Henstedt-Ulzburg

Tierheim muss anbauen – um verwahrloste Hunde zu pflegen

| Lesedauer: 5 Minuten
Claas Greite
Katja Vogel, Leiterin des Tierheims Henstedt-Ulzburg, mit einer kleinen Hündin, die todkrank aus einer illegalen Zucht kam.

Katja Vogel, Leiterin des Tierheims Henstedt-Ulzburg, mit einer kleinen Hündin, die todkrank aus einer illegalen Zucht kam.

Foto: Andreas Burgmayer

In der Corona-Pandemie kauften viele Menschen Hunde – und waren überfordert mit der Haltung. Über die bitteren Folgen berichten Tierretter.

Henstedt-Ulzburg.  Das Tierheim in Henstedt-Ulzburg braucht dringend einen Erweiterungsbau. Die Quarantänestation für Hunde soll vergrößert werden. Der Grund: Immer mehr Hunde, deren Besitzer mit den Tieren nicht klarkommen, werden im Tierheim abgegeben. Über den Erweiterungsbau muss der „Zweckverband Fundtiere Segeberg West“ entscheiden, der Eigentümer des Tierheims ist. Er wird sich auf seiner nächsten Versammlung am 24. Mai mit dem Thema beschäftigen.

Wie kommt es dazu, dass die aktuellen Räumlichkeiten in dem Tierheim nicht mehr ausreichen? Katja Vogel, Leiterin des Heims am Kirchweg 124 e in Henstedt-Ulzburg, erklärt: „Die Verwahrlosung von Hunden im privaten Besitz hat definitiv zugenommen.“ Zu den Gründen sagt sie: „Während der Corona-Zeit haben sich viele Menschen Hunde gekauft, manchmal in Online-Portalen wie E-Bay.“ Aktuell sei es leider „sehr leicht, sich einen Hund anzuschaffen.“ Bei den besagten Käufern handele es sich beispielsweise um ältere Menschen, die einsam sind, teilweise auch um Eltern, die ihren Kindern Hundewelpen schenken. „Manche sind dann schnell überfordert und merken, dass ein Hund ein lebendiges Wesen mit Bedürfnissen ist.“

Ist ein Tier verwahrlost, wird es aus dem Haushalt herausgenommen

Werden Hunde in Haushalten nicht richtig versorgt, erhalten in der Regel das Ordnungsamt oder das Veterinäramt einen Hinweis. Bestätigt sich, dass ein Tier verwahrlost ist, wird es aus einem Haushalt herausgenommen und landet im Tierheim. Genau solche Fälle gebe es immer mehr, sagt Katja Vogel. „Aus dem Veterinäramt hören wird, dass es sehr, sehr viele Meldungen gibt. Denen nachzukommen, sei kaum noch möglich.“ Sie möchte Menschen, die mit ihren gerade angeschafften Tieren „nicht verteufeln“, denn es stünden „Schicksale dahinter“. Aber für das Tierheim habe sich die Lage verändert. Auch Katzen und Kleintiere würden nun vermehrt im Heim abgegeben, allerdings sei in dem Bereich das Problem „längst nicht so schlimm.“

Für die vielen Hunde muss nun der Quarantänebereich erweitert werden. Denn dort kommt erst einmal jeder Hund für sieben Tage hinein, wenn er im Heim abgegeben wird. Es muss festgestellt werden, ob er Krankheiten hat, von Schädlingen befallen ist, bevor er mit den anderen Hunden im Tierheim zusammengebracht werden kann. Die Tatsache, dass es besonders viele sogenannte „Sicherstellungshunde“ ins Heim kommen - Tiere, die ihren Besitzern weggenommen wurden - verschärft die Dringlichkeit. Denn diese Tiere bleiben nicht nur sieben Tage in der Quarantänestation, sondern für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts. Und das sind oft mehrere Monate. Warum das so ist, erklärt Katja Vogel: „Die Tiere müssen aus rechtlichen Gründen im Quarantänebereich bleiben, denn der Besitzer hat erst einmal ein Recht darauf, seinen Hund wiederzubekommen, wenn sich die Situation zu Hause gebessert hat.“

Tierheim wünscht sich einen Bau, der 50 bis 60 Quadratmeter hat

Nach den Vorstellungen der Tierheim-Mitarbeiter sollte der Erweiterungsbau 50 bis 60 Quadratmeter groß sein und noch Außenzwinger bekommen. Katja Vogel: „Vor eineinhalb Jahren gab es schon einmal einen unverbindlichen Kostenvoranschlag, da war von 100.000 Euro Baukosten die Rede.“ Inzwischen dürfte sich das Bauen aber, im Zuge der Corona-Pandemie, verteuert haben.

Der Verein Tierschutz Henstedt-Ulzburg e.V. hat nun beim Eigentümer des Tierheims beantragt, den Erweiterungsbau in die Wege zu leiten und auch den größeren Teil der Baukosten zu tragen. Bei dem Eigentümer handelt es sich um den Zweckverband Fundtiere Segeberg West. Die Mitglieder sind mehrere Bürgermeister und Amtsvorsteher, Verbandsvorsteherin ist Henstedt-Ulzburgs Bürgermeisterin Ulrike Schmidt. Von ihrer Seite gab es am Freitag zunächst noch keine Aussage zu dem Thema. Auf der Versammlung am Dienstag, 24. Mai, wird voraussichtlich über den Antrag entschieden werden.

Der Tierschutzverein würde selbst Geld beisteuern

Der Tierschutzverein ist auch bereit, selbst einen gewichtigen Teil der Baukosten zu tragen. Wie es in einem Schreiben des Vereins an den Verband heißt, könne man 50.000 Euro beisteuern. Das sei deshalb möglich, weil der Tierschutzverein bei mehreren Erbschaften bedacht worden sei. In dem Schreiben heißt es weiter: „Wir hoffen, dass die Zweckverbandsmitglieder die Notwendigkeit für den Anbau sehen und sich aufgrund der Kostenreduzierung für den Zweckverband für die Durchführung des Projektes entscheiden können.“

Die Versammlung des Zweckverbands Fundtiere Segeberg West findet am Dienstag, 24. Mai, ab 15 Uhr im Ratssaal des Rathauses Henstedt-Ulzburg, Rathausplatz 1, statt. Sie ist öffentlich.

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