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Herold-Hochhäuser: Mieter beklagen sich über Verwaltung

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Stefan Schultz wohnt in einem der Herold-Hochhäuser, Berliner Allee 38. Seine Wohnung wird seit zwei Jahren nicht saniert.

Stefan Schultz wohnt in einem der Herold-Hochhäuser, Berliner Allee 38. Seine Wohnung wird seit zwei Jahren nicht saniert.

Foto: Claas Greite / FMG

Reparaturen werden nicht erledigt, niemand ist erreichbar, sagen Mieter. Was Mieterverein und Hausverwaltung sagen.

Norderstedt.  Es läuft gar nicht rund bei der Verwaltung der Herold-Hochhäuser in Garstedt – das zumindest sagen mehrere langjährige Mieter. Ihre Kritik: Wichtige Reparaturen würden nicht erledigt, bei der Verwaltung seien Sachbearbeiter nicht erreichbar, man werde vertröstet und nicht zurückgerufen. Alles in allem habe sich die Situation deutlich verschlechtert, seitdem die Adlershorst Immobilien GmbH die Verwaltung der Hochhäuser übernahm, die – wie das Herold-Center – der ECE Group gehören.

Schon im Frühjahr hatten sich Mieter an das Abendblatt gewendet – der Anlass war damals ein Schreiben der Verwaltung, das die Mieter pauschal verdächtigte, Cannabis zu rauchen. Eine Panne, die eher für Belustigung sorgte – die meisten Mieter nahmen die Sache nicht krumm, für die sich die Verwaltung dann auch schriftlich entschuldigte.

Wohnung mieten Norderstedt: Mieter in Herold-Hochhäuser beklagen sich

Doch nun gibt es Beschwerden anderer, ernsterer Art – bemängelt wird die Arbeit der Verwaltung und auch der Umgang. Die Stimmung sei schlecht, sagen Bewohner. Aber nun wenige Menschen möchten ihre Kritik auch bei voller Namensnennung äußern, denn sie haben Angst vor Schwierigkeiten oder gar einer Kündigung.

Einer, der keine Angst hat, auch namentlich erkennbar zu sein, ist Stefan Schultz. Er wohnt zusammen mit seinem Sohn in einer Wohnung im Haus 38, 7. Stock. Doch die Wohnung ist in keinem guten Zustand, der Bodenbelag wellt sich in allen Räumen, müsste ausgetauscht werden. „Ich laufe der Hausverwaltung seit zwei Jahren hinterher, damit da endlich mal etwas passiert. Aber die zuständige Sachbearbeiterin sagt mir, man bekomme keine Handwerker“, sagt Stefan Schultz.

Der 55-jährige Maschinenbauer wohnt schon seit 1995 in der Wohnung, hat viele Hausverwaltungen erlebt. „Beim früheren Eigentümer, der Versicherung Deutscher Herold, war alles ganz anders. Toller Hausmeister, toller Service – und es war sauber.“

Herold-Center wurde 2013 verkauft – mitsamt der 256 Wohnungen

2013 wurde das Herold-Center jedoch mitsamt der Hochhäuser verkauft, in denen sich 256 Wohnungen befinden. Die Verwaltungen wechselten danach, Anfang 2019 übernahm dann die Adlershorst Immobilien GmbH, eine Tochter der Adlershorst Baugenossenschaft eG. „Insgesamt ist die Qualität der Verwaltung nach dem Verkauf spürbar gesunken. So schlecht wie bei Adlershorst war es aber noch nie“, sagt Stefan Schultz.

Er hat die Miete bereits wegen der Mängel reduziert, nun will er – nach Rücksprache mit der juristischen Beratung des Norderstedter Mietervereins – weitere Teile der Miete einbehalten, bis die Mängel behoben sind. „Mir wurde dann aber bei Adlershorst gesagt, dass ich damit eine Kündigung riskiere“, sagt Stefan Schultz. Er betont, dass es ihm bei alldem auch um den „menschlichen Umgang“ gehe.

