Testzentrum Norderstedt

Corona: Schließung von Schnelltestzentren im Kreis droht

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Claas Greite
Christian Leder, Geschäftsführer des Unternehmens „First & Safe“, das das Testzentrum in der Norderstedter Rathauspassage betreibt.

Christian Leder, Geschäftsführer des Unternehmens „First & Safe“, das das Testzentrum in der Norderstedter Rathauspassage betreibt.

Foto: Burkhard Fuchs

Für manche Betreiber der Zentren könnte sich das Geschäft nicht mehr rentieren. Für wen Corona-Tests ab Freitag kostenlos bleiben.

Norderstedt. Noch ist es ganz einfach. Wer kostenlosen Corona-Schnelltest machen möchte, kann dafür einfach in eines der Testzentren in Norderstedt und Umgebung gehen. Doch schon ab Freitag, 1. Juli, wird die Lage komplizierter. Die Tests kosten dann für bestimmte Personen drei Euro, für andere bleiben sie kostenlos. Das sorgt für einige Verunsicherung bei Kunden und auch Betreibern von Zentren im Kreis Segeberg.

„Die Änderung aus Berlin kam definitiv sehr kurzfristig. Und uns fehlen auch noch wichtige Informationen aus Kiel. Das ist eine schwierige Lage für uns. Mit den Worten ‘vielleicht’ und ‘wahrscheinlich’ kann man keine Firma führen“, sagt Christian Leder. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens „First & Safe“, das ein Testzentrum in der Norderstedter Rathauspassage und ein weiteres in Henstedt-Ulzburg führt, im Gewerbepark Nord.

Testzentrum Norderstedt: Wer gehört einer „vulnerablen Gruppe“ an?

Erst am vergangenen Freitag hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mitgeteilt, dass es die kostenlosen Bürgertests ab Juli nicht mehr für alle geben soll. Die Tests sollen künftig drei Euro kosten, es sei denn, die Person gehört einer sogenannten vulnerablen Gruppe an, zu der etwa Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn ihrer Schwangerschaft und Besucher von Pflegeheimen gehören. Es werden auch die Beträge abgesenkt, mit denen der Bund jeden Test bezuschusst. Der Bund will auf diese Weise 2,3 Milliarden Euro einsparen. Lauterbach sagte aber auch, dass ja die Länder anstelle des Bundes ab Juli die kostenfreien Tests finanzieren könnten.

Das plant das Land Schleswig-Holstein „derzeit nicht“, sagt Hannah Beyer, Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Kiel. Für Christian Leder sorgt das aber noch nicht für die nötige Planungssicherheit. „Ich brauche für die Arbeit meiner Testzentren eine gültige Landestestverordnung“, sagt Leder. Die alte laufe am Donnerstag aus.

Eine neue gebe es noch nicht. Zwar sei in Berlin nun eine neue „Bundestestverordnung“ beschlossen, die ab Juli gilt, aber die sei eben nur die Grundlage für Landesregelungen. Immerhin arbeite das Land derzeit an einer neuen Verordnung, heißt es aus der Pressestelle des Kreises Segeberg.

Kostenlose Bürgertests: Diskussion trifft Schleswig-Holstein in einer Übergangsphase

Das Problem: Schleswig-Holstein ist gerade in einer Übergangsphase. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist nur noch wenige Tage im Amt. Eine neue Landesregierung muss noch vereidigt werden, eine Politikerin oder ein Politiker der CDU soll dann das Ministerium übernehmen. Fraglich ist, ob sich damit dann nicht auch die Position zu den kostenlosen Tests noch einmal ändert.

