Paracelsus Henstedt-Ulzburg

Geburtsklinik: Die letzten Wochen haben begonnen

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Christopher Mey
Der Protest gegen die Schließung der Geburtsstation in Henstedt-Ulzburg ist weiterhin groß. Doch die Entscheidung des Paracelsus-Konzerns steht fest.

Der Protest gegen die Schließung der Geburtsstation in Henstedt-Ulzburg ist weiterhin groß. Doch die Entscheidung des Paracelsus-Konzerns steht fest.

Foto: Miriam Opresnik

6850 Unterschriften übergeben. Termine nur noch bis Stichtag 15. November. Was aus den Hebammen wird.

Henstedt-Ulzburg.  Es wird bald Realität sein: Das letzte neugeborene Kind, das in der Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg zur Welt kommt. Die Vorstellung ist deprimierend, bestätigt Regina Schmidt-Scheben, seit knapp 40 Jahren Hebamme in dem Krankenhaus. Ende August hatte der Konzern mitgeteilt, die Geburtsabteilung und die Gynäkologie schließen zu wollen – aus wirtschaftlichen Gründen.

Die Welle der Anteilnahme, aber insbesondere auch des Protestes ist seitdem groß. Schmidt-Scheben hatte eine Online-Petition gestartet, bei der sich Menschen gegen die Schließung kleiner Geburtskliniken aussprechen konnten. Die Resonanz war enorm.

Jetzt hat sie dem Manager des Krankenhauses, Sebastian Margaschewski, und Tomislav Gmajnic aus der Konzern-Geschäftsführung auf einer Betriebsversammlung 6850 Unterschriften überreicht. „Mir geht es auch darum, einen Schlussstrich zu ziehen“, sagt sie.

Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg: Die letzten Wochen der Geburtsstation

Denn die vielen Appelle auf allen Ebenen haben an der Entscheidung des Unternehmens nicht verändert. „Die Geschäftsführung sagt mir: Es rechnet sich nicht.“ Nur noch Frauen mit einem Stichtag bis 15. November werden in der Paracelsus-Klinik ihre Kinder zur Welt bringen. „Wir werden alle Frauen, die sich jetzt angemeldet haben, gut versorgen.“

Und dann? „Wir bekommen unsere Kündigungen erst, wenn der Sozialplan steht. Das wird aber nicht vor Ende des Jahres sein.“ Sie berichtet, dass es für Frauen immer schwieriger wird, in der Region ein Krankenhaus zu finden. Auch, weil der Krankenstand hoch ist. Teilweise müsse eine Hebamme drei Frauen betreuen.

Eine Besserung ist nicht unbedingt in Sicht. „Viele Hebammen wollen nicht in großen Häusern arbeiten.“ Dafür hat sich für offenbar nicht wenige Beschäftigte aus Henstedt-Ulzburg eine Option im Kreis Plön aufgetan. In Preetz hatte im August das Kreis-Krankenhaus seine Geburtsstation geschlossen – aus Personalmangel. Werdende Eltern mussten nach Eutin, Kiel oder Neumünster ausweichen.

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Regina Schmidt-Scheben war genauso wie andere Hebammen bereits zu einem Gespräch vor Ort. „Es ist ein kleines Haus, das Hebammen möchte. Ein funktionierendes Haus mit 800 Geburten leistet es sich nicht, aber das kleine kommunale Haus.“

An alle, die ihre Petition unterzeichnet haben, hat sie sich persönlich gewendet: „Danke für euren Einsatz! Wenn die Para auch keine Zukunft hat, so sollten wir doch weiterhin gegen die Schließung kleiner Geburtshilfe Abteilungen auf die Straße gehen. Bewusstsein schaffen, dass Geburt ein natürlicher Vorgang ist, der auch in einem Level 4 Haus sicher aufgehoben ist! Gegen die Überfüllung großer Kliniken, für eine eins zu eins Betreuung und Einhaltung der S3 Richtlinien!“

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