„Durch Adlershorst hat es sich verschlechtert. Weil nichts gemacht wird.“

Ähnlich wie Schultz reden andere Hausbewohner. So etwa eine langjährige Mieterin, eine ältere Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Bei ihr wurden – wie bei allen anderen Mietern – kurz nach dem Wechsel der Verwaltung die Bäder runderneuert, im Zuge der sogenannten Strangsanierung.

Eigentlich eine gute Sache, doch es gab bei vielen Mietparteien Mängel bei der Umsetzung, so auch bei der langjährigen Mieterin. „Unter anderem schaute eine Schraube heraus, da bestand richtig Verletzungsgefahr. Es hat zwei Jahre gedauert, bis das repariert wurde“, sagt sie.

„Den Schaden habe ich im Herbst 2021 gemeldet. Passiert ist noch nichts.“

Auch an ihrem Küchenbalkon gebe es Schäden, dort seien Fliesen abgeplatzt. „Den Schaden habe ich im Herbst 2021 gemeldet. Dann sollte es im Frühjahr gemacht werden. Aber passiert ist immer noch nichts“, sagt sie. Die Einschätzung von Stefan Schultz teilt sie: „Durch Adlershorst hat es sich verschlechtert. Weil nichts gemacht wird. Das ist bei vielen hier der Eindruck.“

Den menschlichen Umgang bemängelt sie ebenfalls: „Man kann anrufen, aber wird nicht verbunden. ‘Ich gebe das mal weiter’, heißt es dann. Und: ‘Sie werden zurückgerufen’. Aber das passiert nie.“

Fahrstuhl fiel im Frühjahr für mehrere Wochen aus

Die ältere Dame ist gehbehindert, sie kann sich nur mit einem Rollator fortbewegen. Und sie wohnt im 6. Stock. Das wurde zum Problem, als im Frühjahr der Fahrstuhl in ihrem Haus für mehrere Wochen ausfiel. Immer, wenn sie aus dem Haus wollte, habe sie sich dann „mühsam eine Treppe herauf und über den Dachboden gehangelt“ zu einem anderen Haus, in dem der Fahrstuhl ging. Ein Nachbar half ihr und trug auch den Rollator.

Zwar habe Adlershorst deshalb für eine Weile die Miete reduziert und auch angeboten, für etwaige Transporte zu bezahlen. Aber mit diesem Angebot konnte die Mieterin nicht recht etwas anfangen. „Wen hätte ich denn anrufen sollen? Einen Krankenwagen? Und am Ende wäre ich noch selbst auf den Kosten sitzengeblieben...“ So blieb am Ende Ärger über die Einschränkungen.

„Überlege, mich bei Eigentümer über die Arbeit der Verwaltung zu beschweren.“

Aktuell funktionieren die Fahrstühle – dafür sorgt etwas anderes für Ärger. Die Mieter sollen nämlich ihre Fahrräder nicht mehr in einem Raum im Erdgeschoss abstellen, wie sie das zuvor jahrelang taten. „Ich ärgere mich darüber sehr“, sagt ein Mieter, 80 Jahre alt und „pünktlicher Mietenzahler“, wie er betont. „Jetzt muss ich mein Rad immer in den Keller bringen. Was mache ich denn, wenn der Fahrstuhl wieder nicht geht?“

Auch er beklagt sich, dass bei Adlershorst Immobilien „nie jemand erreichbar“ sei. Und er ergänzt: „Das ärgert viele. Ich überlege, mich bei den Eigentümern der Häuser über die Arbeit der Verwaltung zu beschweren.“

Wie die Hausverwaltung auf die Kritik reagiert

Was sagt man bei Adlershorst zu der Kritik? Sprecherin Kim Kölln betont zunächst, dass mit der Übernahme der Verwaltung 2019 damit begonnen wurde, „eine umfangreiche Strangsanierung aller Wohnungen als Verwalter zu begleiten.“ Tatsächlich wurden ab 2019 sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten gemacht, unter anderem in den Bädern. Eine solche Sanierung sei natürlich „mit umfangreichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Lärm und Schmutz“ verbunden, so Kölln.

