Energieversorgung

Stromausfall? In Henstedt-Ulzburg fast ein Fremdwort

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Christopher Herbst
In Henstedt-Ulzburg sind aktuell 6800 Haushalte und Betriebe Kunden der Schleswig-Holstein Netz AG.

In Henstedt-Ulzburg sind aktuell 6800 Haushalte und Betriebe Kunden der Schleswig-Holstein Netz AG.

Foto: Christopher Herbst

Versorgungssicherheit mit Strom und Gas ist überdurchschnittlich gut. Was das für die Bürger bedeutet.

Henstedt-Ulzburg. Wer sich so lange bindet, will vor allem Verlässlichkeit. Bis zum 31. Dezember 2032 wird die Schleswig-Holstein Netz AG das Strom- und Gasnetz in Henstedt-Ulzburg betreiben, also für diese elementare Infrastruktur in der Gemeinde verantwortlich sein. „Wir haben einen guten, zuverlässigen Partner für die Zukunft gewonnen. Das Angebot und die Leistungsfähigkeit haben uns überzeugt. Und wir stimmen auch überein bei den Zielen, die sich die Gemeinde gesetzt hat: Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Digitalisierung, die preisgünstige Versorgung mit Strom und Gas und die Sicherheit in der Preisgestaltung für die Bürgerinnen und Bürger“, sagte Bürgermeisterin Ulrike Schmidt bei der Vertragsunterzeichnung.

Die bisherigen Konzessionsvertrage über 527 Kilometer Niedrig- und Mittelspannungsleitungen sowie 253 Kilometer Nieder- und Mitteldruck-Gasleitungen laufen aus. Gesetzlich war die Verwaltung zu einer Ausschreibung verpflichtet. Für den Gas-Sektor gab es jedoch nur die Bewerbung der SH Netz, beim Stromnetz immerhin ein zweites Angebot. Die Kommunalpolitik hatte zuvor festgelegt, dass die neuen Verträge nur eine Laufzeit von zehn Jahren (zuvor 20) haben dürfen.

Energieversorgung: An erster Stelle steht die Versorgungssicherheit

Was die Zusammenarbeit bedeutet, erklärt Matthias Boxberger, Aufsichtsratvorsitzender des Unternehmens: „Es geht nicht darum, wer den Bürger beliefert, sondern darum, wer für die Netze verantwortlich ist. An erster Stelle steht die Versorgungssicherheit.“ Gerade bei Erdgas, sagt er. „Mit der Stromrechnung bezahlt man die Energie und das Netzentgelt. Die SH Netz stellt die Entgelte dem Energielieferanten in Rechnung.“ Henstedt-Ulzburg erhält wiederum Abgaben des Betreibers: 2021 waren es 881.601 Euro für Strom und 141.487 Euro für Gas. Das Unternehmen sichert eine „vorausschauende, gemeinsame Netzentwicklungsplanung, auch im Rahmen der Quartiersentwicklung“, zu. „Wir wollen die Gemeinde Schulter an Schulter bei städtebaulichen Maßnahmen in Henstedt-Ulzburg begleiten.“ Das betrifft auch geplante Wohnquartiere und die jeweiligen Energiekonzepte.

2023 und 2024 sollen vier bis fünf Millionen Euro in die Leitungen investiert werden. „Und wir wollen die Gemeinde bei ihren Nachhaltigkeits- und Klimaambitionen unterstützen.“ Ein Beispiel ist ein digitales Portal zur Überwachung von Gebäuden, „ein Energie-Effizienzwächter“. Denn jede eingesparte Kilowattstunde sei besonders wertvoll. Ist ein Verbrauch ungewöhnlich hoch, könnte das etwa auf bauliche Mängel hinweisen – und man könnte zusammen mit der Verwaltung aktiv werden.

In Deutschland gibt es 12,99 Minuten Stromausfall pro Haushalt im Jahr

Die Versorgungssicherheit in Henstedt-Ulzburg ist überdurchschnittlich gut, haben die Fachleute errechnet. Von 2017 bis 2020 habe es in Deutschland durchschnittlich 12,99 Minuten Stromausfall pro Haushalt im Jahr gegeben. In Hen­stedt-Ulzburg waren es nur 3,25 Minuten, besagt die Fehlerstatistik. Meist sind die Gründe sowieso keine Überlastung, sondern Bauarbeiten, bei denen die Leitungen versehentlich beschädigt werden.

6800 Haushalte und Betriebe im Ort sind aktuell angeschlossen. Was viele vermutlich nicht wissen: „Es gibt keinen Anschlusszwang an das Netz“, so Boxberger. Wer also unbedingt autonom sein möchte, kann das gerne sein – nur eben auch mit entsprechenden Risiken, weswegen das eigentlich nur ein theoretisches Szenario ist. Und wenn eine Kommune den Vertrag mit dem Betreiber nicht verlängern würde? Dann wäre ein Verkauf der Netze vorgeschrieben. „Das kommt vor, aber in den letzten Jahren immer weniger.“ In Hen­stedt-Ulzburg sowieso nicht, hier ist SH Netz – beziehungsweise die Vorgänger – zuständig, seitdem es die Bundesrepublik Deutschland gibt.

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