Karl May Spiele

Erste Szenen aus Bad Segeberg – jedoch ohne Winnetou

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Andreas Burgmayer
Karl May Festspiele: Sascha Hehn (l.) spielt die Titelrolle in "Der Ölprinz" – hier an seiner Seite Fabian Monasterios als Mokaschi.

Karl May Festspiele: Sascha Hehn (l.) spielt die Titelrolle in "Der Ölprinz" – hier an seiner Seite Fabian Monasterios als Mokaschi.

Foto: Markus Scholz / dpa

Alexander Klaws fiel am Freitag bei der Vorstellung von „Der Ölprinz“ aus. Was das für die Saison am Kalkberg bedeutet.

Bad Segeberg. Die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg ohne Winnetou – undenkbar. Insofern war es doch ein kleiner Schock, als das Ensemble für das neue Stück „Der Ölprinz“ am Freitag in der Kalkbergarena in Bad Segeberg erste Szenen des Open-Air-Spektakels vor der Öffentlichkeit präsentierte und ausgerechnet Alexander Klaws, der Darsteller des Apachenhäuptlings, nicht dabei war.

Da wird doch nicht schon wieder dieser verdammte Coronavirus Schuld sein? Der schon 2020 verhinderte, dass der „Ölprinz“ in Bad Segeberg aufgeführt werden konnte und der auch 2021 die Saison am Kalkberg ausfallen ließ? „Nein, Alex hat nur einen Schnupfen“, sagte Michael Stamp, Sprecher der Karl-May-Spiele. „Er ist einfach erkältet. So was soll es ja auch noch geben.“

Karl-May-Spiele 2022: Wild-West-Stimmung ohne Alexander Klaws in Bad Segeberg

Das wird die vielen Fans des Wild-West-Spektakels aufatmen lassen. Nein, in diesem Jahr sieht alles nach Normalität am Kalkberg aus. Winnetou wird reiten, Sascha Hehn wird den Bösewicht geben, also den Ölprinz Grinley, und die legendäre Reibeisenstimme von Katy Karrenbauer wird in der Rolle der Rosalie Ebersbach durch die Arena schnarren. „Es gelten bei uns in den Proben natürlich alle Vorsichtsmaßnahmen und Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. Auf der Bühne ist das kein Problem – die ist ja an der frischen Luft", sagte Stamp.

Und an der fühlte sich das Ensemble am Freitag offenbar pudelwohl. Zwar mussten die geplanten Szenen noch mal verändert werden, weil Winnetou ja verschnupft war. Doch das war kein großes Problem. Und in den wenigen Szenen, in denen Alexander Klaws als Apachenhäuptling Textstellen hatte, sprang einfach Regisseur Ulrich Wiggers ein und sprach aus Off den Winnetou. Die übrigen Schauspielerinnen und Schauspieler interagierten dann einfach mit einem leeren Stuhl statt Winnetou als Gegenüber.

Was der Intensität der Darstellung keinen Abbruch tat. Er könne das Gefühl gar nicht richtig beschreiben, dass es jetzt wieder losgehe, sagte Joshy Peters, der seine 28. Saison in Bad Segeberg spielt. „Es ist ein riesiges Glücksgefühl.“ Der 63-Jährige spielt den brutalen Gangsterboss Buttler. Für ihn seien die Karl-May-Spiele nicht nur ein Job, sondern „auch Familie, ein Stück Zuhause und ein Stück Heimat“. Als Old Shatterhand ist Peters schon zehnmal im Arenarund geritten und so eroberte der Hamburger Schauspieler seine Fangemeinde. Doch auch den Drecksack Butler hat Peters drauf. Er ist der Boss der „Finders“-Bande und der Bruder des Ölprinzen.

Der wird von Sascha Hehn gespielt, der sich am Freitag richtig gut im Sattel macht. Hat schon was, wenn der ehemalige Traumschiff-Kapitän und Schwarzwaldklinik-Doktor mit Sonnenbrille unter dem Cowboy-Hut, Vollbart und im langen Staubmantel lässig auf seinem dahertrabenden Schimmel sitzt. „Es macht einen irrsinnigen Spaß. Ich hätte das vorher nicht gedacht“, gesteht Hehn am Ende der Szenenvorführung. „Das Team kommt jetzt langsam in den Rhythmus, der für die vielen Vorstellungen nötig ist.“

Die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg kosten 2022 fast 6 Millionen Euro

Die Szenen in der Kalkbergarena ließen die Vorfreude auf den "Ölprinz" wachsen. Auf die Fans warten viel Action, viel Feuer, viele Pferde, viel Dramatik und jede Menge Spaß - wie es die Fans am Kalkberg eben lieben. Inszeniert werden die Karl-May-Spiele erstmals von Regisseur Ulrich Wiggers, einem Spezialisten für Großproduktionen. Er dirigiert im 18.000 Quadratmeter großen Freilichttheater über 80 Mitwirkende, 25 Pferde, einen Afrikanischen Schreiseeadler, einen Falken, Schafe, Ziegen, zehn Gänse und sogar eine Eselstute mit einem drei Monate alten Fohlen. Das Buch für „Der Ölprinz“ stammt von Autor Michael Stamp, die Produktions- und Spielleitung liegt in den bewährten Händen von Stefan Tietgen.

Laut Geschäftsführerin Ute Thienel betragen die Kosten der neuen Karl-May-Produktion rund 5,8 Millionen Euro. Etwa eine halbe Million Euro wurde in Technik, Kostüme und das Bühnenbild investiert. Die Kulissen mit Bohrfeld und zwei Öltürmen, irischem Saloon, Pueblo, Tipi-Dorf und einem großen Treck wurden vom neuen Bühnenbildner Leif-Erik Heine nach einem Entwurf seines Hamburger Vorgängers Andreas Freichels konzipiert.

Ute Thienel: „Endlich geht es wieder los! Wir alle freuen uns zusammen mit unseren Gästen, dass Winnetou wieder am Kalkberg reitet. Die vergangenen beiden Jahre waren für uns alle eine sehr schwere Zeit. Nun können wir das Stück ‚Der Ölprinz‘ zeigen, auf das wir so lange hingearbeitet haben. Sehr froh sind wir, dass wir das Freilichttheater mit seinen 7.700 Plätzen komplett füllen dürfen.“

Karl-May-Spiele: Es gibt Karten für die Generalprobe

Wer nicht bis zur ersehnten Premiere am Sonnabend, 25. Juni, um 20.30 Uhr warten will, hat ab sofort die Chance, sich auf www.karl-may-spiele.de Tickets für die öffentliche Generalprobe am Freitag, 24. Juni, um 20 Uhr zu sichern.

In früheren Jahren wurden die Karten für die Generalprobe ausschließlich am Veranstaltungstag an der Tageskasse verkauft. Das führte, da es sich um freie Platzwahl handelte, stundenlang zu Menschentrauben vor den Kassen und dem Haupteingang. „In Zeiten von Corona möchten wir solche Ansammlungen vermeiden“, erklärt Geschäftsführerin Ute Thienel. Gespielt wird bis zum 4. September.

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