Indes: Das haben die Mieter auch nicht bemängelt. Stattdessen war die Rede davon, dass Reparaturen nicht erledigt würden, und dass Sachbearbeiter nicht erreichbar seien. Das weist Kölln zurück: „Reparaturen werden laufend erledigt und die Termine selbstverständlich rechtzeitig mit den Mietern abgestimmt. Die telefonische Erreichbarkeit war und ist regelmäßig gegeben. Uns liegen keine weiteren Beschwerden diesbezüglich vor.“

Was Adlershorst zum Fall von Stefan Schultz sagt

Zu dem Fahrradkellerraum sagt Kim Kölln, dass die Änderung aufgrund von Brandschutzanforderungen erfolgen müsse. Zu dem Fahrstuhl, der mehrere Wochen ausfiel, heißt es: „Bedauerlicherweise gibt es seit längerem erhebliche Lieferschwierigkeiten insbesondere bei Aufzugsanlagen“, deshalb habe der Fahrstuhl so lange nicht repariert werden können. Erforderlich geworden sei die Reparatur „aufgrund von Beschädigungen durch Vandalismus.“

Bleibt der Fall des Mieters Stefan Schultz, der immer noch auf die Sanierung seiner Wohnung wartet. Dazu Kim Kölln: „Wir dürfen zu einzelnen Mietverhältnissen keine öffentliche Auskunft geben. Wir möchten in diesem Zusammenhang nur anmerken, dass wir darauf angewiesen sind, dass uns Mieter für die erforderlichen Sanierungsarbeiten den Zugang zu ihren Wohnungen gewähren und vereinbarte Termine einhalten. Dies erfolgte bedauerlicherweise nicht in jedem Einzelfall.“

„Ich bin immer in meiner Wohnung und bin auch immer erreichbar.“

Stefan Schultz sagt dazu: „Ich bin immer in meiner Wohnung und bin auch immer erreichbar. Zugang gewähre ich natürlich auch.“ Tatsächlich ist er nach einem Arbeitsunfall vor zwei Jahren derzeit noch arbeitsunfähig und deshalb viel zu Hause. Schultz weiter: „Fristen und Termine habe ich immer eingehalten. Tatsächlich ist es so, dass Adlershorst Termine nicht einhält und ich denen dann wegen neuer Termine hinterherlaufen muss.“

Die Einschätzungen gehen offenbar weit auseinander. Einige Mieter lassen sich in der Sache vom Mieterverein Norderstedt beraten, unter ihnen auch Stefan Schultz. Wie sieht der Verein die Situation? Generell möchte man sich „nicht anmaßen, die aktuelle Situation zu beurteilen“, sagt Anette Schütz-Schreiber, Geschäftsführerin des Vereins. Sie sagt aber auch: „In der Vergangenheit gab es während der Strangsanierung in den Hochhäusern Probleme mit der Erreichbarkeit der Verwaltung.“

Wie der Mieterverein Norderstedt die Zusammenarbeit bewertet

Der Mieterverein prüft, wie bei anderen Verwaltungen auch, routinemäßig die jährlichen Nebenkostenabrechnungen von Adlershorst. Wie bewertet der Verein in diesem Punkt die Zusammenarbeit? „In der letzten Zeit ist die Zusammenarbeit zufriedenstellend“, sagt Anette Schütz-Schreiber. Und ergänzt: „Durch das Zusammenspiel mit dem Center sind manche Dinge sehr kompliziert und umfangreich zu prüfen.“

Auf die Frage, ob ein Teil der Probleme vielleicht in Wahrheit auf den Eigentümer – die ECE Group – zurückgehe, sagt Anette Schütz-Schreiber: „In jeder Verwaltung besteht das Problem, dass sie das umsetzen muss, was der Eigentümer vorgibt. Dadurch kann es natürlich auch zu Schwierigkeiten kommen.“

Wohnung mieten Norderstedt: „Adlershorst ist aus meiner Sicht überfordert.“

Sind es am Ende Vorstellungen und Wünsche des Eigentümers, etwa in Bezug auf die Kosten, die die Friktionen verursachen? Mieter Stefan Schultz zumindest glaubt das nicht. Er sagt: „Ich habe das Gefühl, ECE weiß gar nicht, was hier läuft. Adlershorst hat ja durchaus einen guten Ruf als Baugenossenschaft. Aber mit der Verwaltung dieser Hochhäuser sind sie aus meiner Sicht überfordert.“

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