Kreis Segeberg

Fritz Sebastian Konka – Der Romantiker aus Norderstedt

| Lesedauer: 5 Minuten
Anika Würz
Der Norderstedter Poet Fritz Sebastian Konka vor seiner Streetpoetry.

Der Norderstedter Poet Fritz Sebastian Konka vor seiner Streetpoetry.

Foto: Fritz Sebastian Konka

Der Lyriker hat in diesem Jahr schon zwei Bücher veröffentlicht. Was den Norderstedter Poeten inspiriert.

Norderstedt. „Immer wenn ich das Gefühl habe, schreiben zu müssen, dann schreibe ich auch.“ So formuliert es der Norderstedter Poet Fritz Sebastian Konka, der in seinem zweiten Leben als Jurist ganz anders heißt. Auf seinem Blog dasalltaeglichechaos.com ist sein Schreibzwang gut zu erkennen. Oft mehrmals am Tag postet er seine Texte. „Ob Aphorismen, altmodisch Gereimtes oder neue spontan-lyrische Fragmente, da ist alles drin“, sagt Konka. Er müsse seinen Gefühlen regelmäßig Ausdruck verleihen, „weil das sonst so überwältigend ist, wenn ich die Gedanken nicht loswerden kann, wenn ich sie nicht teilen kann“, beschreibt der 37-Jährige.

Gefühlige Gedichte auch in Hamburg plakatiert

In der achten Klasse, zu seiner Schulzeit im Gymnasium Harksheide, küsste den selbst ernannten Romantiker erstmals die Muse. Bereits damals hat er vornehmlich Liebesgedichte geschrieben. Seit etwas mehr als drei Jahren verfasst er wieder regelmäßig. „Das war damals wie eine persönliche Krise, wie ein Scheideweg, an dem ich stand. Irgendetwas fehlte mir. Ich brauchte einen zusätzlichen Output“, sagt Konka.

Der Dichter dichtet, sobald ihn die Inspiration übermannt. Das kann schließlich immer und überall passieren, weshalb er Block und Stift gegen sein Smartphone getauscht hat. „Das Handy habe ich immer griffbereit. Damit kann ich in der Bahn schreiben, im Bus, im Café oder abends auf der Couch“, sagt er. Inhaltlich ist Konka aber ganz klassisch unterwegs. In seiner Lyrik geht es viel um Sehnsucht und Fernweh, Liebe und Gefühle aller Couleur. Typische Motive der Romantik, also die Sterne, der Mond und die Natur in ihrer Pracht, sind Konkas Metier.

„Ich interessiere mich aber auch für soziale Gegensätze und zeitgenössische Gedanken“, sagt er. Seinem Gedicht „Eine Bank“, das sich kritisch mit der fehlenden Hilfe für Obdachlose auseinandersetzt, wurde zuletzt besondere Aufmerksamkeit zuteil. Als sogenannte Streetpoetry (dt. „Straßenpoesie“) war „Eine Bank“ in Konkas Wahlheimat Eppendorf plakatiert. Er findet die Idee hervorragend: „So kommen die Menschen nicht nur zur Literatur, sondern die Literatur auch zu den Leuten.” Weitere Konka-Texte hängen in Altona und Leipzig. „Die Bank“ auf der Eppendorfer Plakatwand wurde mittlerweile durch sein Gedicht „Hamburg“ ersetzt. Konkas norddeutsche Heimat ist ebenfalls eine Thematik, die in seinem Œu­v­re nicht zu kurz kommt.

Junge Lyriker vernetzen sich bei Instagram

Wer viel schreibt, verlegt früher oder später - so auch Fritz Konka. Aus einem Gedichtband entwickelte sich schnell ein weiterer und so hat der Norderstedter in diesem Jahr bereits zwei Bücher im Selbstverlag auf den Markt gebracht. „Niemand Jemand“ und „Jemand und du“ umfassen jeweils rund 100 Gedichte. Sowohl in Konkas Onlineshop als auch beim Buchhändler des Vertrauens, beispielsweise bei Lüders in Eimsbüttel, können Lyrikliebhaber die frischgedruckten Werke ergattern. Dass Lyrikbände zuweilen als verstaubt gelten, findet er schade. „Die Lyrik ist einfach eine Ausdrucksform, die sehr dicht ist – das steckt ja schon im Wort Dichtung. Sie bringt auf den Punkt, was die Menschen bewegt“, sagt er. Wer sich für die Poesie öffne, habe die Chance Dinge zu entdecken, die er vorher nie für möglich gehalten hätte.

Umso besser findet Konka es, dass junge Menschen sich anscheinend wieder vermehrt mit Lyrik auseinandersetzen und sich über ihre Liebe zur Literatur bei Instagram vernetzen. Über die Plattform habe er etwa eine Studentin aus Trier kennengelernt, die sich mit seinen Gedichten in einem Uni-Seminar mit dem Thema „Deutsche Lyrik nach 1945“ beschäftigt hat. Außerdem ist eine Zusammenarbeit mit der Hamburger Musikerin Linda Rum entstanden. Zwei Songs haben sie und Konka schon gemeinsam geschrieben. Derzeit denken die beiden über gemeinsame musikalisch-lyrische Auftritte nach.

Via Instagram ist der Poet ebenfalls auf die Aktion „Lockdownlyrik“ aufmerksam geworden. Für den Aufruf Gedichte aus dem zweiten Lockdown einzusenden hat er sich nicht nur stark gemacht, sondern natürlich auch selbst an dem Projekt teilgenommen. Der Band mit 100 Gedichten von 100 Autoren und Autorinnen erschien im März 2021 im Berliner Trabantenverlag. Das Folgeprojekt Aufbruchlyrik, das das Ende der Corona-Einsamkeit literarisch einläuten soll, ist gerade in vollem Gange. Auch diesmal möchte Initiator Fabian Leonhard am Ende der Aktion ein Buch herausgeben, das die 100 besten der eingesendeten Texte vereint. Fritz Konka ist erneut mit von der Partie: schreibend, werbend und organisierend.

Erscheint schon bald sein erster Roman?

Im Moment hat der Dichter keine konkreten Pläne für seine schriftstellerische Zukunft. Er hat ja gerade erst zwei Werke veröffentlicht. Doch würde er sich den Traum vom eigenen Roman gern einmal erfüllen, sagt er. Verfasst ist der übrigens schon. „Den habe ich in ein paar Tagen völlig im Flow runtergeschrieben – im Kloster Saunstorf“, erzählt Konka.

Es sei schon länger sein Wunsch gewesen, eine Schweigewoche zu verbringen. Im Kloster habe die fehlende Kommunikation mit der Außenwelt seine Innenwelt umso lauter werden lassen. Da musste er sich einen ganzen Roman von der Seele schreiben. Wer weiß, vielleicht steht das „Roadmovie in Buchform“, wie Konka es beschreibt, schon bald neben seinen zwei Gedichtbänden in der Buchhandlung.

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