Karl-May-Spiele

Sascha Hödl: Vom Fensterputzer zum Retter der Premiere

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Sascha Hödl als Winnetou bei der Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg.

Sascha Hödl als Winnetou bei der Premiere der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg.

Foto: Markus Scholz / dpa

Kurz vor der Premiere hat Hödls verstorbener Vater ihm ein Zeichen geschickt. Wann Alexander Klaws wieder in Bad Segeberg auftritt.

Bad Segeberg. Vom Fensterputzer zum Retter der Karl-May-Premiere: Sascha Hödl ist am Sonnabend für den an Corona erkrankten Alexander Klaws als Winnetou eingesprungen – und hat damit bereits zum zweiten Mal eine Premiere am Kalkberg gerettet. Denn bereits 2018, in seinem ersten Jahr in Bad Segeberg, übernahm Hödl kurzfristig die Rolle des verletzten Max König.

Doch wer ist der Mann, der am Kalkberg für Gänsehaut und Standing Ovations gesorgt hat? Dem Abendblatt erzählt der 29-Jährige, warum er als Kind lieber Indianer als mit Matchboxautos spielte, warum eine Begegnung mit Pierre Brice sein Leben veränderte und wieso die heftigen Regenschauer vor der Premiere für ihn ein Zeichen seines verstorbenen Vaters waren.

Karl-May-Spiele: Sascha Hödl springt zum zweiten Mal bei der Premiere ein

Auch vier Tage nach seiner Premiere als Winnetou in Bad Segeberg fühlt sich der 29-Jährige noch wie „in einem Paralleluniversum“, so Hödl zum Abendblatt. Obwohl er den Apachenhäuptling bereits fünfmal bei den Karl-May-Festspielen im österreichischen Winzendorf mimen durfte, sei der Einsatz in Bad Segeberg für ihn einfach unvergleichbar gewesen.

„Die Freilichtbühne in Bad Segeberg ist einfach einzigartig“, sagt Hödl, der sich nach fünf Jahren als Winnetou bewusst für einen Wechsel von Winzendorf nach Bad Segeberg entschied, weil der Kalkberg seine Traumbühne ist. „Früher war Winzendorf ein riesengroßer Mythos. Doch im Zuge des Umbaus und der Überdachung des Zuschauerraums ist die Bühne kleiner geworden und fühlte sich für mich nicht mehr wie mein Zuhause an“, sagt Sascha Hödl.

Bad Segeberg: Freilichtbühne am Kalkberg ist für Sascha Hödl seine Traumbühne

Wenn er an Winnetou und die Prärie denkt, sieht er eine Freilichtbühne im Sonnenlicht vor sich – so wie in Bad Segeberg – und keinen überdachten Zuschauerraum.

Seine Begeisterung für die Arena am Kalkberg war so groß, dass sich Hödl gegen ein Engagement als Winnetou in Winzendorf entschied und nach Bad Segeberg wechselte – obwohl hier bereits alle Rollen besetzt waren und er „nur“ als Stuntman anfangen konnte. Als sich kurz vor der Premiere sein Kollege und Freund Max König bei den Proben verletzte, sprang Sascha Hödl kurzfristig für ihn ein und rettete auch damals schon die Premiere.

Begegnung mit Pierre Brice veränderte sein Leben

Seine Begeisterung für Winnetou und Karl May verdankt der Schauspieler und Musicaldarsteller seinem Vater, der mit dem damals vierjährigen Sascha „Winnetou 1“ guckte. „Es fühlt sich an, als sei das gestern gewesen“, sagt Hödl und erzählt, wie sein Vater eines Tages die VHS-Kasette in den Videorekorder geschoben habe.

Zuerst habe er mit den Büffeln und Indianern im Fernsehen nichts anfangen können – aber als Winnetou erschienen ist, habe sich das schlagartig geändert. „Danach wollte ich nur noch Indianer spielen – während meine Freunde mit Matchboxautos gespielt haben“, so Sascha Hödl.