Christian Leder wähnt seine Zentren jedenfalls in einer kräftezehrenden Hängepartie. „Wir bekommen täglich E-Mails von Kunden, die wissen wollen, was ab dem 1.7. genau gilt. Und die können wir nicht beantworten. Das ist peinlich.“ Er sagt aber auch: „Drei Euro Kosten für einen Schnelltest würde keine Schließung der Zentren bedeuten.“ Personen aus den sogenannten vulnerablen Gruppen seinen „ohnehin die Hauptkunden.“ Doch es brauche nun dringend Klarheit. Leder beschäftigt 160 Angestellte in seinen Zentren, täglich werden insgesamt 700 bis 900 Schnelltests gemacht.

Corona-Schnelltests: Zentrum in Bad Bramstedt wird „erst einmal“ weiter betrieben

Wie denken die Betreiber anderer Zentren über die Regelung? Rentiert sich der Betrieb noch, wenn Tests drei Euro kosten? Nach Abendblatt-Informationen gibt es an manchen Standorten Überlegungen, dann komplett zu schließen. Offizielle Angaben dazu gab es aber am Montag nicht, mehrere Betreiber von Zentren in der Region ließen Anfragen, wie es ab Freitag weitergeht, unbeantwortet.

Zum Testzentrum in Bad Bramstedt (Bleeck 15-19) sagt Jörg Kamensky, Leiter des Bürgeramtes: „Wir werden das Zentrum wahrscheinlich erst einmal weiterführen.“ Betrieben wird das Testzentrum von drei Apotheken, in Räumlichkeiten der Stadt. Kamensky sagt: „Die Apotheken haben signalisiert, dass es weitergehen soll. Aber es kann natürlich sein, dass man in vier Wochen feststellt, dass sich das nicht mehr rechnet.“

Apotheken sind darauf angewiesen, dass sich Testzentrum rentiert

Die Apotheken müssten Personal für die Tests abstellen, seien darauf angewiesen, dass auch genügend Kunden kommen. Auch Kamensky würde es begrüßen, wenn das Land Schleswig-Holstein finanziell dafür sorgen würde, dass die Tests auch weiterhin für alle kostenfrei sind. „Das wäre natürlich positiv“, sagt er.

Eine der Kaltenkirchener Teststationen hat hingegen schon am 18. Juni die Arbeit eingestellt. Die Rede ist vom Testzentrum des Betreibers „MedXProject“ im Einkaufszentrum Ohland-Park. Das hat aber nichts mit der neuen Kostenpflicht zu tun. Die Teststation musste einem Impfzentrum weichen, das dort gerade eingerichtet wird. Derzeit laufen die Umbauarbeiten. Zum 1. Juli soll das neue Testzentrum, das der Kreis Segeberg betreiben wird, das einzige des Kreises sein. Das Impfzentrum im Norderstedter Herold-Center wird geschlossen. Ein Schließungstermin ist noch nicht bekannt.

Impfzentrum: Schließung in Norderstedt, Neueröffnung in Kaltenkirchen

Hintergrund: Das Gesundheitsministerium hatte, gemeinsam mit den Kreisen und kreisfreien Städten die künftige Anzahl der Impfstellen im Land auf 15 festgelegt.

Damit konnte es nur noch ein Impfzentrum im Kreis geben. Die Kreisverwaltung hatte sich, zum Bedauern von Norderstedts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder, gegen das Herold-Center entschieden und Kaltenkirchen als künftig einzigen Standort nach Kiel gemeldet.

Testzentrum auf der Suche nach neuem Standort in Norderstedt

Die Teststation von MedXProject soll es aber weiterhin geben. „Ich bin auf der Suche nach einem neuen Standort“, sagt der Geschäftsführer Andreas Moll. Sein Unternehmen mit acht Angestellten existiere auch nach der Schließung, denn es gebe andere Geschäftsbereiche, wie etwa die Weiterbildung von Behördenmitarbeitern in Sachen Katastrophenschutz.

Doch Moll will auch weiterhin auf Corona testen. Die wirtschaftlichen Bedingungen dafür sieht er auch nach dem 1. Juli gegeben. „Ich glaube, drei Euro werden niemanden davon abhalten, sich testen zu lassen.“

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