommen. Einige Familien oder Alleinerziehende könnten sich angesichts hoher Inflation und steigender Preise für Energie und Lebensmittel immer weniger leisten. Für Reitstunden bliebe da oft nichts über, aber der Wunsch der Kinder nach Streicheleinheiten, warmem Fell und einem weichen Pferdemaul.

Tierliebe: Jeder ist willkommen, Sir Henry zu striegeln, streicheln und lieb zu haben

Deswegen hat sich die 43-Jährige etwas Besonderes für die Vorweihnachtszeit überlegt: „Ich möchte intensive und individuelle Zeit mit meinem Pony Sir Henry verschenken und damit Kinderaugen zum Leuchten bringen.“

Wer seinem Kind schon vor Weihnachten einen großen Wunsch nach einem zumindest stundenweise „eigenen“ Pony erfüllen möchte, kontaktiert Nicole Ziemann per Facebook. Zudem hat sie auf Facebook die „Auktionsgruppe – Hungry Horse Outside/Irland“ gegründet, die Handgemachtes und Dekoartikel für die irische Pferderettungsorganisation versteigert, um mit den Einnahmen noch viele vernachlässigte Pferde aufnehmen, versorgen und vermitteln zu können.

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