Sascha Hödl spielt lieber Indianer als mit Matchboxautos

Als er wenig später hörte, dass in der Nähe seiner Heimatstadt die Westernstadt „No Name City“ von Pierre Brice eingeweiht werden sollte, wollte er dort unbedingt hin, um den "echten Winnetou" zu sehen. „Doch dann war es so voll, dass ich Pierre Brice auch nicht mal von Weitem sehen konnte und total geweint habe“, erinnert sich der Darsteller und erzählt von einem der größten Zufälle seines Lebens:

Plötzlich kam eine Frau auf ihn zu und fragte, warum er weint. Als er unter Tränen sagte, dass er unbedingt Winnetou sehen möchte, aber nicht zu ihm durchkommt, nahm ihn die Frau an der Hand und führte ihn an der Menschenschlange vorbei bis zu Pierre Brice, dem sie das weinende Kind auf den Schoß setzte.

Die Frau war Hella Brice - die Ehefrau des Schauspielers.

Vom Fensterputzer zu Winnetou

„In diesem Moment hatte ich das Gefühl, die Welt bleibt stehen“, sagt Sascha Hödl. Als ihn Pierre Brice frag, was er später mal werden will, sagt er freimütig: „Ich will so werden wie Du.“ Fast ein Vierteljahrhundert ist das jetzt her, doch Sascha Hödl hat bis heute nicht vergessen, wie ihn Pierre Brice aus seinen tief blauen Augen angesehen und gesagt habe: „Dann musst Du Schauspieler werden.“

Er hat den Rat beherzigt. Bereits mit zehn Jahren bekam er die erste Statistenrolle als Fensterputzer in Winzendorf, mit 20 durfte er das erste Mal Winnetou spielen. Doch obwohl ihm die Rolle vertraut sei, habe es sich der Einsatz als Winnetou noch nie so angefühlt wie am Sonnabend bei der Premiere in Bad Segeberg.

Sascha Hödls Vater zeigte ihm den ersten Winnetou Film auf VHS

„Du stehst da hinter der Bühne und hast das Kostüm an und weiß, dass es gleich losgeht. Trotzdem fühlt es sich an wie im Traum und Du fragst Dich die ganze Zeit, ob das jetzt echt passiert“, sagt Hödl, dessen Mutter extra zur Premiere aus Österreich angereist kam.

Sein Vater, der in Sascha einst die Begeisterung für Winnetou weckte, konnte den Auftritt seines Sohnes als Apachenhäuptling nicht miterleben. Er ist im vergangenen Oktober gestorben. „Aber als es an dem Abend kurz vor der Premiere geregnet hat, hatte ich das Gefühl, dass es sich bei den Regentropfen um die Freudentränen meines Vaters sowie unseres ehemaligen und mittlerweile verstorbenen Regisseur Norbert Schultze jr. und Pierre Brice handelt“, sagt Sascha Hödl.

Winnetou-Darsteller freut sich wieder auf seine Rolle als Bösewicht

Er weiß, wie stolz sein Vater auf ihn gewesen wäre. Da sein Vater Pilot war, habe er ihn früher oft mitgenommen. „Und egal wo ich hinkam – überall haben mich die Leute mit Namen begrüßt. Sie kannten mich alle, weil mein Vater ihnen immer Fotos von mir gezeigt hat.“

Auch wenn er seinen Auftritt als Winnetou geliebt hat – er freue auch wieder auf seine Rolle als Ölfeldbesitzer Jackson, als Nijora-Unterhäuptling Ka Maku und seinen Einsatz als Stuntman. „Ich habe mich auf diese Rollen monatelang vorbereitet und gehe total in ihnen auf“, sagt Sascha Hödl.

Karl-May-Spiele: Alexander Klaws soll ab Donnerstag wieder spielen

Als Bösewicht habe man mehr Freiheiten, einen Charakter zu entwickeln – als in der Rolle von Winnetou, dessen Charakter stark vorgegeben sei. „Als Winnetou kann man nicht einfach rumpöbeln oder rumschreien“, sagt Hödl. Er sei dankbar, dass er die Chance bekommen habe, als Backup von Alexander Klaws einzuspringen. Aber er freue sich auf die Rückkehr seines Kollegen.

Alexander Klaws wird voraussichtlich am Donnerstag wieder spielen können. Über Instagram teilte der Schauspieler mit: „Es sieht danach aus, dass der Test mich aktuell am Donnerstag endlich auf „Iltschi“ in die Arena reiten lässt.“ Hinter ihm liegen die wohl schwerste Woche seiner Laufbahn.

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