Senioren Norderstedt

Norderstedt: Vierbeiner im Einsatz gegen die Einsamkeit

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Andreas Burgmayer
Was Menschen nicht vermögen, schaffen Hunde spielend.

Was Menschen nicht vermögen, schaffen Hunde spielend.

Foto: Tim Tegetmeyer / Malteser Hilfsdienst

Wie der Malteserhilfsdienst vereinsamten Seniorinnen und Senioren ein Lächeln ins Gesicht zaubern will.

Norderstedt.  Christina Barg koordiniert für den Malteser-Hilfsdienst in Norderstedt das Projekt Hunde-Besuchsdienst für Seniorinnen und Senioren. Für betagte Menschen also, die alleine leben, deren Angehörige verzogen sind, die zunehmend ohne soziale Kontakte leben. Oder für solche, die an Demenz erkrankt sind und Impulse benötigen, die sie aus der krankheitsbedingten Abschottung holen können. „Einsamkeit betrifft in unserer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen“, sagt Christina Barg.

Ein Hund, sagt Christina Barg, kann ein Türöffner sein. Und in diesem Fall für jene Türen, hinter denen Menschen zurückgezogen oder vereinsamt leben. Entweder, weil sie niemanden mehr haben in ihrem Leben. Oder weil sie sich durch Krankheit in eine ganz eigene, innere Welt zurückgezogen haben.

Hunde-Besuchsdienste gibt es überall in Deutschland - mit Erfolg

Die Idee des Besuchsdienstes mit einem Hund ist so einfach wie gut und sie funktioniert in vielen Städten und Kommunen in Deutschland bereits ganz hervorragend: Ehrenamtliche mit Hund besuchen betagte Menschen, die sich den Kontakt zu einem Tier wünschen. Der Hund steht dabei zunächst im Mittelpunkt des Interesses. „Allein der Kontakt und das Streicheln des Tieres sorgen schon dafür, dass sich Menschen entspannen, dazu gibt es Studien“, sagt Barg.

Bei Dementen lösen die Hunde Erinnerungen aus

Gerade bei dementen Seniorinnen und Senioren kann der Besuch des Hundes Erinnerungen auslösen. „Da kommen biografische Lebensabschnitte hoch, als sie selbst noch einen Hund hatten, es werden Geschichten erzählt.“ Aus der Demenz-Therapie weiß man, dass der Einsatz von Tieren depressive Verstimmungen bessern kann oder die Ansprechbarkeit des oder der Dementen. Aggression und Unruhe werden weniger, die soziale Interaktion reger und interessierter.

Aggressive Tiere eignen sich nicht für den Einsatz

Für Hund und Halter, die sich für den Besuchsdienst interessieren, gelten gewisse Vorgaben. Zum einen ist natürlich nicht jeder Hund für einen Einsatz dieser Art geeignet. „Aggressive Tiere, die auf Gefahrhund-Listen stehen etwa“, sagt Barg. „Wir brauchen Tiere, die über einen Grundgehorsam verfügen, die zutraulich sind und sich gerne streicheln lassen“, sagt Barg. Das Tier sollte mindestens 15 Monate alt sein. Im Umgang mit den Seniorinnen und Senioren – besonders bei Demenzerkrankten – könne es für den Hund zu ungewöhnlichem Verhalten kommen.

Unvorhersehbare Situationen dürfen nicht dazu führen, dass der Hund am Ende zuschnappt. In anderen Projekten wurden gute Erfahrungen mit großen Rassehunden wie Retrievern oder Leonbergern gemacht, ebenso aber auch mit kleinen Hunderassen wie den Bolonkas. Mischlinge stehen mit ihren Talenten den Tieren mit Stammbaum in nichts nach. Grundsätzlich gilt die Faustformel: Lieb, Sozial und gehorsam.

Frauchen oder Herrchen werden ein halbes Jahr lang ausgebildet

Attribute, die auch für Herrchen oder Frauchen gelten sollten, wenn sie sich für den Besuchsdienst interessieren. Wobei sich der Gehorsam darauf beschränkt, dass man gehorsam die etwa halbjährige Ausbildung absolviert, die der Malteser-Hilfsdienst für alle Teilnehmenden zur Pflicht macht. „Es sind etwa acht Termine für die Ausbildung der Ehrenamtlichen vorgesehen, bis auf einen Termin alle in Präsenz in Norderstedt“, sagt Christina Barg. Außerdem kommen noch ein paar Schulungseinheiten zum Thema Umgang mit Demenzkranken hinzu.

„Wir wollen alles dafür tun, dass sich die Helferinnen und Helfer bei ihrer Aufgabe wohl fühlen und alle ihre Fragen beantwortet werden“, sagt Barg. Für den Eignungstest der Hunde stehe eine ausgebildete Tiertrainerin bereit. Sie entscheidet, ob die Tiere für den Besuchsdienst infrage kommen.

„Es haben sich in Norderstedt schon einige Menschen für den Besuchsdienst angemeldet“, sagt Christina Barg. Die Altersstruktur sei unterschiedlich. „Hauptsächlich ältere Menschen mit Hund, die anderen etwas Gutes tun wollen. Aber wir haben auch jüngere Menschen unter den Bewerbern, die sich für andere engagieren wollen.“

Das Potenzial für den Einsatz der Hunde in Norderstedt ist groß

Das Potenzial für den Einsatz der Besuchsteams in Norderstedt schätzt Barg als durchaus hoch ein. Besucht werden ausschließlich Menschen in ihren eigenen vier Wänden. „Dazu zählen für uns auch die Einrichtungen des betreuten Wohnens“, sagt Barg. „Die Einsamkeit hat sich bei vielen in der Corona-Pandemie noch mal verstärkt.“

Bei einem unverbindlichen Infoabend am Donnerstag, 2. Juni, von 19 Uhr an, in den Räumen der Jugendfeuerwehr am Schützenwall 47 in Norderstedt, können sich Interessierte über den den Besuchsdienst informieren. Koordinatorin Christina Barg klärt dann Fragen zu Inhalt und Ablauf der Ausbildung. Wer im Vorfeld Fragen hat, kann sich an Christina Barg unter christina.barg@malteser.org oder unter 0151/72 65 87 42 wenden.

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