Schröters Wochenschau

Der Reifenfrevel - Von Rücksicht keine Spur

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Jan Schröter
Jan Schröter blickt auf Themen zurück in seiner Wochenschau.

Jan Schröter blickt auf Themen zurück in seiner Wochenschau.

Foto: Sophie Labyk

Kolumnist Jan Schröter macht sich Sorgen um die Natur – und vor allem um hüpfende Eichhörnchen.

Mönkloh ist ein kleines, in Wald und Flur gelegenes Dorf – die westlichste Gemeinde im Landkreis Segeberg. Früher war Mönkloh hübsch und sauber. Mittlerweile ist es nur noch hübsch, die Sauberkeit hat gelitten.

Seit einigen Monaten entsorgen unbekannte Umweltfrevler in dieser Gegend immer wieder Autoreifen. An die 900 Stück zählte die Polizei bis jetzt. Mönkloh hat etwa 240 Einwohner. Es ist also abzusehen, dass demnächst jeder Dorfbewohner über einen kompletten Reifensatz verfügt.

Was ja durchaus ein Grund zur Freude sein könnte, würde es sich um Neureifen handeln. Leider sind es zumeist völlig abgenudelte Exemplare, die bei jeder Polizeikontrolle die sofortige Stilllegung des damit bestückten Fahrzeugs provozieren würden.

Nachvollziehbar also, dass in Mönkloh niemand die Dinger haben will. Die Waldbewohner möchten die Reifen auch nicht. Nachdem sich ein vorwitziges Eichhörnchen in der irrigen Annahme, es handele sich um besonders große Donuts, an einigen Gummiringen überfraß und hernach mit der Figur eines Michelin-Männchens haltlos vom Ast stürzte, lassen alle anderen Kreaturen die Pfoten davon (keine Bange, liebe Kinder, dem süßen Eichhörnchen ist zum Glück nichts Schlimmes passiert: dank des inneren Reifengummipolsters prallte es am Boden ab wie ein Flummiball und hüpfte davon – zuletzt wurde es vorgestern in der Gegend von Lentföhrden gesichtet, wie es im Zenit eines jeden Hüpfers vergnügt Purzelbäume schlug).

Nun liegen die Reifen im Wald von Mönkloh. Die sachgerechte Entsorgung eines Autoreifens auf einer Deponie kostet im Schnitt fünf Euro. Okay, auf der Deponie Gieschen in Friedrichsgabe war’s wahrscheinlich günstiger, aber die ist ja nun gesperrt. Niemand will die Reifen haben und keiner will’s gewesen sein. Also blecht am Ende der Steuerzahler. Erschütternd, wie asozial manche Leute ticken. Andere Menschen und generell andere Lebewesen sowie ihre Umwelt sind ihnen keinen Fünfer wert.

„Sein Prinzip ist überhaupt: Was beliebt, ist auch erlaubt. / Denn der Mensch als Kreatur hat von Rücksicht keine Spur“, dichtete Wilhelm Busch bereits 1877. Dieser fatale Wesenszug ist also nicht neu, was ihn keineswegs leichter erträglich macht. Zum Glück hat ihn auch nicht jeder. Eigentlich sind so nur wenige von uns, glücklicherweise. Aber die machen auf ihren Egotrips derart viel kaputt, dass die Welt oft hässlicher erscheint, als sie eigentlich ist. Also bitte, Ihr Umweltfrevler: wenn Ihr schon Eure Altreifen nicht aus dem Mönkloher Wald absammelt, schmeißt wenigstens keine mehr dazu.

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